Burgen
in Bayern

Burg Tittmoning Tittmoning

Angeblich soll die Burg kurz vor 1150 durch mehrere Brüder einer nach T. benannten Adelsfamilie, die in Diensten der Grafen von Kraiburg standen, erbaut worden sein. Ein castrum…Titmoeningen wird allerdings erst 1234 im Besitz des Salzburger Erzbischofs Eberhard II. (1200-46) genannt. Sie von adeligen Burghütern gehaltene Burg diente Salzburg als Bollwerk gegen das Herzogtum Bayern, das T. prompt 1324 eroberte und drei Jahre lang hielt, bevor Erzbischof Friedrich III. die verwüstete Burg zurück kaufte. Nach den Bauernkriegen kam T. als Pfand an Bayern, konnte aber ausgelöst werden. 1611 nahm Herzog Maximilian I. von Bayern T. ein. Im Oktober 1800 bezog das k.k. Hauptarmee-Spital die Burg, die 1805 durch Brand stark beschädigt wurde. 1816 fiel T. an Bayern, 1852 an die Stadt T. Die danach notdürftig instand gesetzte Burg diente in den 1930er Jahren der NS u.a. als Kreisführerschule und Internierungslager. Ende der 1940er Jahre richtete die Stadt auf der Burg ein Museum ein, das heute noch als „Heimathaus Rupertiwinkel“ besteht und die größte bayerische Sammlung an Schützenscheiben aus der Zeit von 1600 bis 1930 besitzt. Andere Teile der 1972 sanierten Burg sind privat bewohnt.

Text: Joachim Zeune

Wikipedia: zum Eintrag
Koordinaten: 12.763281, 48.060650

Baugeschichte

Teile der Ringmauer und des Kavalierstocks gehen noch auf das frühe 13. Jhdt. zurück, ein Bergfried ist nicht sicher nachweisbar. In den 1420er Jahren baute man an Stadtbefestigung und Burg (Wehrgänge), 1427/28 entstand der große Getreidekasten („Traidkasten“). Ab 1473 erfolgte ein weiterer Ausbau, wobei 1488 Baumeister Ulrich Pesnitzer, der zeitgleich in Burghausen tätig war, in T. anwesend war. 1614-17 verwandelte Erzbischof Markus Sittikus die 1553 ausgebaute Burg in ein gut befestigtes Jagdschloss; sein 1614 datiertes Wappen findet sich am Torbau. 1621 wurde der Kavalierstock, 1693 die Burgkapelle St. Michael erneuert. Die heutige Bausubstanz wird zwar durch die Instandsetzung nach dem Brand von 1805 (Nordseite des Burghofs), die modernen Nutzungen und die Sanierungsarbeiten von 1972 geprägt, hat aber nicht ihre imposante Erscheinung eingebüßt.

Text: Joachim Zeune

Baubestand

Die Burg ragt noch immer trutzig und mächtig von einem Geländesporn oberhalb der reizvoll an der Salzach gelegenen Kleinstadt auf. Ein tiefer Halsgraben trennt die Hauptburg von der westlich vorgelagerten Vorburg. Eine niedrige Barbakane (=Torvorwerk; 1553?) sichert das alte Hauptburgtor und gehört zu einem besonders an der Südseite tief hinab gemauerten Zwinger. Ein zweites Tor öffnete sich stadtseitig nach Nordosten. Die sehr hohe, somit mantelmauerartige Ringmauer zeigt noch ihren gedeckten Wehrgang mit Schießscharten sowie mehrere Erker. Der Burghof ist an allen Seiten umbaut, hervorzuheben sind der Kavalierstock (frühes 13. Jhdt. 1621) im Nordwesten, der Prälatenstock (1614-17) mit ebenerdigem Prunksaal an der Nordseite, der hohe, heute dominante Traidkasten (1427/28)im Südosteck und die nördlich angrenzende barocke Burgkapelle (1693). Letztere enthält einen sehenswerten Altar mit einem 1697 datierten Altarbild von Johann Michael Rottmayer sowie überlebensgroße Figuren der Erzengel Gabriel und Raphael.

Text: Joachim Zeune

Touristen Information

Parkmöglichkeiten befinden sich im Ort, von dort aus führt ein ca. 10-minütiger Fußweg zur Burg.
In der Burg sind zwei Museen untergebracht. In den 23 Schauräumen im „Heimathaus Rupertiwinkel“ sind neben Exponaten zu Volkskunst, Handwerk und Landwirtschaft auch Öfen, Grabkreuze, Gemälde, Keramik, Schützenscheiben aus vier Jahrhunderten sowie Funde zur Vor- und Frühgeschichte zu sehen. Einige Räume beherbergen die „Sudetendeutsche Heimatstube“, in der historische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen, Trachten, "Böhmerwäldler Glas", Bilder und vieles mehr gezeigt wird. Seit 2004 ist in der Burg Tittmoning auch ein Gerbereimuseum (Eintritt frei!) eingerichtet. Hier kann man durch Ausprobieren und Anfassen Wissenswertes über das Gerberhandwerk lernen.
Öffnungszeiten: 1. Mai bis 5. Oktober, jeweils Mittwoch bis Sonntag
14 Uhr: Rundgang durch alle Burgräume einschließlich Wehrgang, Kapelle und gesamte Museumssammlung. Nur mit Führung möglich!
13 bis 17 Uhr: Getreidespeicher mit Gerberei, Handwerker-, Schützenscheiben- und Landwirtschaftssaal. Besichtigung ohne Führung
Gruppenführungen jederzeit nach Vereinbarung: Tel. 08683/7007-10, E-Mail: tourist-info@tittmoning.de
Museumspädagogisches Programm mit Hieronymus, dem kleinen Burggespenst, Nachtführungen mit Nachtwächter und vieles mehr
Ausführliche Informationen zu den Museen erhalten Sie hier.

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