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Ludwig II.

 

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Die Königsschlösser Ludwigs II.

Erinnerungskarte an die drei Schlossbauten König Ludwigs II. Erinnerungskarte an die Lieblingsschlösser König Ludwigs II.
Postkarte mit Blick auf die Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein Postkarte mit einem Luftbild von Schloss Neuschwanstein (um 1915)
Postkarte mit einer Ansicht von Schloss Herrenchiemsee Postkarte mit König Ludwig II. auf einer nächtlichen Schlittenpartie im Wald vor Schloss Neuschwanstein
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Ludwig II. erweiterte den Kreis der Wittelsbacher Residenzen in Bayern um drei Schlösser: Schloss Linderhof, die „Neue Burg Hohenschwangau“, deren Bezeichnung „Neuschwanstein“ sich erst nach Ludwigs Tod durchsetzte, und Herrenchiemsee. Mit diesen Schlössern stellte sich Ludwig in eine Reihe mit seinem Vater und Großvater, die ebenfalls als bedeutende Bauherren aufgetreten waren. Anders als bei den Bauten Ludwigs I. und Maximilians II. spiegelt sich in Ludwigs Schlössern freilich nicht nur der kulturelle Anspruch, sondern auch das politische Schicksal des Monarchen wider.

 

Ludwig II. wandte sich mit seinen Schlossbauten von München als Schauplatz seiner Baupolitik ab, er hatte dort nur wenige Akzente setzen können. 1864 genehmigte er den Bau eines Volkstheaters am Gärtnerplatz in der Isarvorstadt. (Das Theater wurde 1872 wegen Überschuldung vom König übernommen und als Hoftheater weitergeführt.) Doch schon 1865 scheiterte Ludwig II. mit den Plänen für ein Festspielhaus in München für die Musikdramen Richard Wagners, verbunden mit einer Prachtstraße über die Isar bis zur Brienner Straße.

 

Schloss Linderhof, die „Königliche Villa“

Schloss Linderhof, erbaut zwischen 1874 und 1879, war das einzige Schloss, das zu Lebzeiten Ludwigs II. fertig gestellt wurde. Der König brachte dort die letzten acht Jahre seines Lebens zu. Verglichen mit den beiden anderen Schlössern Ludwigs nimmt sich Linderhof bescheidener aus, das Schloss galt daher auch als „Königliche Villa“.

 

Im Graswangtal bei Oberammergau besaß Ludwigs Vater, König Maximilian II., ein Forsthaus als Teil des „Linderhofs“, ein ehemaliger Zehntbesitz des Klosters Ettal. Maximilian II. hatte auch das umliegende Gebiet erworben. Ludwig II. erbte die Anlage, die er nur geringfügig erweitern wollte. Aus dem Forsthaus wurde 1869 ein Königshäuschen.

 

Bald aber folgten Pläne für einen größeren Bau. Ludwig II. schwebte seit 1867 ein Schloss vor, das an Ludwig XIV. von Frankreich (reg. 1643–1715) erinnern sollte. Der Wittelsbacher verehrte den „Sonnenkönig“ als absoluten Monarchen und König von Gottes Gnaden. Er überschrieb das Projekt in Linderhof mit dem Titel „Meicost Ettal“ (auch „Tmeicos“), ein Anagramm des Ludwig XIV. zugeschrieben Ausspruchs: „L’état c’est moi“ („Der Staat bin ich“). Der in Ansbach geborene Georg Dollmann (1830–1895), damals Privatarchitekt des Königs, legte Ludwig II. eine Reihe von Entwürfen für den Bau vor. 1870 entschied sich Ludwig für einen der Entwürfe, während ein anderer später für das viel größere Schloss Herrenchiemsee verwendet wurde.

 

Zunächst ließ Ludwig II. das Königshäuschen mit einem Rundbau umgeben und um einen Hof erweitern. Die Arbeiten waren bis 1872 fertig gestellt. Zwei Jahre später wurde das Königshäuschen abgerissen und der verbleibende Rundbau samt Hof mit einem Vestibül und einem Treppenhaus überbaut. Darüber entstanden ein Spiegelsaal, flankiert von zwei Gobelin-Zimmern nach Westen und Osten, sowie mehrere Kabinette, Säle und das königliche Schlafgemach. Die bisherigen Holzbauten wurden mit Fassaden aus Stein umgeben. 1879 waren die Bauten unter der Leitung Georg Dollmanns abgeschlossen. Das Königshäuschen wurde an anderer Stelle im Schlosspark originalgetreu wieder aufgebaut.

 

Schloss Linderhof ging auf die Idee Ludwigs II. zurück, das Versailles Ludwigs XIV. von Frankreich zu zitieren. Auch Anlehnungen an das „Petit Trianon“, das Lustschloss der Marquise de Pompadour (1721–1764) nordwestlich von Versailles, lagen der Konzeption zugrunde. Das Ergebnis war ein Bau im Stil des so genannten zweiten Rokoko bzw. des Neobarock, der eher an die Villa Berg in Stuttgart für Königin Olga von Württemberg (1822–1892) erinnerte. Reminiszenzen an das Frankreich Ludwigs XIV. und des XV. sind dagegen in vielen Details sichtbar. Eine bronzene Reiterstatue des Sonnenkönigs wurde im Vestibül des Schlosses aufgestellt, an der Decke darüber war die Devise Ludwigs XIV., „nec pluribus impar“ („auch einer Mehrzahl überlegen“) zu lesen. Das Spiegelkabinett und das Schlafgemach von Linderhof erinnern an Schloss Versailles. In den Räumen hingen Porträts König Ludwigs XV. (reg. 1715–1774) und seiner berühmtesten Mätressen, der Marquise de Pompadour und der Comtesse du Barry (1743–1793).

