Dr. Hermann Luppe

Lehrerssohn. Jurastudium. 1900 Magistratsassessor in Frankfurt a. M., 1909 hauptamtlicher Stadrat. Nach seinem Beitritt zur Fortschrittspartei dort 1913 mit den Stimmen der SPD zum Zweiten Bürgermeister gewählt. 1918/19 Mitbegründer der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Als nach dem Wechsel des alten Nürnberger Bürgermeisters -> Otto Geßler in die Reichspolitik die Stadt einen Nachfolger sucht, bietet Luppe sich an. Daher 1920 als einziger Kandidat zum Oberbürgermeister von Nürnberg gewählt. Im Stadtrat Zusammenarbeit mit der SPD-Fraktion, die während der gesamten Weimarer Zeit über eine Mehrheit verfügt. Bald heftige Auseinandersetzungen mit der NSDAP und ihrem Nürnberger Vorsitzenden -> Julius Streicher. Aufgrund verleumderischer Ausfälle desselben 1923 und 1925 gerichtliche Auseinandersetzungen. Mitgliedschaft im republikanischen Wehrverband 'Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold'. Im März 1933 zunächst auf Druck der neuen Machthaber Antritt eines Urlaubs, dann Verhaftung. Daher im April 1933 Rücktritt und Übersiedlung nach Berlin. Große Verdienste um die städtische Wohlfahrts- und Kulturpolitik. Verständnis seiner Tätigkeit als Dienst am "nationalen Staat" im Sinne der preußisch-deutschen Beamtentradition. Unter Luppes Ägide wird Nürnberg auch kulturell (Architektur, Theater etc.) zunehmend zu einem linksliberalen Gegenpol gegen das strikt konservativ regierte und stark national gefärbte München. (ch)

Quelle
200 Jahre Franken in Bayern / Handwerk im modernen Franken, Bayerische Landesausstellung 2006