Jüdisches Leben
in Bayern

Ansbach Friedhof

Der jüdische Friedhof liegt am nördlichen Stadtrand inmitten eines Wohngebiets am Joseph-Fruth-Platz.

Auf dem Städtischen Waldfriedhof befindet sich eine KZ-Grab- und Gedenkstätte.

Lage: Nördlicher Stadtrand inmitten eines Wohngebiets am Joseph-Fruth-Platz. 

Größe: 3990 qm, Einfriedung durch eine in den Jahren 1948 bis 1950 neu errichtete Steinmauer. 

Alter: 1816. Zuvor wurden die Toten in Bechhofen bestattet. Einem von Meir Sternberger im Jahre 1892 erstellten Friedhofsregister zufolge fand die erste Beisetzung mit der des David, Sohn des Raw Moshe sel. A., statt. Unter Rabbiner Pinchas Cohen erweiterte man 1896 den Friedhof; das erste Begräbnis im neuen Teil fand am 26. Juli 1896 statt (Jeanette Lehmann sel. A.). 

Beerdigungen: Auf der linken Friedhofsseite befinden sich fünf, auf der rechten zwei Grabsteingruppen; die hinteren Grabsteine schauen nach Westen, die vorderen nach Osten. Von den einst 561 Grabsteinen stehen heute noch etwa 100. 

Besonderheiten: In Ansbach waren eine Heilige Brüder- und Schwesternschaft tätig. 

Schändungen: Spuren ehemaliger Schändungen sind noch heute sichtbar. In Verbindung mit dem Novemberpogrom 1938 wurde das Tahara-Haus am Friedhof stark beschädigt und 1944 durch die Stadt abgetragen. Ein Gedenkstein an der südlichen Einfriedungsmauer trägt die Inschrift: „Israelitischer Friedhof, errichtet im 19. Jahrhundert, während des Nazireiches dem Erdboden gleichgemacht, durch das Staatssekretariat für R. R. P. V. gemeinsam mit dem Stadtrat Ansbach 1946 wieder hergestellt, erneut geschändet in den Jahren 1948 und 1950. Gebt unseren Toten endlich den Frieden! [RRPV: Rassisch, Religiös und Politisch Verfolgte].

Dokumentation: Die Epigrafische Datenbank des Steinheim-Instituts verzeichnet zum Friedhof Ansbach 122 Grabinschriften von 1829 bis 1949, die hier online zugänglich sind.

Fotodokumentation „Steinerne Zeugnisse“: Israel Schwierz hat uns großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation „Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern“ überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.

Die KZ-Grab- und Gedenkstätte befindet sich im Nordteil des Waldfriedhofs (Feuchtwanger Straße, 91522 Ansbach).

Hier sind 56 unbekannte, möglicherweise ungarische KZ-Häftlinge bestattet, die im März/April 1945 in einem Außenlager des KZ Flossenbürg in Ansbach ums Leben gekommen sind.

Das Denkmal aus Flossenbürger Granit trägt an den Ecken ein Kreuz, einen Davidstern, ein griechisch-orthodoxes Kreuz und den Buchstaben "V" als Symabol für den KZ-Winkel und den Sieg. Es wurde 1950 errichtet.

Literatur

  • Hüttenmeister, Nathanja: Der jüdische Friedhof Ansbach (Franconia Judaica, Bd. 2). Ansbach 2008
  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens, 2. Aufl. München 1992, , S. 150-152
  • Trüger, Michael: Jüdische Friedhöfe in Bayern (10) [Ermetzhofen, Ansbach, Mönchsdeggingen]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 10, Nr. 67 (September 1995), S. 23-24;