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Prinzregent Luitpold

Prinzregent Luitpold

 

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Prinzregent Luitpold

10. Juni 1886 bis 12. Dezember 1912


Einführung

Prinz Luitpold übernahm 1886 die Herrschaft, nachdem sein Neffe, König Ludwig II., abgesetzt worden war. Formal wurde zwar Ludwigs Bruder Otto zum bayerischen König proklamiert, da dieser aber geisteskrank und damit regierungsunfähig war, übernahm Luitpold die Amtsgeschäfte. Im Laufe der über 100-jährigen Geschichte des Königreichs Bayern regierte Luitpold am längsten, obwohl er als einziger der sechs Herrscher kein König, sondern Prinzregent war.

Die verfassungsmäßigen Rechte eines bayerischen Regenten übte Luitpold nicht im Stile seiner Vorgänger aus. Er pflegte vielmehr einen präsidial-repräsentativen Regierungsstil und hielt sich bei politischen Entscheidungen meist zurück. Regierung und Parlament gewannen so an Macht. Seit dem Eintritt Bayerns in das Deutsche Reich 1871 war der Handlungsspielraum der bayerichen Herrscher ohnehin eingeschränkt. In Bayern waren die Minister und die Geheimkanzlei, die Riege der engsten Verwaltungsbeamten und Berater Luitpolds, die eigentlichen Machthaber.

Mit der pflichtbewussten „Ausübung“ seiner repräsentativen Rolle, mit  Volkstümlichkeit und Leutseligkeit gelang es dem Prinzregenten rasch, die Bevölkerung für sich einzunehmen – auch wenn der Beginn seiner Regentschaft von großen Spannungen hinsichtlich der Absetzung und dem rätselhaften Tod König Ludwigs II. gekennzeichnet war.

Nach 26 Regierungsjahren starb Luitpold 91-jährig am 12. Dezember 1912. In ganz Bayern herrschte tiefe Trauer über den Tod des hochangesehenen Regenten. Seine Persönlichkeit, sein Pflichtbewusstsein, sein unprätentiöses, volksnahes Auftreten, hatten ihm die Sympathien der Bevölkerung eingebracht.

Bayern erlebte in der Regierungszeit des Prinzregenten Luitpold eine Epoche des Friedens, des wirtschaftlichen Aufschwungs und der kulturellen Blüte, aber auch des gesellschaftlichen Wandels. München stieg zu einer führenden Kunst- und Kulturstadt auf. Über die Regentschaft Luitpolds sprach man bald als „Prinzregentenzeit“, die mit der „guten alten Zeit“ gleichgesetzt wurde. Ein Grund hierfür war nicht zuletzt der Gegensatz zum Ersten Weltkrieg, der gut eineinhalb Jahre nach Luitpolds Tod ausbrach.

Die „Prinzregentenzeit“ ist durch Ambivalenz gekennzeichnet: Sie fällt im ausgehenden 19. Jahrhundert einerseits in eine Art „Endzeit“ – der Epochenbegriff „Fin de Siècle“ ist hierfür beredter Ausdruck. Andererseits umfasst sie eine Phase des Aufbruchs, der Umwälzungen und Veränderungen in Gesellschaft, Kunst, Kultur, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Politik. Der Um- und Aufbruch in fast allen Lebensbereichen brachte allerdings auch soziale Spannungen mit sich, die die traditionell liberal-konservativ orientierte bayerische Politik letztlich nicht auflösen konnte.

Am Ende des Ersten Weltkriegs 1918, sechs Jahre nach dem Tod von Prinzregent Luitpold, hörte mit dem revolutionären Ende der alten Monarchie zugunsten eines demokratisch-parlamentarischen Systems das Königreich Bayern auf zu existieren.

 
 
 
 
Grundlegende Literatur
  • Albrecht, Dieter: Luitpold, in: NDB, Bd. 15 (1987), S. 505f.; online abrufbar unter: http://www.deutsche-biographie.de/artikelNDB_pnd118729683.html (03.08.2010).
  • Albrecht, Dieter: Die Prinzregentenzeit 1886-1912/13, in: Handbuch der bayerischen Geschichte. Begründet von Max Spindler, neu hg. von Alois Schmid. Bd. IV: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Teilbd. 1: Staat und Politik, 2. völlig neubearb. Aufl., München 2003, S. 394-413, hier: S. 394-410.
  • Bauer, Richard: Prinzregentenzeit. München und die Münchner in Fotografien, München 1988.
  • Götz, Norbert / Schack-Simitzis, Clementine: Die Prinzregentenzeit. Katalog der Ausstellung im Münchner Stadtmuseum, München 1988.
  • Hartmann, Peter Claus: Bayerns Weg in die Gegenwart. Vom Stammesherzogtum zum Freistaat heute, 2. überarb. und erg. Aufl., Regensburg 2004, S. 440-452. 
  • Hümmert, Ludwig: Bayern vom Königreich zur Diktatur 1900-1933, Pfaffenhofen 1979, S. 11-31.
  • Möckl, Karl: Die Prinzregentenzeit. Gesellschaft und Politik während der Ära des Prinzregenten Luitpold in Bayern, München u. a. 1972.
  • Möckl, Karl: Die Prinzregentenzeit, in: Bonk, Sigmund / Schmid, Peter (Hg.): Königreich Bayern. Facetten bayerischer Geschichte 1806-1919, Regensburg 2005, S. 153-174.
  • Rall, Hans / Rall, Marga:  Prinzregent Luitpold, in: Dies.: Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I., Regensburg 1986, S. 348-356.
  • Schepanek, Barbara: Prinzregent Luitpold, München 2006 (= Königreich Bayern. Eine Sendereihe des Bayerischen Fernsehens, Folge 5).
  • Schrott, Ludwig: Der Prinzregent. Ein Lebensbild aus Stimmen seiner Zeit, München 1962.
  • Weigand, Katharina: Prinzregent Luitpold. Die Inszenierung der Volkstümlichkeit?, in: Schmid, Alois / Weigand, Katharina (Hg.): Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III., München 2001, S. 359-375.