Der jüdische Friedhof liegt etwa zwei Kilometer nordöstlich des Ortes auf dem Judenberg unweit des Flurteiles „Sauanger“. Er hat eine Größe von über 7000 qm und wurde Anfang des 17. Jahrhunderts angelegt. Es sind etwa 200 Grabsteine erhalten. Das letzte Begräbnis fand 1894 statt.
Lage: ca. 2 km nordöstlich des Ortes auf dem Judenberg unweit des Flurteiles „Sauanger“.
Größe: 7360 qm; Umfriedung durch eine Bruchsteinmauer.
Alter: 1632 (? Baruch Zvi Ophir). Nach dem Lehensbuch der Gutsherrschaft von Wolkenstein kauften die Juden das Grundstück 1668 von den Stiebars aus Allodialbesitz. Johann Adam Stiebar war damals Inhaber der Rittergüter Pretzfeld und Wolkenstein. Von 1769 bis 1774 kann die Zahlung eines Erbzinses in Höhe von 6 Gulden an die Freiherren von Seckendorf zu Wolkenstein nachgewiesen werden. Wahrscheinlich jedoch ist, dass man auf diesem Friedhof bereits vor 1632 Beerdigungen vornahm. Einer Überlieferung zufolge wurden Fürther Juden bereits vor 1607 auf dem Friedhof beigesetzt. Der älteste bekannte Grabstein stammt jedoch erst aus dem Jahr 1732.
Einzugsbereich: Von 1692/93 bis 1696/97 begruben die Juden aus Mittelweilersbach (1692/93-1696/97, 1769-1773). Adolf Eckstein zufolge lösten sich 1725 die Judengemeinden Hausen, Gaiganz, Pinzberg, Sendelbach, Wiesenthau, Hirschaid, Ober- und Mittelehrenbach aus dem „Sepulturverband Baiersdorf“ und beerdigten ihre Toten auf den ritterschaftlichen Friedhöfen in Heimhofen und Pretzfeld. Die Stiebarschen Rittergutsrechnungen von 1687 bis 1710 nennen an Sterbeorten ferner Egloffstein, Ermreuth, Forchheim, Hagenbach, Kunreuth, Pretzfeld, Pottenstein, Wannbach, Weilersbach und Wiesenthau. Auch eine kleine Rechnungsreihe aus dem Allodialbesitz der Stiebar (Seckendorfsche Lehen) bestätigt weitere Orte, aus denen Tote nach Pretzfeld gebracht wurden, nämlich Bayreuth, Pretzfeld, Tüchersfeld, Wannbach (1772) und Weilersbach. 1894 war keine jüdische Familie mehr in Pretzfeld ansässig, die Gemeinde in Hagenbach weigerte sich, den verwahrlosten Friedhof in seine Obhut zu nehmen. Auch die Juden aus Bruck, Dormitz, Fürth (bis 1608), Hirschaid und Oberehrenbach brachten ihre Toten nach Pretzfeld.
Beerdigungen: Es sind etwa 200 Grabsteine in drei Gräbergruppen erhalten. Die letzte Beerdigung fand 1894 statt (Wolf Heller).
Schändungen: 1928 wurden zahlreiche Grabsteine umgeworfen und das Eingangstor beschädigt. Zwischen 1933 und 1945 blieb der Friedhof vor übergriffen verschont. Ein nach dem Zweiten Weltkrieg von der Militärregierung als Treuhänder eingesetzter Mann aus Muggendorf verkaufte Grabsteine als Baumaterial; nur ein Teil der Grabsteine konnte wieder aufgefunden werden. 1983 wurden die im Fundament einer Lagerhalle eingemauerten Grabsteine auf den Friedhof zurückgebracht. 1994 schmierten Schänder Nazisymbole mit schwarzem Werkstofflack auf Grabsteine. Letzte (?) Schändung 1998.
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
91362 Pretzfeld
Vom Rathaus das Dorf Richtung Ebermannstadt durchfahren, ca. 1km nach dem Ortsende auf einen großen Parkplatz einbiegen (Pretzfelder Kirschenweg). Vom Parkplatz aus dem äußersten rechten Asphaltweg folgen, am Pretzfelder Weinkeller vorbei bis zum Valentin Fröhlich - Denkmal (aus Naturstein). Dort links abbiegen und dem Weg folgen, nach ca. 400m liegt der Friedhof auf der rechten Seite.
Literatur
- Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 152-155.
- Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (22) [Zeckendorf, Pretzfeld, Heiligenstadt, Aufseß). In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 14, Nr. 79 (April 1999), S. 18-20.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 661.
- Georg Knörlein: Jüdisches Leben im Forchheimer Land. Haigerloch 1998, S. 16.
- Karl Dill: Jüdische Friedhöfe in Oberfranken. Heimatbeilage zum Amtlichen Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken Nr. 187, Bayreuth 1992, S. 29–39.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 232f.
- Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 270-281.
Weiterführende Links
- Jüdischer Friedhof Pretzfeld (Landesverband Israelitischer Kultusgemeinden in Bayern)
- Jüdischer Friedhof Pretzfeld (Alemannia Judaica)
- Jüdischer Friedhof Pretzfeld (Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland)
- Dirk Walter: Antisemitismus (Weimarer Republik), publiziert am 09.01.2007. In: Historisches Lexikon Bayerns
- Jüdischer Friedhof Pretzfeld (Bayerischer Denkmal-Atlas)
- Jüdischer Friedhof Pretzfeld (Wikipedia)