 

Die prunkvolle Innendekoration von Schloss Linderhof im „style Louis XV“ stammt von Julius Lange, Ferdinand Knab und Joseph de la Paix. Dennoch war Linderhof nicht als Repräsentationsbau gedacht, sondern als Ort des Rückzugs für den König. Ludwig II. ließ einen automatischen Aufzug einrichten, das „Tischlein-deck-dich“, mit dem die gedeckte Tafel ohne das Zutun von Bediensteten ins Speisezimmer gelangte, in dem der König allein bleiben konnte. Das Zeremoniell des Anrichtens und Servierens an der königlichen Tafel, wie es traditionell als herrscherliches Ritual gepflegt wurde, spielte hier keine Rolle mehr.

 

Der Schlossgarten wurde zeitgleich mit dem Schlossbau von dem Gartenarchitekten Carl Effner (1831–1884) angelegt und bis 1880 vollendet. Insgesamt umfassten die Anlagen eine Fläche von rund 50 Hektar, auf der Skulpturen und architektonische Denkmäler platziert waren, nach barockem Vorbild. 1884 wurde das Schlafgemach des Königs erweitert und neu eingerichtet, was einen größeren Umbau erforderte, den der Nachfolger Dollmanns, Julius Hofmann (1840–1896) entwarf. Die Ausführung übernahm Egon Drollinger. Die Erweiterung zog sich hin und wurde erst nach Ludwigs Tod fertig gestellt, nun aber in verkleinertem Umfang, um Kosten zu sparen.

 

Die Anlagen rund um Schloss Linderhof

Während das Schloss selbst an Prachtbauten des Barock und Rokoko angelehnt war und in Details an Ludwig XIV. von Frankreich erinnerte, folgten die übrigen Anlagen und Staffagebauten rund um Linderhof, errichtet in den Jahren 1876 bis 1879, einem eigenen Programm.

 

1876 kaufte Ludwig II. den so genannten „Maurischen Kiosk“. Der Pavillon stammte von dem Berliner Architekten Karl von Diebitsch (1819–1869) und war für die Weltausstellung in Paris 1867 angefertigt worden. Der Eisenbahnunternehmer Bethel Henry Strousberg (1823–1884) hatte den Kiosk 1870 gekauft, um ihn auf seinem Schloss Zbirow in Böhmen aufzustellen. Nach Strousbergs Bankrott erwarb Ludwig II. den Pavillon. Er wurde nach Plänen von Georg Dollmann umgebaut, erhielt einen quadratischen Grundriss, eine Kuppel aus getriebenem Messing und minarettartige Türmchen an allen vier Seiten. Der Maurische Kiosk fand seinen Platz im Nordosten des Schlossgartenareals. Besonderes Augenmerk verdient der darin aufgestellte Pfauenthron aus emaillierter Bronze, gefertigt nach einem Entwurf von Franz Seitz.

 

1878/79 wurde ein „Marokkanisches Haus“ im Westteil des Schlossgartens aufgestellt. Auch hierbei handelte es sich um einen Pavillon, den Ludwig II. von der Weltausstellung 1878 in Paris erwarb. Nach dem Tod des Königs wurde das Haus 1886 an die Gemeinde Oberammergau verkauft, die es später an den Freistaat Bayern weitergab. Ludwig II. plante seit 1875 auch die Errichtung eines „Arabischen Pavillons“, was den orientalischen, exotischen Akzent noch verstärkt hätte. So erhielt auch das 1869 bis 1872 errichtete „Königshaus“ auf dem Schachen bei Garmisch im Obergeschoss einen prunkvoll ausgestatteten „Türkischen Saal“. Ludwig II., der nicht weniger vom Orient begeistert war als sein Vater, feierte dort des öfteren seinen Geburts- und Namenstag (25. August).

 

Weitere Anlagen rund um Schloss Linderhof waren dem Musiktheater Richard Wagners gewidmet. Den Anfang machte die so genannte „Hundinghütte“, die im November 1876 am Fuß der Kreuzspitze fertig gestellt wurde. Die roh gezimmerte Blockhütte enthielt in der Mitte ihres hallenartigen Innenraums eine Doppelbuche, künstlich umhüllt von einem Eschenstamm. Darin steckte das „Schwert Sigmunds“, das wie die übrigen Requisiten, der gesamte Bau sowie ein künstlich angelegter Teich die „Wohnung Hundings“ aus dem ersten Akt von Wagners „Walküre“ nachempfand. Die Hundinghütte wurde im Dezember 1884 bei einem Brand zerstört, war jedoch nach wenigen Monaten wieder aufgebaut. 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, fiel sie erneut einem Feuer zum Opfer. 1990 wurde sie rekonstruiert und auf das Gelände des Schlossparks versetzt.

