Der KZ-Friedhof liegt am Ortsende von St. Ottilien kurz vor dem Bahngleis neben dem Klosterfriedhof. Der Friedhof birgt Opfer aus dem gesamten Lagerkomplex Landsberg / Kaufering, die nach der Befreiung der Lager in das im Kloster eingerichtete Jüdische Krankenhaus gebracht worden waren.
Nach 1945 erfolgte die Errichtung des ersten Grabsteins und 1947 die Belegung mit Sammel- und Einzelgräbern in mehreren Reihen mit je zwei Grabfeldern und je sieben Steinen mit Namensnennungen vom Jüdischen Komitee zusammen mit Dr. Abel Akabas.1950 wurde die Umgestaltung durch das BLEA und das Landratsamt Landsberg in Form von vier Gedenk- und 12 Grabsteinen mit Namen und Errichtung der Umfassungsmauer durchgeführt. 1968 erfolgte die Versetzung der Grabsteine an die Mauer nach den Überführungen. 1972 war der Friedhof mit 46 Opfern des KZ-Systems und neun verstorbenen Zwangsarbeitern.
Auf drei Seiten umgibt eine massive Mauer das Areal, das vom Klosterfriedhof durch eine dichte Hecke getrennt ist. Das schmiedeeiserne Eingangstor trägt zwei Davidsterne; links des Tores steht ein Grabstein, ein weiterer ist in die Mauer eingelassen. In der dem Tor gegenüberliegenden Mauer befinden sich eine Platte mit dem Davidstern, rechts und links davon je ein Grabstein. Rechts des Tores sieht man zehn Gräber mit Grabsteinen, darunter drei Massengräber.
In St. Ottilien existierte vom Mai 1945 bis zum Jahr 1948 eine Jüdische Kultusgemeinde, die sich aus DP’s, überlebenden KZ-Häftlingen des Lagers Kaufering sowie aus jüdischen Kranken aus dem KZ Dachau und der Umgebung von Landsberg zusammensetzte, die hier im (jüdischen) Krankenhaus gepflegt wurden, bzw. nach der Genesung auf die Ausreise nach Israel oder in andere Länder warteten. Eine Gruppe von zehn bis zwanzig Juden kam täglich zum Gebet in einem Betsaal zusammen. Er ist noch erhalten und befindet sich in der „Prokura" (heute Haus St. Paulus) im ersten Stock in einem Zimmer in der Südwestecke des Klosters. Nach der Auflösung der Gemeinde durch Auswanderung verwandte man den Saal wieder als Zimmer des Benediktinerklosters.
(Dank an Jim G. Tobias https://www.nurinst.org für Informationen)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
86941 Eresing
Unmittelbar neben dem Klosterfriedhof, gegenüber dem Bahngleis.
Literatur
- Constanze Werner (Bearb.): KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern. "Wenn das neue Geschlecht erkennt, was das alte verschuldet …". Regensburg 2011, S. 83-86.
- Gerhard Roletscheck: KZ-Friedhof in St. Ottilien. In: Landsberger Geschichtsblätter 118 (2020), S. 103-114.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 330.
Weiterführende Links
- Das traditionelle Judentum im Kloster St. Ottilien (Talmud Thora Schulen in Deutschland
- DP-Camp/Hospital St. Ottilien (Talmud Thora Schulen in Deutschland)
- Jüdisches Sanatorium/Krankenhaus St. Ottilien (After the Shoah)
- DP Hospital St. Ottilien 1945-1948 (Erzabtei St. Ottilien)
- KZ-Friedhof St. Ottilien (Landsberg-Kaufering erinnern)
- KZ-Friedhof St. Ottilien (Landsberger Zeitgeschichte)
- FranKonzept (Hg.): Machbarkeitsstudie für einen Dokumentationsort zum ehemaligen KZ-Außenlagerkomplex Landsberg / Kaufe
- KZ-Friedhof St. Ottilien (Alemannia Judaica)
- Unbequeme Denkmale - Die KZ Friedhöfe (Mittelschule Landsberg a. Lech)
- Friedhof St. Ottilien/Eresing (Bayerischer Denkmal-Atlas)
