Jüdisches Leben
in Bayern

Cham Friedhof

Der jüdische Friedhof liegt zwischen der Stadt Cham und dem Ortsteil Windischbergerdorf. Er wurde 1894 angelegt und umfasst etwa 1700 qm.

Auf dem Städtischen Friedhof Cham wurde 1950 ein Gedenkstein für verstorbene Häftlingen des KZ Flossenbürg und für verstorbene Displaced Persons errichtet.

Lage: Zwischen der Stadt Cham und dem Ortsteil Windischbergerdorf an der rechten Seite der ehemaligen Bundesstraße 20 inmitten von Wiesen und Feldern. 

Größe: 1659 qm; massive Steinmauer rund um den Friedhof; sehr schönes schmiedeeisernes Tor. 

Alter: 1894. 

Beerdigungen: Sechs Gräberreihen; rechts vom Eingang zahlreiche Kindergräber. An der Steinmauer gegenüber dem Eingang sind drei Gedenktafeln für gefallene, bzw. vermisste Gemeindemitglieder aus dem Ersten Weltkrieg eingelassen. Die Inschrift einer der granitenen Gedenksteine lautet: „Im Dienste des Vaterlandes starb in Nordfrankreich (Comines) auf dem Felde der Ehre am 16. November 1914 Max Kirschner, geb. am 28. Juni 1888, ein Sohn unserer isr. Kultusgemeinde Cham. Sein Andenken lebt ruhmvoll bei uns weiter“. Relativ viele Grabsteine stammen aus der Zeit nach 1945. 

Besonderheiten: 1903 Errichtung eines Tahara-Hauses. Seit 1897 war im Ort eine Chewra Kaddischa für Frauen tätig

Nach 1945 wurden mehrere im DP-Krankenhaus in Cham verstorbenen ehemaligen KZ-Häftlinge auf dem Jüdischen Friedhof bestattet. Die Gestaltung der Grabsteine erfolgte durch den Nürnberger Architekten Ernst Rücker.

Fotodokumentation „Steinerne Zeugnisse“:

Israel Schwierz hat uns großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation „Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern“ überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.

Beim Vormarsch auf Cham entdeckten die amerikanischen Soldaten am 23. April 1945 zahlreiche Leichen von KZ-Häftlingen, die auf einem Todesmarsch vom KZ Flossenbürg aus entweder umgebracht worden waren oder vor Hunger und Erschöpfung gestorben waren. Ehemalige NSDAP-Mitglieder mussten im Juni 1945 die Leichen auf dem Städtischen Friedhof in Cham (Schleinkoferstr. 8, 93413 Cham) bestatten. 1950 wurde in der Anlage für die KZ-Toten und verstorbenen DPs ein Gedenkstein errichtet. 1957 erfolgte die Umbettung der Toten auf den Ehrenfriedhof der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

Adresse / Wegbeschreibung

93413 Cham

Von Cham aus nach Windischbergerdorf auf der Rachelstraße, nach dem Groitl Lager zweite Ausfahrt rechts (Feldweg).

Literatur

  • Werner, Constanze (Bearb.): KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern. „Wenn das neue Geschlecht erkennt, was das alte verschuldet …", Regensburg 2011
  • Trüger, Michael: Jüdische Friedhöfe in Bayern (23) [Cham, Kleinbardorf, Sulzbürg, Hagenbach]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 14, Nr. 80 (September 1999), S. 18-20, hier S. 18
  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992,, S. 272-273;