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Sonnefeld


 

GESCHICHTE

Zisterze Sonnefeld ? Hoffnung auf ewige Fürbitte

Franken wurde im 13. Jahrhundert von einem dichten Netz von Klöstern des Reformordens der Zisterzienser überzogen. Nahezu alle hochadligen Familien waren als Stifter beteiligt, da sie sich auf diese Weise ihre eigene Grablege und ewige Fürbitte für ihre Familien sichern wollten.

Im Jahr 1260 stifteten die Herren von Sonneberg den Zisterzienserinnen auf ihrem Besitz in Ebersdorf bei Coburg den Bauplatz für ein Kloster. Die Lage war ideal für eine Zisterze: zwar nicht mitten im Ordensideal der Waldeinsamkeit gelegen, aber doch abseits großer Straßen im Auental des Bieberbachs. Der Bamberger Bischof nahm das Kloster in seinen Schutz und übertrug ihm Forstrechte. 1262 erfolgte die Anerkennung der Neugründung durch das Generalkapitel der Zisterzienser. Als wirtschaftliche Grundlage wurde das Dorf Frohnlach an die Stiftung überwiesen. Nun konnte sich der Konvent formieren. Die ersten Nonnen kamen aus dem Kloster Maidbronn. Sonnefeld ("campus solis") stand unter komplizierten Herrschaftsverhältnissen: Grundherr war der Bischof von Bamberg; der Abt des Zisterzienserklosters Lengfeld war Visitator des Klosters.

Nach einem Großbrand im Jahr 1287 verlegte man die Zisterze an ihren endgültigen Platz in der Nähe von Hofstätten. Ungeachtet vieler Schenkungen schritt der Aufbau des Klosters nur langsam voran. Noch 1327 musste man den Abt von Citeaux um Almosen bitten. 1371 entstanden der mächtige Chor, die Sakristei und das kunstvoll eingewölbte Refektorium. Der vieleckige Chorraum ist ein Werk von Heinrich Parler, dem Vater des Prager Dombaumeisters Peter Parler. Die berühmten Parler hatten in Sonnefeld viel zu tun. Konrad Parler ist für die Zeit von 1379 bis 1407 als Steinmetz und Klosterverwalter nachgewiesen. Um diese Zeit fanden schon Bürgerstöchter Aufnahme in den Konvent, wenngleich auch das Amt der Äbtissin stets mit einer Adligen besetzt werden musste.

Seine höchste Blüte erlebte Sonnefeld um die Mitte des 14. Jahrhunderts. Anna Gräfin von Henneberg, die bereits als Kind im Jahr 1353 ins Kloster kam, brachte eine so reiche Mitgift mit, dass man sie als ?zweite Gründerin? betitelte. Endlich konnten nun Klosterbau und Kirche fertig gestellt werden. Kaiser Karl IV. gewährte der Zisterze im Jahr 1361 zahlreiche Privilegien.

Nach dem Tod der Anna von Henneberg bereits 1363 setzte ein wirtschaftlicher und moralischer Niedergang ein. Der Adel sah das Kloster Sonneberg immer mehr als reines Versorgungsinstitut für Töchter und Witwen, die ihrerseits entgegen allen Ordensregeln Privatbesitz für sich durchsetzten. Einer großen Anzahl von Nonnen standen immer weniger Konversen für die tägliche Arbeit gegenüber, sodass das Kloster bezahlte Arbeiter einstellen musste. Eine Brandkatastrophe im Jahr 1380 zerstörte die Gebäude und beschädigte die Kirche erheblich. Der Wiederaufbau war erst um 1450 abgeschlossen. Damals führte die Äbtissin Margaretha von Brandenstein (reg. um 1460 bis 1503) Sonnefeld zu einer letzten wirtschaftlichen Blüte. Trotzdem fanden während ihres Regiments schwerwiegende Verfehlungen gegen das Keuschheitsgelübde statt. 1504 führte der Versuch ihrer Nachfolgerin Dorothea von Pfersfeld die kaum mehr beachtete Klausur wieder einzuführen zu einem Aufruhr unter den Nonnen. Mit Unterstützung des Abtes von Georgenthal konnte sich die Äbtissin behaupten. Sechs widerspenstige Damen wurden kurzerhand ins Gefängnis gesperrt.

Bald schon machte sich auch der Einfluss der Reformation bemerkbar. 1524 verordnete der coburgische Landesherr dem Kloster gegen den Willen der Äbtissin Margaretha von Zedtwitz einen lutherischen Prediger. Ein Jahr später starb die Äbtissin und das Kloster gelangte unter weltliche Verwaltung; 1528 wurde aus der ehemaligen Zisterze das fürstliche ?Amt Sonnefeld?. Die letzte noch im Kloster lebende Nonne starb freilich erst im Jahr 1572. In nachreformatorischer Zeit vollendete sich in dem verlassenen Kloster Sonnefeld auch das Schicksal der Herzogin Anna von Coburg. Ihr Gatte hatte diese unglückliche Frau als Gefangene von 1596 bis 1603 hierher verbannt.

Von der hochmittelalterlichen Klosteranlage sind nur wenige Reste erhalten geblieben. Von dem Geviert des Kreuzgangs südlich der Kirche hat nur der Ostflügel überdauert. Bei der ehemaligen, der heiligen Jungfrau Maria geweihten Klosterkirche handelt es sich um eines der mächtigsten gotischen Bauwerke in Oberfranken. An der Westseite befindet sich ein prächtig gestaltetes Portal mit einem Wimperg, also einer giebelartigen Bekrönung und einer großen Steinrosette darüber. Der Kirchenraum ist 1856 durch Restaurierungsmaßnahmen verändert worden. Damals wurde auch die Nonnenempore entfernt und der Chorboden erhöht. Bemerkenswerte Grabmale erinnern an die Zisterzienserinnen von Sonneberg und ihre Stifter. Durch die Sakristei gelangt man heute in den ehemaligen Kapitelsaal, einen vierjochigen quadratischen Raum mit Kreuzrippengewölbe. Ein Schlussstein trägt das Wappen der Äbtissin Dorothea von Kemmaten (reg. 1453?1455). Darüber befand sich einst der Schlafsaal der Nonnen.

(Christine Riedl-Valder)



 

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