 

Wagners Musikdrama „Parsifal“ gab die Vorlage für die „Einsiedelei des Gurnemanz“, eine Klause ganz aus Holz, die Ludwig II. 1877 an einer Lichtung im Ammerwald errichten ließ. Sie wurde 1945 von einem Förster in Brand gesetzt, ist jedoch seit einigen Jahren wieder hergestellt.

 

Das womöglich eindrucksvollste Bauwerk rund um Schloss Linderhof ist die so genannte „Venusgrotte“. Sie entstand 1876/77 am Abhang des Hennenkopfs und gilt bis heute als die größte künstlich angelegte Tropfsteinhöhle weltweit. Die Anlage, bestehend aus einer Haupt- und zwei Seitengrotten, wurde von dem Gartenarchitekten Carl von Effner entworfen. Der Bühnenbildner August Dirigl bildete mit Zement, Drahtgeflecht und Gips am Eingang der Höhle und im Innern naturgetreue Felsen nach.

 

Die Gestaltung der Grotte stellte eine Szene aus Wagners „Tannhäuser“ nach. Ein See mit Wasserfall war mit einem vergoldeten Muschelkahn befahrbar. König Ludwig II. ließ sich im Kahn spazieren fahren und fütterte dabei die Schwäne, die von Dienern aus dem Schlossbassin in die Grotte getrieben wurden. Ein „Loreleyfelsen“, der mit glitzernden Kristallen überzogen war, sowie ein „Königssitz mit Muschelthron“ bildeten die Aussichtspunkte innerhalb der Grotte. Um das naturalistische Panorama zu vervollständigen, war an der hinteren Wand der Hauptgrotte das Monumentalgemälde „Tannhäuser bei Frau Venus“ des Landshuter Malers August von Heckel (1824–1883) aufgestellt.

 

Die „Venusgrotte“ von Linderhof war der gleichnamigen Grotte des Großen Hörselberges bei Eisenach nachempfunden, die Wagner zu seinem „Tannhäuser“ inspiriert hatte. Ebenso diente ihr die Blaue Grotte auf der Insel Capri zum Vorbild. Im Auftrag König Ludwigs II. reiste der Münchner Chemiker Moritz Edelmann nach Italien, um die Lichteffekte der Blauen Grotte zu studieren. Nach dessen Erkenntnissen wurde ab 1876 die Grotte illuminiert.

 

Alle diese Effekte wurden möglich mithilfe von elektrischem Strom, der gerade seinen Siegeszug begann. Die Verbindung von Naturschauspiel und technischem Einfallsreichtum war die eigentliche Sensation der Venusgrotte. 1877 wurden 24 Kohlebogenlampen in der Grotte angebracht, die sie in stimmungsvolles Licht tauchten, abwechselnd in Rot, Rosa, Grün, Gelb und Blau. Man verwendete dazu Dornfeld-Bogenlampen, hergestellt von Sigmund Schuckert (1846–1895) in Nürnberg. Die Lampen waren erst 1867 auf der Pariser Weltausstellung vorgestellt worden, wo sie Ludwig II. selbst gesehen hatte. Mit elektrischem Strom wurde die Grotte beheizt und der Wasserfall betrieben, ebenso eine Wellenmaschine, die den See in sanfte Bewegung versetzte. Eine Laterna magica projizierte Szenen aus Wagners „Tannhäuser“ an die Decke und über dem Gemälde an der Wand schien ein künstlicher Regenbogen auf.

 

Von Schuckert stammten nicht nur die Lampen, sondern auch die gesamte Versorgung der Grotte und der übrigen Schlossanlage mit Elektrizität. Er verwendete dazu Flachringanker-Dynamos aus eigener Entwicklung, für die er 1876 von der König-Ludwig-Preisstiftung des Bayerischen Gewerbemuseums ausgezeichnet wurde und 50000 Mark Fördergeld erhielt. 24 dieser Dynamomaschinen befanden sich in einem „Krafthaus“ etwa 100 Meter von der Grotte entfernt. Es war das erste Elektrizitätswerk in Bayern.

 

Linderhof soll Ludwigs Lieblingsschloss gewesen sein. Der König folgte dort seinem ganz eigenen Lebensrhythmus. Der Tag begann für ihn um 17 Uhr nachmittags und endete gegen zwei oder drei Uhr nachts. In den Nächten ließ er sich oft im Großen oder Kleinen Galawagen durch die Gegend fahren. Der Kleine Galawagen wurde von sechs Pferdegespannen gezogen und konnte zum Schlitten umgerüstet werden. Bei Schnee stand Ludwig auch ein zweisitziger Renaissanceschlitten (Puttenschlitten) zur Verfügung, den er selbst entworfen hatte. Die Fuhrwerke wurden 1885 mit Batterien und elektrischen Lampen ausgestattet.

 

Schloss Neuschwanstein

Ludwigs berühmtestes Schloss trug ursprünglich den Namen „Neue Burg Hohenschwangau“. Erst nach dem Tod des Königs bürgerte sich „Neuschwanstein“ ein, anlässlich der Öffnung der Königsschlösser für das Publikum im August 1886.

