Jüdisches Leben
in Bayern

Zeckern/Hemhofen Friedhof

Der jüdische Friedhof liegt nordwestlich der Ortschaft Zeckern. Er ist mit 15169 qm (ca. 100 x 140 m) einer der größten und ältesten Friedhöfe Bayerns. Vermutlich wurde er bereits im 14. Jahrhundert angelegt. Geschätzt wurden dort etwa 6000 Jüdinnen und Juden beigesetzt. Die letzte Beisetzung fand 1941 statt.

Lage: Nordwestlich der Ortschaft Zeckern, bzw. rechts der B 470 auf einer kleinen Anhöhe im Wald, etwa zwei Kilometer von Adelsdorf in Richtung Zeckern/Forchheim entfernt. 

Größe: Mit 15169 qm (ca. 100 x 140 m) einer der größten und ältesten Friedhöfe Bayerns. Er umfasst drei Flurgrundstücke; das dritte wurde 1789 von der Winkler von Mohrenfelschen Gutsherrschaft in Hemhofen käuflich erworben, nachdem es zuvor für 24 Kreuzer jährlich gepachtet war. 

Alter: Vermutlich bereits im 14. Jahrhundert angelegt. 

Einzugsbereich: Am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts sehr weiter Einzugsbereich von Buttenheim und Hirschaid im Norden bis Büchenbach im Süden und von Vestenbergsgreuth im Westen bis Forchheim im Osten; ferner Adelsdorf, Kairlindach, Mühlhausen (bis 1738) und Weisendorf. 

Beerdigungen: Bei Dokumentationen 1970 und 1979 zählte man 1522 Gräber, auf denen noch etwa 800 Grabsteine standen. Schätzungen zufolge wurden auf dem Friedhof etwa 6000 Juden beerdigt. Der älteste Stein stammt aus dem 14. Jahrhundert, der jüngste von 1938. Die älteren Grabsteine befinden sich im unteren Teil des abschüssigen Geländes. Die letzten Beisetzungen fanden 1938 und 1941 statt. 

Besonderheiten: Um 1710 errichtetes Tahara-Haus rechts vom Eingang; es enthält einen Raum mit Waschstein, ein kleines Durchgangszimmer mit Brunnen sowie einem größeren, 1893 nachträglich angebauten Versammlungsraum. 1710 hatte die Ortsherrschaft das Verbot ausgesprochen, die Toten vor ihrer Beisetzung in Adelsdorf zu waschen und dort über Nacht stehen zu lassen. Am 11. September 1998 wurde ein Gedenkstein in der Nähe des Eingangs aufgestellt; er erinnert an 31 ehemalige Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Adelsdorf, die in der NS-Zeit ermordet wurden. 

Schändungen: Zwischen 1933 und 1945 sowie 1946; man entfernte zahlreiche Grabsteine und benutzte sie für profane Bauten.

Fotodokumentation „Steinerne Zeugnisse“:

Israel Schwierz hat uns großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation „Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern“ überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.

Adresse / Wegbeschreibung

91334 Hemhofen

Von Baiersdorf aus auf der B 470 in Richtung Forchheim nach Zeckern abbiegen und dort gleich nach dem christlichen Friedhof in die Kaspar-Lang-Straße. Dieser Teerstraße folgen, bis sie in einen Feldweg übergeht. An zwei Fischteichen vorbei dem Wegverlauf folgen, hinter dem 2. Teich ("Judenweiher"!) rechts abbiegen. Der Friedhof liegt in einem Wädchen.

Literatur

  • Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 218-221.
  • Johann Fleischmann: Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. Die jüdischen Friedhöfe von Zeckern, Walsdorf, Aschbach, Uehlfeld, Mühlhausen, Lisberg, Burghaslach und Reichmannsdorf (Mesusa 3). o. O. [Mühlhausen] 2002, S. 53-102.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 2.
  • Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (4) [Aub, Rödelsee, Sulzbach-Rosenberg, Zeckern-Hemhofen]. In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern 8, Nr. 60 (Dezember 1993), S. 18f.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 200.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 51-61.