Jüdisches Leben
in Bayern

Karbach Friedhof

Der jüdische Friedhof liegt an einem Hügel am südwestlichen Ortsrand von Karbach im Wald. Er hat eine Größe von fast 4000 und wurde um 1800 angelegt. Die letzte Beerdigung fand 1938 statt.

Lage: Hügel am südwestlichen Ortsrand von Karbach im Wald. Größe: 3830 qm, massive Bruchsteinmauer von 1881. 

Alter: Gründung um 1800. Zuvor wurden die Toten in Laudenbach beigesetzt. Das Grundbuch erwähnt den Friedhof „[...] auf Grund unfürdenklichen Besitzes [...]“. Die Anlage eines Friedhofes in Karbach war umstritten. Deswegen holten die Juden eine Stellungnahme des berühmten Rabbiners Isaak Löb Wormser (1768/69-1847), „des Baal-Schem von Michelstadt“ ein, der in dieser Streitfrage zur Einigkeit aufforderte. Das Sterberegister erwähnt als erstes Beerdigungsdatum den 24. September 1811 mit dem bei der Geburt gestorbenen Sohn des Seligmann Berney. Eine weitere Beisetzung erfolgte mit dem im Alter von 73 Jahren im März 1819 verstorbenen Reitz Rosenband. 

Einzugsbereich: Erlenbach, Homburg (seit 1852) und Marktheidenfeld. 

Beerdigungen: Etwa 240 Gräber. Großer alter, kleinerer neuer Teil; im alten Teil besonders schöne Grabsteine. Gedenkstein für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Die letzte Lewajia fand am 17. Oktober 1938 statt. 

Besonderheiten: Ein Schuldienstvertrag vom 6. September 1896 lautet: „Dienstvertrag zwischen der israelitischen Cultusgemeinde dahier, vertreten durch die unterzeichneten Cultusverwaltungsmitglieder und Herrn Lehrer Eschwege aus Thüngen ist heute folgender Vertrag abgeschlossen worden: Die hiesige Cultusgemeinde nimmt den Herrn Lehrer Salomon Eschwege als Religionslehrer und Vorsänger auf und übernimmt derselbe auch die Schächterfunktion. 1. Herr Lehrer Eschwege hat die Stelle eines Lehrers und Vorsängers pflichtgemäß zu versehen mit der Bemerkung, daß am Neujahrs- und Versöhnungstage ein Gehilfe als Vorbeter beigegeben wird. 2. Die Gemeindeschreiberei und die einschlägigen Publikationen zu besorgen. 3. Die Beaufsichtigung des Friedhofs zu geeigneten Zeiten. 4. Einen passenden Vortrag an Sabbat und Feiertagen zu halten...". Ein Denkmal am Eingang trägt die Inschrift: „Den Toten zur Ehre und zum Ewigen Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger, an ihre Verfolgung, an ihr Leid und ihren Tod. Uns Lebenden sei es Mahnung, kommenden Geschlechtern eine eindringliche Lehre. Errichtet im Jahre 1983 von den Gemeinden Karbach, Homburg und Marktheidenfeld“. 

Schändungen: 1981 wurden zwei Gräber ausgehoben.

Fotodokumentation „Steinerne Zeugnisse“:

Israel Schwierz hat uns großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation „Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern“ überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.

Literatur

  • Scherg, Leonhard: Jüdische Gemeinden und Einrichtungen. In: Juden im Landkreis Marktheidenfeld (Schriftenreihe des Historischen Vereins Marktheidenfeld und Umgebung, 13). Marktheidenfeld 1993, S. 7-70
  • Scherg, Leonhard: Jüdisches Leben im Main-Spessart-Kreis. Orte, Schauplätze, Spuren (Orte jüdischer Kultur, 11). Haigerloch 2000
  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, 79f.
  • Trüger, Michael: Jüdische Friedhöfe in Bayern (20) [Neumarkt, Karbach, Laudenbach, Reistenhausen]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 13, Nr. 77 (September 1998), S. 29-31, hier S. 29-30
  • Hans Schlumberger / Cornelia Berger-Dittscheid: Karbach. In: Wolfgang Kraus / Hans-Christoph Dittscheid / Gury Schneider-Ludorff in Verbindung mit Meier Schwarz (Hgg.) Mehr als Steine…Synagogen-Gedenkband Bayern Band III/1 Unterfranken, Lindenberg im Allgäu 2015, S. 207–224.