 

Neuschwanstein liegt in der Pöllatschlucht bei Füssen, unweit von Schloss Hohenschwangau, dem Schloss von Ludwigs Kindheit. In der Nähe lagen auch die Ruinen Vorder- und Hinterhohenschwangau. Letztere war von Maximilian II. zum „Sylphenturm“, einem Aussichtspavillon, ausgebaut worden. Nun wollte Ludwig II. Vorderhohenschwangau „im echten Styl der alten Ritterburgen“ restaurieren. Der König folgte dem Beispiel seines Vaters Maximilian, der Hohenschwangau aus einer teils verfallenen Burg hatte errichten lassen, hierin ganz den Vorlieben seiner Zeit, der Romantik und Neogotik, verpflichtet.

 

Wenn Linderhof eine Hommage an Ludwig XIV. war, so konnte Neuschwanstein als Huldigung an das Werk Richard Wagners gelten, den Ludwig in alle Schritte seines Bauvorhabens einweihte. Im Mai 1868 schrieb er an Wagner: „… in jeder Beziehung schöner und wohnlicher wird diese Burg werden als das untere Hohenschwangau, das jährlich durch die Prosa meiner Mutter entweiht wird; sie werden sich rächen, die entweihten Götter, und oben weilen bei uns auf steiler Höh’, umweht von Himmelsluft.“ Gleichwohl hat Wagner, der 1883 starb, das Schloss niemals betreten.

 

Neuschwanstein sollte nach den Vorstellungen des Königs zur Burg des Schwanenritters Lohengrin werden, der Lieblingsgestalt Ludwigs II. Der Schwan wurde zum Namensgeber und Wappentier des Schlosses, wie schon bei Maximilian II. und dessen Schloss Hohenschwangau. Dort hatte Ludwig als Knabe die Lohengrin-Sage auf den Wandmalereien kennengelernt, lange bevor er den Stoff in Richard Wagners Musikdrama wiederentdeckte. Neuschwanstein war jedoch auch von einem realen Bau, der Wartburg bei Eisenach, inspiriert. Ludwig II. und sein Bruder Otto hatten die Wartburg 1867 auf Empfehlung Wagners besichtigt.

 

Baugeschichte

Die Bauleitung für Neuschwanstein hatte Baurat Eduard Riedel (1813–1885), der schon für Maximilian II. tätig gewesen war. Die Arbeiten für Neuschwanstein begannen 1868 mit dem Einebnen der Ruinen und dem Bau einer Straße in die Pöllatschlucht. Die Grundsteinlegung fand am 5. September 1869 statt. Für das Schloss selbst verwendete Ludwig II. Ansichtsentwürfe seines Hoftheatermaler Christian Jank (1833–1888).

 

Die Entwürfe sahen zunächst eine Art „Raubritterburg“ vor, klein dimensioniert, aber bereits mit einer Kemenate und einem Ritterhaus versehen. Dann entschied sich der König für eine größere Anlage. Im Zentrum sollte nun ein mächtiger, fünfstöckiger Palas stehen (der deutlich an die Wartburg erinnerte). Kemenate und Ritterhaus zu beiden Seiten wurden beibehalten. Den Abschluss bis zum Torbau hätte ein gewaltiger Bergfried mit Kapelle gebildet.

 

Die neugefassten Entwürfe wurden ab 1874 von Georg Dollmann umgesetzt, der die Bauleitung von Riedel übernahm. Am 29. Januar 1880 hielt man Richtfest. Bereits die Zufahrtsstraße zum Schloss mit ihrem vollkommen gleichmäßigen Anstieg erwies sich als ein Meisterwerk der Bautechnik. Im Frühsommer 1884 konnte Ludwig II. die Wohnräume des Schlosses beziehen, das jedoch bis zu seinem Tod unvollendet blieb. Als der König starb, war der Palas überdacht und äußerlich abgeschlossen, das Ritterhaus stand teils noch im Rohbau, ebenso der Verbindungsbau zum Torbau. Für Kemenate und Bergfried waren lediglich die Fundamente gelegt.

 

Schon 1884 war Georg Dollmann von Julius Hofmann als Bauleiter von Neuschwanstein abgelöst worden. Hofmann übernahm schließlich die Leitung sämtlicher königlicher Bauten. Er verzichtete nach Ludwigs Tod auf den Bergfried und die Kapelle, um Einsparungen vorzunehmen. 1892 war der Bau von Schloss Neuschwanstein abgeschlossen.

 

Baustil und Programmatik

Schloss Neuschwanstein kann als Meisterwerk des Historismus gelten. Der Bau enthielt einige wenige gotische Elemente, etwa am Torbau. Dagegen überwog der romanische Stil, besonders mit dem fünfstöckigen Palas, der dem Schloss die monumentale Dimension verlieh. Die Romanik setzte sich auch in der Innenausstattung fort. Der Thronsaal wiederum wurde in byzantinischem Stil gestaltet. Er geht auf Entwürfe des Malers Eduard Ille (1823–1900) und Julius Hofmanns von 1881 zurück und erinnert an die Hagia Sophia in Konstantinopel wie auch an die Allerheiligen-Hofkirche in München.

