Biografien
Menschen aus Bayern

Jakob Fugger der Reiche

6.3.1459, Augsburg
30.12.1525, Augsburg

Sohn von Jakob Fugger dem Älteren und Barbara Bäsinger; seit 1498 verheiratet mit Sibylle Arzt; die Ehe blieb kinderlos.

Jakob Fugger gilt als der bedeutendste Vertreter des Frühkapitalismus nördlich der Alpen. Er schuf mit seinem Bruder Georg die Weltstellung und das Vermögen des Hauses Fugger, vor allem indem sie die Habsburger durch ständige Kredite in ihre Abhängigkeit bringen konnten. In der Montanindustrie hatte Jakob schon bald eine Monopolstellung erreicht. Mit der Stiftung der "Fuggerei" in Augsburg schuf er die erste Sozialsiedlung Europas.

Jakob Fugger war als jüngster Sohn der Augsburger Handelsfamilie zunächst für eine geistliche Laufbahn vorgesehen und deshalb für kurze Zeit Kanonikus im mittelfränkischen Stift Herrieden, während seine älteren Brüder in das Familiengeschäft eintraten. 1469 starb Jakobs Vater, 1473 sein Bruder Peter, woraufhin Ulrich und Georg Fugger ihren Bruder Jakob 1478 in das Geschäft holten. Er begann seine Lehre im Familienunternehmen und hielt sich in diesem Zusammenhang in Rom und Venedig (Fondaco dei Tedeschi) auf, bis er 1479 nach Augsburg zurückkehrte und dort anfing, im Italienhandel zu arbeiten.
Schon 1473 hatten die Fugger von dem in Schulden geratenen Kaiser Friedrich III. für eine Textillieferung das Lilienwappen erhalten, wodurch die erste Verbindung der Fugger mit den Habsburgern entstanden war. Jakob Fugger gelang es in den folgenden Jahren, die Habsburger durch die systematische Vergabe von Krediten in ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu bringen. Seit 1485 war Jakob der Leiter der Innsbrucker Niederlassung. Darlehen an Sigmund von Tirol führten schon bald dazu, dass die Faktorei den Innsbrucker Hof und dessen Regierung beherrschte. Des Weiteren konnte Fugger durch die Geschäfte mit den Habsburgern in den Silberbergbau und 1494 in die Kupfergeschäfte von Tirol einsteigen. Um die slowakische Konkurrenz auf diesem Gebiet auszuschalten, gründete er mit Hilfe des Krakauer Kaufmanns und Bergbauspezialisten Johann Thurzo den "Ungarischen Handel". Schon bald hatte Jakob Fugger eine Monopolstellung in der Montanindustrie erreicht.
Um die Zeit der Jahrhundertwende hatten die Fugger mittels Faktoreien ihre Handels- und Kreditgeschäfte von Spanien bis Russland auf ganz Europa ausgedehnt. 1494 schlossen die drei Fuggerbrüder den ersten Gesellschaftsvertrag. Eine große Rolle für ihre Finanzmacht spielte der Bischof von Brixen, Melchior von Meckau, der als heimlicher Geldgeber gewaltige Summen bei den Fuggern anlegte. Ab 1494 bauten sie die Geschäfte mit der Kurie aus und pachteten zeitweilig sogar die päpstliche Münze. Durch ihre Beteiligung an der Erhebung der Ablassgebühren für St. Peter bildeten sie in späteren Jahren einen brisanten Angriffspunkt für Martin Luther. Als 1507 König Maximilian I. Geld für seine Italienreise benötigte, finanzierte Jakob Fugger diese und erhielt dafür Grundbesitz in der Augsburger Umgebung, wie die Grafschaft Kirchberg an der Iller und Weißenhorn. Diese Erwerbungen bildeten die Grundlagen der späteren ländlichen Besitzungen der Familie Fugger.
Historisch äußerst bedeutsam war die finanzielle Unterstützung Karls V. durch die Fugger 1519 bei seiner Wahl zum römisch-deutschen König. Nur mit Hilfe eines Kredits über 800.000 Gulden konnte Karl die Kurfürsten bei der Königswahl zu seinen Gunsten bestechen.
1511 war die Familie Fugger geadelt worden, 1514 erhielt Jakob Fugger den Titel des Reichsgrafen. Trotz der ständigen Kontakte zu Kaisern, Päpsten und sonstigen wichtigen Personen im Reich verlor Jakob Fugger nie seinen "bürgerlichen Sinn". Er engagierte sich zum Beispiel mittels eines eigenen Sonderkontos "St. Ulrich" für kulturelle, religiöse und karitative Zwecke. Als Initiator und Stifter der so genannten "Fuggerei" schuf er ab 1514 eine Siedlung für verarmte Augsburger Bürger. Sie war die erste Sozialsiedlung Europas.
Mit der Stiftung der St-Anna-Kapelle in Augsburg als Fugger-Grablege ließen Ulrich und Jakob Fugger 1509 ein besonderes Kunstwerk der Übergangszeit von Spätgotik zu Renaissance schaffen.

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