Mühldorf am Inn Kapuziner


 

GESCHICHTE

Mühldorf, Kapuzinerkloster - Kirchenreformer und beliebte Prediger

 

Im Jahr 1638 trat in Mühldorf in der Fastenzeit Pater Dionysius, der Vorsteher des Kapuzinerklosters in Wasserburg, als Prediger und Beichtvater auf. Er hinterließ dabei einen so nachhaltigen Eindruck, dass die Mühldorfer Bürgerschaft die Einrichtung eines Kapuzinerklosters in der Stadt forderten. Der Salzburger Erzbischof Paris von Lodron, der die Reformbemühungen der Bettelorden tatkräftig förderte, gab am 16. Juli 1639 dazu sein Einverständnis und stellte auch kostenlos einen zentral am Stadtplatz gelegenen Baugrund von rund 5.000 qm zur Verfügung. Am 7. August 1639 erfolgte in Anwesenheit einer großen Menschenmenge die feierliche Grundsteinlegung für die neue Klosterkirche. Das für sie verwendete Baumaterial stammte zum Teil aus der nahegelegenen, 1303 erstmals urkundlich erwähnten Jakobskirche, die 1640 abgebrochen wurde. Ein großer Stadtbrand, der am 6. Juni 1640 in Mühldorf wütete, und der Tod des Baumeisters P. Veit aus Brixen brachte die Bauarbeiten zum Erliegen. Aufgrund der weiteren, großzügigen Förderung durch Erzbischof Lodron und umfangreichen Hilfestellungen durch den Kapuzinerorden und die Bürger von Mühldorf konnte die Anlage letztlich fertiggestellt werden. Am 12. April 1643 nahm der Bischof von Chiemsee, Johann Christoph Graf von Lichtenstein, die Konsekration der neuen Klosterkirche zu Ehren des hl. Jakobus vor. Gemäß den Ordensregeln verfügte sie nur über eine bescheidene Ausstattung und einen hölzernen Dachreiter. An die Kirche schloss sich der zweigeschossige, dreiflügelige Klosterbezirk an, dem im Westen und im Süden (hier begrenzt durch die Stadtmauer) ein großer barocker Klostergarten vorgelagert war. Der Haupteingang zum Kloster lag am Stadtplatz an der Westseite der Anlage. Im Mai 1643 wurden die Brüder in einem festlichen Zug in ihre neue Heimstatt eingeführt. Gemäß ihren Ordensregeln lebten die Kapuzinerbrüder in der Folgezeit ohne feste Einkünfte und ernährten sich bescheiden von den Erzeugnissen ihres Gartens und den Almosen, die ihnen die Bürger für ihre seelsorgerische Tätigkeit zukommen ließen. Sie engagierten sich als Beichtväter und Prediger, bei Landmissionen und betreuten Kranke und Sterbende. Bei der Teilung der bayerischen Kapuzinerprovinz im Jahr 1668 fiel Mühldorf an die Tiroler Provinz.

Nachdem Mühldorf 1802 an Bayern gefallen war, wurden Kirche und Kloster säkularisiert. Aus einem damals angefertigten Bericht geht hervor, dass das Kloster über 27 Zellen verfügte, von denen zwei als Bibliothek genutzt wurden, und dass die Brüder eine Tuchmacherei in Betrieb hatten. Eine Auflistung der Liegenschaften nennt u.a. den großen Klostergarten mit Schuppen, eine Küche mit Anbau, eine Arbeitshütte für Tischler und Zimmerer, eine Schneiderei, ein Waschhaus und eine Sommersakristei, die sich in der Klosteranlage befanden. Die acht Kapuziner, die zu diesem Zeitpunkt in Mühldorf noch ansässig waren, mussten 1803 nach Salzburg umsiedeln. Über 200 Bücher aus der Klosterbibliothek kamen in die kurfürstliche Staatsbibliothek nach München, der Rest wurde 1803 auf dem Mühldorfer Rathaus versteigert. Den Ostflügel des Klosters und ein Drittel des Gartens durfte der Färbermeister Anton Stark aus Mühldorf 1803 preisgünstig erwerben und für sein Gewerbe nutzen, nachdem er bei einem Brand großen Schaden an seinem Eigentum erlitten hatte. Den Gebäudeteil, der an den Stadtplatz grenzt, ersetzte der Färbermeister durch einen Neubau. Er wurde 1853 von der Stadt erworben und 1854 zum Sitz einer Niederlassung der Armen Schulschwestern im Mühldorf. Der westliche Klosterflügel blieb zunächst im staatlichen Besitz und fiel um 1820 in das Eigentum der Stadt, die ihn abreißen ließ und das Material für den Neubau eines Schulhauses an dieser Stelle verwendet.

Die Klosterkirche hat man 1803 ganz ausgeräumt und in der Folgezeit u.a. als Lagerraum und Stall benützt. 1815 wurde sie jedoch auf Wunsch der Bürgerschaft wieder zum kirchlichen Gebrauch hergerichtet. Dazu hat man die Innenausstattung der am Stadtplatz gelegenen, damals baufälligen Frauenkirche (1391 errichtet; 1815 abgerissen) mitsamt ihren Altären, Glocken, der Orgel und einem von den Einwohnern hochverehrten Maria-Hilf-Bildnis (einer 1644 von dem Mühldorfer Dekan Ernst Wieser gemalten Kopie des Gnadenbildes von Maria Hilf in Passau) hierher übertragen. Die einstige, dem hl.Jakobus geweihte Kapuzinerkirche wurde am 19. November 1815 zu Ehren Unserer Lieben Frau als Marienkirche neu konsekriert. 1855/56 erhielt sie einen Kirchturm mit neuromanischen Schallöffnungen und hohem achtseitigen Zeltdach im Stil des Historismus. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hat man mehrfach vergeblich Versuche unternommen, die Kapuziner in Mühldorf wieder anzusiedeln. Ab 1899 (bis 1977) diente die Marienkirche dann der 1891 gegründeten Franziskaner-Niederlassung (siehe Mühldorf, Franziskanerkloster) als Klosterkirche und erhielt wieder das Patrozinium des hl. Jakobus.

 

Christine Riedl-Valder



 

SUCHE