Burgen
in Bayern

Burg Amorbach - Templerhaus Amorbach

1253 wurde der Ort Amorbach durch Graf Konrad von Dürn zur Stadt (civitas) erhoben. Bald darauf, 1272, erwarb das Erzbistum Mainz die Stadt. Das Anwesen des sogenannten Templerhauses gehörte der Adelsfamilie der Rüde von Kollenburg/Amorbach und trug daher früher den Namen „Rüdenhof“. Vor 1395 kam der Besitz an die Familie Grebe und im 15. Jahrhundert durch Erbgang an die Familie Bopf. Danach wechselten die privaten Eigentümer mehrfach. Das Gebäude geriet trotz dauerhafter Bewohnung bis 1981 mehr und mehr in schlechten Zustand. In diesem Jahr erwarb es die Stadt Amorbach. Bis 1988 konnte die Restaurierung, begleitet von interdisziplinären Forschungen (Bauforschung/Archäologie), beendet werden. 1991 wurde das instandgesetzte Bauwerk für geführte Kleingruppen geöffnet. Der Name „Templerhaus“ ist nicht historisch. Er beruht wohl auf einer Fehlinterpretation einer auf die Ostseite des Turms einst aufgemalten lebensgroßen Darstellung des hl. Amor, den man als Templerritter interpretierte.

Text: Joachim Zeune

Wikipedia: zum Eintrag
Koordinaten: 9.217100, 49.645110

Baugeschichte

Die baubegleitenden Forschungen zum Amorbacher Templerhaus wurden von 1981 bis 1986 durchgeführt; sie erbrachten eine komplexe Baugeschichte. Demnach setzte die Besiedlung des Geländes im frühen 12. Jahrhundert ein, bald darauf entstand eine ältere Ummauerung samt einem Gebäude östlich des Templerhauses. Ältester aufgehender Bestand ist der zweigeschossige Unterbau, der vielleicht in das späte 12. Jahrhundert zu datieren ist. Einziges intaktes Baudetail ist ein Schlitzfenster, während ein großer Wandkamin im ersten Stock sekundär abgeschlagen wurde. Dendrodaten zufolge wurde dieser steinerne Wohnturm kurz vor 1291 bis auf eine Höhe von 5,3 Metern abgebrochen; dem Stumpf wurde 1291 ein vorkragender zweigeschossiger Fachwerkaufbau aufgesetzt. Damit zählt das Templerhaus zu den ältesten hölzernen Profanbauten Bayerns. Die Innenkonzeption lässt sich aufgrund der vielen späteren Baueingriffe nicht mehr rekonstruieren. Um 1400 und später wieder in der Mitte des 15. Jahrhunderts nahm man neue Raumunterteilungen zuerst im Fachwerkaufbau, dann im Steinsockel vor. An der Nordwand wurde ein Brunnenschacht abgeteuft, der später als Kloake genutzt wurde. Dendrodatiert sind 1562/63 weitere Veränderungen an der Ausstattung. Im frühen 17. Jahrhundert wurde der Keller eingewölbt, was zur Anhebung der Innengeschosse führte. Außerdem wurde der Bau nach Norden erweitert.

Text: Joachim Zeune

Baubestand

Das 1988 fertig restaurierte Templerhaus liegt inmitten der Stadt Amorbach, ein gutes Stück nordwestlich der Kirche und westlich des Schlosses. Der steinerne Unterbau aus schön geschichteten kleinformatigen Sandsteinquadern zeigt ein leicht verzogenes Quadrat von 6,8 x 7,6 Metern, das weiß verputzte, 40 Zentimeter auskragende Obergeschoss eine Grundfläche von 7,6 x 8,4 Metern. Erschlossen wird der Wohnturm durch eine gemauerte Außentreppe über eine erhöhte, sekundär eingebaute Tür in der Ostseite. Im Inneren haben sich Raumdekorationen aus dem frühen 17. Jahrhundert sowie ein originales Fenster der Bauzeit von 1291 erhalten. Der Baukomplex ist nur geführt in Kleingruppen zu besichtigen.

Text: Joachim Zeune

Touristen Information

Das nur mit einer Gruppenführung zugängliche Templerhaus bietet unter anderem ein Modell der Fachwerkkonstruktion, Funde aus Grabungen im Umfeld des Hauses und eine Dokumentation der Restaurierungsarbeiten. Buchung über die Touristinformation Amorbach.

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