Jüdisches Leben
in Bayern

Gunzenhausen Friedhof

Der jüdische Friedhof liegt am Stadtrand von Gunzenhausen, südöstlich des alten kommunalen Friedhofs an der Leonhardsruhstraße. Er hat eine Fläche von über 3000 qm und wurde 1875 als Verbundfriedhof der Kultusgemeinden in Altenmuhr, Markt Berolzheim, Cronheim, Gunzenhausen und Heidenheim eingeweiht. Von den ursprünglichen 400 bis 500 Grabsteinen sind nur noch wenige erhalten.

Lage: Stadtrand von Gunzenhausen, südöstlich des alten kommunalen Friedhofs an der Leonhardsruhstraße. 

Größe: 3271 qm, parkähnliche Anlage mit massiver Umfriedungsmauer. Eine inmitten des Geländes stehende Mauer weist auf eine Erweiterung des Friedhofs nach dem Ersten Weltkrieg hin. 

Alter: 1875; zuvor wurden die Toten in Bechhofen beigesetzt. Die Einweihung fand am 26. August 1875 in Anwesenheit des Ansbacher Distriktrabbiners statt, die erste Beisetzung war die des Kindes Hugo Eichbaum am 3. Oktober 1875. 

Einzugsbereich: Altenmuhr, Markt Berolzheim, Heidenheim und Cronheim.

Beerdigungen: In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts müssen auf dem Friedhof zwischen 400 und 500 Grabsteine gestanden haben, jedoch nur etwa 29 Grabsteine sind verstreut erhalten geblieben. In die inmitten der Friedhofsfläche stehende Mauer sind drei Grabsteine eingemauert; acht Grabsteinen stehen davor. 

Besonderheiten: Gut erhaltenes Tahara-Haus links neben dem Eingang, das nach 1945 zu einem Wohnhaus umgebaut wurde und heute als Wohnung für den Friedhofsbetreuer dient. Haus und Umfassungsmauer kosteten die Gemeinde 3017 Gulden. Die Gemeinde verfügte über eine Chewra Kaddischa für Männer und Frauen. 

Schändungen: 1929 schändeten Rechtsradikale den Friedhof und zerstörten 18 Grabsteine. Viele Grabsteine fehlen, da man sie nach 1938 zum Aufschottern der Straßen verwendete. Damit nichts übrig bleibe, wurde die Friedhofsfläche planiert. Nach dem Krieg fand man 41 Grabsteine, brachte sie auf den Friedhof zurück und stellte sie dort wahllos auf. Ein Gedenkstein von 1948 erinnert an die in der NS-Zeit umgekommenen Juden.

Adresse / Wegbeschreibung

Leonhardsruhstraße 15, 91710 Gunzenhausen

Der Friedhof ist nicht öffentlich zugänglich und kann nur im Rahmen der Themenführung "Ewige Erinnerung – Beth Olam" sowie regelmäßig stattfindenden Führungen unter dem Motto "Bücher aus Stein bewahren Biografien" besichtigt werden. Auskunft und Termine geben die Touristikinformationen der Stadt Gunzenhausen (09831 508303/302) sowie die Volkshochschule (09831 881560).

Literatur

  • Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 106-109.
  • Michael Schneeberger: Jüdische Landgemeinden in Bayern (7). Die Juden von Gunzenhausen. In: Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern 19, Nr. 94 (April 2004), S. 22-30.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 241f.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 170.
  • Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (15) [Erlangen, Gunzenhausen, Hüttenheim, Nördlingen]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 11, Nr. 72 (März 1977), S. 17-19.