 

König Ludwig II. ließ sich jedes Detail der Ausstattung als Entwurf vorlegen und genehmigte es, häufig erst nach eingehender Prüfung und Korrektur. Besondere Sorgfalt verwandte er auf die Wandmalereien. Er engagierte dazu geschulte Historienmaler wie Wilhelm Hauschild (1827–1887), August Spieß (1841–1923), Ferdinand von Piloty (1828–1895), Josef Aigner oder Eduard Ille. Sie sollten neben religiösen Motiven vor allem Figuren und Szenen aus Wagners Musikdramen umsetzen, wobei dafür nicht die Dichtungen Wagners, sondern die historischen Quellen als Grundlage dienten. Ludwig II. wurde dabei von dem Literaturhistoriker und Dichter Hyazinth Holland (1827–1918) beraten, einem Spezialisten für die Ikonografie des Mittelalters.

 

Neuschwanstein lässt sich als Umsetzung gleich mehrerer Wagner’scher Musikdramen deuten. Den Ausgangspunkt bildete das Schloss als Burg Lohengrins. Darauf verweisen der Name des Schlosses, die Schwanen-Wappen und die Anlage nahe dem Alpsee, insbesondere aber der Burghof, der der „Burg von Antwerpen“ aus dem zweiten Akt von „Lohengrin“ nachempfunden ist. Wiederum lieferte ein Bühnenbild von Christian Jank dazu die Vorlage.

 

Neuschwanstein wurde aber ebenso als Burg Tannhäusers konzipiert. Der mächtige Palas erinnert an die Wartburg, der reale Schauplatz von Wagners „Tannhäuser“. Die felsige Pöllatschlucht ähnelt dem Tal zur Wartburg und dem Hörselberg bei Erfurt, dessen Grotte Tannhäuser in dem Drama betritt. Das Schloss erhielt auch einen Sängersaal, der dem Entwurf Janks für die Inszenierung in München entsprach. Der Raum wurde wiederum zum Vorbild für spätere Aufführungen des „Tannhäuser“.

 

Im Verlauf der Arbeiten wurde aus dem Schloss auch eine Art „Gralsburg“ nach Wagners „Parsifal“. Viele Motive im Innern des Schlosses verweisen auf das Thema der Erlösung, das mit dem Gral in Verbindung gebracht wird. In der Apsis des Thronsaals sind Christus mit dem Jünger Johannes und Maria dargestellt, ebenso Allegorien der vier Evangelisten, daneben die Figuren von sechs heilig gesprochenen Königen (Kasimir von Polen, Stephan I. von Ungarn, Kaiser Heinrich II., Ludwig IX. von Frankreich, Ferdinand III. von Spanien, Eduard der Bekenner von England), deren Taten in Fresken von Hauschild im Thronsaal abgebildet sind, sowie Bilder der zwölf Apostel. Der Sängersaal erhielt zuletzt Wandgemälde mit Motiven aus Wolfram von Eschenbachs Epos „Parzival“. Der Tribünengang des Sängersaals erzählt die Geschichte Parzivals und der Entdeckung des Grals. Er endet mit dem Aufbruch von Parzivals Sohn Lohengrin von der Gralsburg – was wiederum an die ursprüngliche Thematik des Schlosses anknüpfte.

 

Schloss Herrenchiemsee

Das Neue Schloss Herrenchiemsee entstand als letztes seiner Bauprojekte, es war zugleich Ludwigs größtes. Wie für Linderhof nahm der König hier Bezug auf Ludwig XIV. von Frankreich und dessen Residenz in Versailles. Herrenchiemsee glich Versailles in einigen Zügen, übertrifft sein Vorbild jedoch in mancher Hinsicht.

 

Eine Insel mit Geschichte

Ehe die Insel Herrenchiemsee in den Besitz König Ludwigs II. gelangte, hatte sie im 19. Jahrhundert häufig ihren Eigentümer gewechselt. Auf der Herreninsel im Chiemsee bestand seit ca. 1125/30 ein Augustinerchorherrenstift, eine Gründung Erzbischof Konrads I. von Salzburg. Seit 1215 war Herrenchiemsee ein Suffraganbistum der Salzburger Kirchenprovinz gewesen. Während das Stift 1803 säkularisiert wurde, hob man das Bistum Chiemsee nominell erst 1818 auf.

 

Die Insel und ihre Bauten gingen 1803 durch Versteigerung an den Mannheimer Kaufmann Carl von Lünenschloß, der sie 1818 an Aloys von Fleckinger, einen Großhändler aus München, verkaufte. Fleckinger ließ die profanierte Domstiftskirche umbauen, Chor und Türme abtragen und das Langhaus zu einer Brauerei umfunktionieren. Die Klostergebäude wurden zum (Alten) Schloss Herrenchiemsee umgestaltet. 1840 erstand Graf Paul von Hunoltstein die Insel, 1871/72 ging sie an ein Konsortium württembergischer Holzhändler. Als diese damit begannen, den Wald auf der Insel abzuholzen, schritt König Ludwig II. ein und kaufte die Insel für 350000 Goldmark.

