Jüdisches Leben
in Bayern

Augsburg (Haunstetter Straße) Friedhof

Lage: Südlicher Stadtrandbezirk („Hochfeld“). 

Größe: 7000 Quadratmeter; Backsteinmauer mit zwei Eingangstoren an der Haunstetter Straße und am Alten Postweg. 

Alter: 1867, erstmals 1868 belegt. Zuvor bestatteten die Juden, die sich seit 1806 wieder in Augsburg niederlassen durften, ihre Toten in Kriegshaber. Der Friedhof Hochfeld-Haunstetter Straße ist inzwischen voll belegt. Seit 2019 hat die Gemeinde einen neuen Begräbnisplatz auf einem teil des Neuen Ostfriedhofs Lechhausen. 

Beerdigungen: 1176 Gräber (Stand: März 2010), viele repräsentative alte Grabsteine, im neueren Teil zahlreiche Grabstellen russischstämmiger Gemeindemitglieder; an der rechten Friedhofsmauer unweit des Haupttors Gedenkstein für die Opfer des Naziterrors. An der linken Friedhofsmauer in der Nähe des Haupteingangs Gedenkstein für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Auf dem Haunstetter jüdischen Friedhof sind auch die Augsburger Ehrenbürger Ernst Cramer, Publizist und Weggeführte Axel Springers, und Mieczyslaw „Mietek“ Pemper, Holocaust-überlebender und maßgeblich an der Rettung jüdischer Häftlinge durch Oskar Schindler beteiligt, begraben. 

Besonderheiten: In der Mitte des Friedhofs befindet sich ein modernes Taharahaus, das einen älteren Vorgängerbau ersetzt. Das von Hermann Zwiguttmann geplante Taharahaus wurde 1963 eingeweiht. 

Schändungen: 1924, 1930, 1935, 1991, Mai 2010.

Dokumentation: Auf der Seite von Alemannia Judaica sind folgende von Rolf Hofmann und Herbert Immenkötter erarbeitete Dokumentationen verlinkt:

Nekrolog 1867-1940  

Gräberverzeichnis   

Chronologische Anordnung der Grabmale 1867-1940   

Lageplan  

Aufstellung der Familiennamen  

Aufstellung der Mädchennamen  

Aufstellung der Geburtsorte  

Ebenfalls gibt es auf Alemannia Judaica den Links zur Publikation von 2018 von Rolf Hofmann und Herbert Immenkötter JEWISH CEMETERY AUGSBURG GRAVELIST - based on original vital records 1867 - 1940s.             

In Augsburg besaß die Jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter einen Friedhof. In der Zeit vor und nach den Pogromen von 1348 lag er außerhalb der Stadt am nordwestlichen Rand der Frauenvorstadt westlich der am Heilig-Kreuz-Kloster vorbeiführenden Straße, nahe dem Scheitelpunkt der heutigen Straße „An der Blauen Kappe“. Nach der Ausweisung der Juden aus der Stadt 1438/39 konfiszierte die Stadt den Friedhof und räumte ihn ab. Die Grabsteine fanden Verwendung u.a. bei Baumaßnahmen am Rathaus.

Es hatte sich abgezeichnet, dass der Friedhof an der Haunstetter Straße voll belegt sein würde. Eine Erweiterung des Friedhofs war nicht möglich. 2019 erfolgte die feierliche Einweihung eines neuen Friedhofs als Teil des Neuen Ostfriedhofs Lechhausen. Hier können etwa 1000 Gräber angelegt werden.

Literatur

  • Harburger, Theodor: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in
    Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem,
    und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach., 3 Bde., Fürth 1998, hier Bd. 2, S. 42
  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens, 2. Aufl. München 1992, S. 244-249
  • Shenef, Yehuda: Die Liebe ist der Dichtung Stern: Der Jüdische Friedhof Augsburg Hochfeld: Geschichte, Inschriften, Grabregister, Biographien, Photos, Augsburg 2019
  • Shenef, Yehuda: Der Augsburger Judenfriedhof. Zur Geschichte und zu den Überresten des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs in der Reichsstadt Augsburg, Augsburg 2013