Burgen
in Bayern

Festung Hallthurm Bischofswiesen-Hallthurm

1193/94 fielen Reichenhaller Bürger über einen Pass nach Berchtesgaden und Schellenberg ein, um die das Salzmonopol gefährdenden, konkurrierenden Salinenanlagen des Augustinerstifts Berchtesgaden zu zerstören. Daraufhin verriegelten die Kanoniker eine Engstelle des Passes durch einen Turmbau, der gemeinsam mit der Turmburg Althaus ein Wehrensemble bildete. 1194 wird die porta qua silva versus Hal (= Reichenhall) clauditur erwähnt, 1258 zusätzlich der turris. Im 14. Jhdt. war die Anlage an das Erzbistum Salzburg verpfändet. 1594 kam der H. an die Herzöge von Wittelsbach. 1610/1611 besetzten salzburgische Truppen die Wehranlage, in der sich 1804/05 Tiroler Freiheitskämpfer verschanzten. 1809 wurde der H. bayerisch, zwanzig Jahre später begannen erste Abbrucharbeiten, die sich bis 1960 hinzogen, als nach einer Bahnverlegung (1876) auch der Ausbau und die Höherlegung der Bundesstraße ihren Bautribut forderten.
Der Turm ist heute unzugänglich.

Wikipedia: zum Eintrag
Koordinaten: 12.933730, 47.701230

Baugeschichte

Die Baugeschichte des mehrfach aus- und umgebauten Turmes hängt eng zusammen mit der Geschichte der Passsperre und ist unbefriedigend erforscht.
Die Erbauung des Turms erfolgte 1194 in Ergänzung eines weiteren Turms namens „Althaus“. Bemannung und Bauunterhalt mussten Untertanen des Stifts leisten, was sich auch auf die Landwehr („Hag“) bezog. Der Salzburger Erzbischof Pilgrim von Puchheim ließ den Turm um 1390 instandsetzen und eine steinerne Traverse errichten. Im 16. Jhdt. versah man Turm und Torbau mit einer kasemattierten Geschützbastion (1960 verfüllt), wohl 1805 mit drei vorgelagerten Wallgräben.

Baubestand

Eine 694 m ü NN gelegene Schmalstelle des Passwegs zwischen Untersberg und Lattengebirge zeigt noch immer ausgedehnte Reste einer ehemaligen Passsperre von etwa 800 m Länge, die auch die steilen Berghänge ein Stück hinaufzog. Kernbau war ein 8 x 8 m großer, einst wohl fünfgeschossiger Steinturm aus grob behauenen, aber gut gereihten Quadern, der heute mit einem modernen flachen Pyramidendach abschließt. Seine Mauerdicke betrug über 2 m und nahm eine hölzerne Mauertreppe auf. Der Zugang erfolgte über einen Hocheingang, erst Ende des 19. Jhdts. erschloss man den Turm ebenerdig.
An der Westseite schloss ein Torbau mit Fallgitter an, der in seinem Untergeschoss einen Geschützstand enthielt und 1876 abgebrochen wurde, nachdem er bereits 1829 sein Fallgitter verloren hatte. Der Turm büßte 1873-76 zwei Obergeschosse ein und diente ab 1886 als Bahnwärterwohnung. Erhalten hat sich dagegen die verfüllte Kasematte der Artilleriebatterie.
Die beiderseits des Turms anschließende Passmauer war 1,5 m stark, 4 m hoch und zog über steile Felsen, während sie im Talgrund durch einen Graben bewehrt war. Von ihr haben sich nach Osten ein 130 m langes, nach Westen ein 80 m langes Mauerfragment erhalten. Auch von der in die Traverse integrierten Turmburg Althaus verbleiben noch Reste, desgleichen von der 1379 durch den bayerischen Herzog Friedrich errichteten benachbarten Burg Hagenfels, der nur eine sehr kurze Existenz beschieden war (Niederlegung 1384).

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