 

Ludwigs Vorhaben, ein neues Schloss Versailles in Bayern entstehen zu lassen, hatte bereits bei der Konzeption von Linderhof eine gewisse Rolle gespielt. Der dreizehnte und letzte Entwurf von Hofbaudirektor Dollmann für Linderhof von 1873, der dort nicht zur Ausführung kam, wurde nun für Herrenchiemsee zugrunde gelegt. Mit dem Kauf der Insel bot sich für Ludwig II. die Möglichkeit zum Bau eines Neu-Versailles. Schon zuvor hatte er intensive Studien über Ludwig XIV. und das französische Hofleben betrieben und sich in Privatvorführungen Theaterstücke aus dem Frankreich des 18. Jahrhunderts angesehen. 1874 holte Ludwig II. auch seinen Besuch in Schloss Versailles nach, den er Jahre zuvor geplant hatte.

 

Herrenchiemsee kann jedoch nicht einfach als Kopie von Versailles gelten. Anders als das französische Vorbild, das über viele Jahrzehnte baulich gewachsen war, bildet Herrenchiemsee eine konzeptionelle Einheit. Die Hauptfassade, der Spiegelsaal und viele andere Räume des Schlosses fielen größer aus als in Versailles. Es gab kaum noch Mobiliar in Versailles, das als Vorlage hätte dienen können – das meiste davon war während der Revolutionen von 1789 und 1848 entfernt worden. Auch die Gartenanlagen von Herrenchiemsee folgten einer weitgehend eigenen Konzeption. Bei der Gestaltung der Brunnen mit den Figuren der Fortuna und der Fama stand nicht Versailles Pate, sondern La Granja de San Ildefonso nahe Madrid, das Königsschloss Philipps V. von Spanien (reg. 1700–1746).

 

Baugeschichte und Baustil

Der Bau des Neuen Schlosses Herrenchiemsee begann im Mai 1878. Die Leitung hatte Georg Dollmann inne, dessen Stelle Julius Hofmann im Oktober 1884 übernahm. Während unter Dollmann die Repräsentationsräume und das Treppenhaus zum Abschluss kamen, wurden unter seinem Nachfolger 1884/85 die königlichen Wohnräume im Rohbau vollendet. Ebenso wie für Linderhof und Neuschwanstein ließ König Ludwig II. die prunkvolle Ausstattung von Porzellanen, Bronzebeschlägen, Möbeln, Vorhängen und Tapisserien sowie den von ihm so sehr geliebten Uhren von Münchner Kunsthandwerkern anfertigen.

 

Ludwig II. hat Herrenchiemsee nicht bewohnt, es blieb unvollendet. Während der Nordflügel nach 1886 wieder abgerissen wurde, ist der Südflügel bis heute nicht ausgebaut. Auch die königlichen Gemächer sowie die Gartenanlagen und Bassins wurden erst nach dem Tod des Königs fertig gestellt.

 

Wie schon in Linderhof entstand in Herrenchiemsee ein Schloss im Stil des so genannten zweiten Rokoko. Damit lag der Bau durchaus im Trend seiner Zeit, insofern auch anderenorts in Europa und Übersee der vorrevolutionäre Stil wieder aufblühte. In London waren in den 1820er-Jahren Lancaster House oder Apsley House, die Residenz des Herzogs von Wellington, nach dem Vorbild von Versailles gebaut worden. Julius Hofmann, der spätere Bauleiter von Herrenchiemsee, hatte selbst 1863/64 für Kaiser Maximilian (reg. 1864–1867) das Schloss Capultepec in Mexiko-Stadt in diesem Stil eingerichtet. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Rokoko-Palais in Wien, Paris oder Brüssel.

 

Alter Stil und neue Technik

Herrenchiemsee wurde zum prunkvollsten Schloss Ludwigs II. Es glich weniger einer Residenz denn einem Monument, das an die einstige Größe und Pracht der Monarchie in Europa erinnern sollte. Dennoch wirkt das Schloss weder überproportioniert noch anachronistisch.

 

Obwohl Ludwig II. das Schloss nicht bewohnte, empfing er dort zahlreiche Besuche. Und obgleich das Schloss auf einer Insel errichtet wurde, ließ es sich bequem erreichen: Seit 1845 gab es die Dampfschifffahrt auf dem Chiemsee. Eine Eisenbahn führte seit 1860 von München nach Salzburg mit Halt in Prien am Chiemsee. Auf der Insel selbst erleichterte eine Ringbahn die Fortbewegung. Sie wurde später abgebaut. Das Schloss wurde mithilfe eines Heißluftsystems beheizt, das über Kessel und Röhren in den Kellern das ganze Schloss versorgte. Auch auf Herrenchiemsee gab es einen „Tischlein-deck-dich“-Aufzug. Über der Prunktreppe war ein modernes Glasdach angebracht. Das Schloss verband also modernste Versorgungs- und Fertigungstechnik mit dem Baustil des Ancien Régime.

 

Die Schlossbauten Ludwigs II. – Versuch einer Bilanz

Die Königsschlösser stellten eine eindrucksvolle Kombination von Architektur, Kunst, Technik und Inszenierung dar. Jedes konnte als Gesamtkunstwerk im Sinne Wagners gelten. Die Wechselbeziehung zwischen Schloss und Theater, Residenz und Bühne war grundlegend für diese Bauvorhaben. Dabei überwog weniger der Gedanke der Repräsentation als vielmehr das Motiv der Selbstreferenz. Ludwig II. konnte sich in Linderhof als Tannhäuser fühlen, in Neuschwanstein als Lohengrin wandeln und in Herrenchiemsee an den Glanz Ludwigs XIV. erinnert werden.

 

Ludwig II. hat bei der Entscheidung, die Schlösser in abgelegenen ländlichen Gegenden zu errichten, ähnlich visionär und eigenmächtig gehandelt wie einst Ludwig XIV., dessen Versailles im sumpfigen Gelände weit außerhalb von Paris entstand. Der Bayernkönig legte bei der Entwicklung und Begutachtung der Bauprojekte große Akribie an den Tag. Alle Pläne und Entwürfe unterlagen seinem Placet. Auch die Ausstattung der Schlösser musste exakt seinen Anweisungen folgen. In gewisser Weise konnte Ludwig II. beim Bau der Schlösser jenes monarchische Regiment ausüben, das ihm in der Staatspolitik versagt blieb. Die Architekten, Künstler und Handwerker folgten seinem Sachverstand, die Minister taten das nicht.

 

Die Königsschlösser Ludwigs II. sind dem Neobarock oder dem zweiten Rokoko bzw. der Neoromanik und dem Historismus zuzurechnen. Sie hoben sich deutlich von den Baustilen Ludwigs I. und Maximilians II. ab, waren aber für ihre Zeit durchaus repräsentativ.

 

Viel beachtet wurden die immensen Schulden, die der Bau der Schlösser verursachte. Ludwig II. finanzierte die Bauten aus der Zivilliste, also den Einnahmen, die ihm als König zustanden. Anstatt jedoch die Projekte sparsamer zu gestalten, ließ der König Pläne für immer neue Bauten entwerfen. Dazu gehörten die geplante Burg „Falkenstein“ sowie ein byzantinisches und ein chinesisches Schloss, die allesamt nicht realisiert wurden.

 

Immerhin haben die Bauprojekte in den ländlichen Gegenden des Chiemgaus und des Allgäus für einigen Aufschwung gesorgt. Der Bau von „Fürstenstraßen“ zur Erschließung kam – und kommt – der örtlichen Infrastruktur zugute. Die Bauern, Gastwirte und Händler in den Dörfern profitierten von der Anwesenheit des Baupersonals und der Begleiter des Königs. Ludwigs Schlösser wurden zwar fern von München errichtet, ihre Ausstattung machte die Landeshauptstadt jedoch zu einer der führenden Kunstgewerbemetropolen im damaligen Europa. Noch einmal erlebten die Modelleure, Gießer und Schnitzer, die Silber- und Goldschmiede, Kunstschlosser, Glaser und Möbelfabrikanten für den königlichen Hof eine enorme Konjunktur.

 

Problematisch bleibt, dass Ludwigs Schlösser, anders als die meisten Bauwerke seiner Vorgänger, nicht für repräsentative Funktionen vorgesehen waren. Ludwig I. hatte der Öffentlichkeit Einlass in die neuen Bauten der Münchner Residenz gewährt, sie mit seiner Schönheitsgalerie vertraut gemacht und sie für die Pinakotheken, die Glyptothek, Antikensammlung und die Hofbibliothek begeistern wollen. Maximilian II. hatte den Glaspalast, Museen und Bildungsanstalten errichten lassen. Selbst die frühen Bauprojekte Ludwigs II., zumal das geplante Festspielhaus in München, hätten an das Volk gerichtet sein sollen. Die seit den späten 1860er-Jahren geplanten und gebauten Schlösser waren hingegen die exklusive Domäne des Königs und sollten der Öffentlichkeit keinerlei Zugang bieten. Daher war es für die Minister Ludwigs II. und den Landtag schwer einzusehen, weshalb die riesigen Schulden, die die Bauten verursachten, von der Kabinettskasse auf den Staatshaushalt umgelegt werden sollten.

 

Ludwig II. hatte als 18-Jähriger bald nach seinem Regierungsantritt erfahren müssen, wie gering sein Handlungsspielraum als Monarch war und wie sehr seine Autorität auf Äußerlichkeiten reduziert blieb. Auf diese Erfahrung reagierte er, indem er sich dem Bau prunkvoller Schlösser widmete, in die er sich mehr und mehr zurückzog. Seine Flucht in diese „Scheinwelt“ blieb solange von den Ministern der Regierung und von den Mitgliedern seiner Familie unbeachtet, wie sich der finanzielle Aufwand im Rahmen hielt. Als die Schulden überhand nahmen und der König nicht von seinen Plänen abrücken wollte, vielmehr mit der Auswechslung der Minister drohte, führte dies zu seiner Absetzung.

 

Seine Schlösser sollten Ludwig II. über die Eingeschränktheit seiner Macht hinweghelfen. Als er es nach Meinung von Hof und Regierung damit übertrieb und die Kosten zu einer immensen Schuldenlast geführt hatten, verlor er sein Königtum endgültig. Der Historiker Christoph Botzenhart fasst dies so zusammen: „Daß gerade dieser Versuch, sich mittels pompöser Schloßbauten ein Königtum vorzuspiegeln, das es in Wirklichkeit längst nicht mehr gab, zum Auslöser für den völligen Verlust seines Königtums wurde, ist die tragische Folgerichtigkeit im Leben König Ludwigs II. von Bayern.“

 

Die Königsschlösser nach dem Tod Ludwigs II.

Nach dem Tod Ludwigs II. gingen die Schlösser nominell in den Besitz seines Bruders Otto über, für den Prinzregent Luitpold die Herrschaft führte. Schon am 1. August 1886, wenige Wochen nach dem Tod des Königs, wurden die Bauten für das Publikum geöffnet. Der Eintritt in Herrenchiemsee und Neuschwanstein kostete je zwei Mark, in Linderhof waren drei Mark zu bezahlen und für 50 Mark konnten Besucher die Wasserspiele in Linderhof erleben, ebenso den Maurischen Kiosk und die Venusgrotte bei Nacht besuchen. Damit setzte die Vermarktung der Schlösser ein, die sie zu heute weltweit geschätzten Touristenattraktionen machte.

 

Der Abschluss der Bauten in Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein unter Julius Hofmann kostete weniger, als die ursprüngliche Planung Ludwigs II. vorgesehen hatte. Vor allem bei der Fertigstellung von Neuschwanstein schränkte man sich ein. Die für die Bauprojekte Ludwigs II. angehäuften Schulden in Höhe von 14 Millionen Mark, die bis 1886 angefallen waren, wurden bis 1901 getilgt. Das Geld floss aus dem Verkauf mancher Einrichtungsgegenstände der Schlösser, zum größten Teil aber aus dem Anteil König Ottos an der Zivilliste. Ludwigs Bruder hat also – vermutlich, ohne es zu wissen – den Erhalt der Schlösser ermöglicht. Hinzu kamen die Einnahmen aus den Eintritten.

 

Prinzregent Luitpold öffnete die Schlösser nicht nur des Geldes wegen, sondern auch aus Prestigegründen. Er war bei allen Einweihungsakten und Eröffnungen neuer Bauabschnitte anwesend. Noch 1904 gab es eine große Feier im Beisein des Prinzregenten, als ein gewaltiger Kronleuchter mit 96 Kerzen im Thronsaal von Neuschwanstein aufgezogen wurde.

 

Die Schlösser fanden unterdessen immer mehr Zustrom. Das meistbesuchte Schloss war anfangs Herrenchiemsee, nicht zuletzt wegen der günstigen Verkehrsanbindung, gefolgt von Neuschwanstein und zuletzt Linderhof. Um 1913 zählte man jährlich ca. 92.000 Besucher, 1925 waren es bereits 200.000, 1939 alleine in Neuschwanstein 290.000. Gleich nach der Öffnung 1886 wurden auch amtliche Führer gedruckt. Sie erläuterten die künstlerische Leistung der Bauwerke, sagten jedoch nichts über die Biografie Ludwigs II. und seine Intentionen für den Schlösserbau.

 

Nach der Novemberrevolution von 1918 und dem Sturz der Monarchie übernahm der Freistaat Bayern die Schlösser. Sie wurden, wie die gesamte königliche Zivilliste, der „Verwaltung des ehemaligen Krongutes“ im Ministerium für Finanzen unterstellt. 1923 wurde zwischen der bayerischen Staatsregierung und dem Haus Wittelsbach ein Kompromiss über die Aufteilung der Zivilliste gefunden. Die Familie Wittelsbach erhielt einen Teil der ehemaligen Zivilliste, der als „Wittelsbacher Ausgleichsfonds“ in Form einer Stiftung des öffentlichen Rechts bis heute besteht. Der übrige Teil, der auch die Königsschlösser Ludwigs II. umfasst, blieb Eigentum des Freistaats. Aus der Verwaltung des ehemaligen Kronguts im Finanzministerium ging 1932 die „Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen“ hervor.

 

Nun begann auch die Musealisierung Ludwigs II. und seiner Schlösser. 1926 wurde im Südflügel des Neuen Schlosses Herrenchiemsee ein Museum über Ludwig II. eingerichtet, „dem Gedächtnis des Königs geweiht“. Der Spiegelsaal von Herrenchiemsee, bis heute der größte Einzelraum eines Schlosses in Deutschland, erinnert an sein Vorbild in Versailles. „Versailles“ war als Gründungsschauplatz des Deutschen Kaiserreichs von 1871 durchaus positiv besetzt gewesen – und das Schloss Herrenchiemsee hatte für Touristen mit eben dieser Assoziation geworben. Nach 1919 änderte sich seine Bedeutung jedoch grundlegend. In Deutschland galt „Versailles“ nun als Reizwort, das an den dort geschlossenen Friedensvertrag nach dem Ersten Weltkrieg erinnerte, den die Deutschen mehrheitlich als ungerecht und drückend empfanden, nicht zuletzt war die parteiübergreifende Propaganda gegen den Friedensvertrag von Versailles mitverantwortlich für den Aufstieg der Nationalsozialisten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Herrenchiemsee abermals als Station deutscher Geschichte umgedeutet: Im Alten Schloss tagte 1948 ein Konvent von Vertretern der deutschen Länder, um einen Entwurf für das spätere Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland zu erarbeiten.