Franziskanerkloster St. Anton


 

GESCHICHTE

Garmisch-Partenkirchen, Franziskanerkloster St. Anton

Seit dem 17. Jahrhundert befand sich auf der Anhöhe über Partenkirchen am westlichen Abhang des Wank eine kleine Antoniuskapelle, die von den Anwohnern Jakob und Johann Lidl gestiftet worden war. Um ihrem Dank für die Verschonung des Ortes im Spanischen Erbfolgekrieg Ausdruck zu verleihen, beschlossen die Partenkirchner Bürger, an ihrer Stelle eine Votivkirche zu errichten. Sie wurde 1708 geweiht. Pfarrer Matthias Samweber veranlasste in den Jahren 1734 bis 1736 den Ausbau und die Ausschmückung durch die Wessobrunner Baumeister- und Stuckatorenfamilie Schmuzer und den Südtiroler Maler Johannes Evangelist Holzer Damals entstand eine Wallfahrtsanlage von hohem künstlerischem Rang. Die seelsorgerische Betreuung der Pilger übernahmen in der Folgezeit Weltkleriker. Sie wohnten in dem um 1740 errichteten Priesterhaus, das an den Chor der Kirche angebaut wurde. Das Gebäude beherbergte zwischen 1822 und 1872 auch eine Lateinschule.

Als die Wallfahrtspflege in den letzten Jahren der Amtszeit des Benefiziaten Max Müller (gest. 26. September 1934) zum Erliegen gekommen war, beschloss der Münchner Kardinal Michael von Faulhaber diese Aufgabe dem Franziskanerorden zu übertragen. Nachdem die vertragliche Regelung der neuen Ordensniederlassung erfolgt war, entsandte das Provinzkollegium P. Cajus Grallner als Präses, P. Adalbero Leopoldseder als Verwalter des Benefiziums und geistlichen Kirchenvorstand sowie Frater Florian Settele als Faktotum (d. h. Bruder für alle Angelegenheiten) nach Partenkirchen. Ende November 1934 bezogen die drei Männer das ehemalige Priesterhaus und richteten sich mit großer Unterstützung der Bevölkerung hier ein. Es handelte sich um die erste von zwei Kloster-Neugründungen (1936 folgte St. Ludwig in Nürnberg), die der bayerischen Franziskanerprovinz trotz der antikirchlichen Politik unter dem NS-Regime gelang. Die offizielle Einführung des Konvents fand am 1. Adventsonntag, dem 2. Dezember 1934, statt. Sie wurde mit einem Festzug von der Pfarrkirche Partenkirchen zur Wallfahrtsanlage, einer anschließenden Andacht in St. Anton, an der P. Provinzial Polykarp Schmoll, Prälat Brem als erzbischöflicher Beauftragter und der Ortspfarrer Lorenzer mitwirkten, und der Begrüßung durch die Gemeinde mit Bürgermeister Johann Neuner an der Spitze begangen.

Ihren ersten großen Auftritt hatten die Franziskaner am darauffolgenden 13. Juni 1935, dem Namenstag des hl. Antonius von Padua, der im Werdenfelser Land traditionell als Feiertag gilt. Unter großer Beteiligung der Gläubigen aus dem Ort und den benachbarten Pfarreien organisierte das Kloster ein dreitägiges Programm mit einer Lichterprozession, begleitet von Antoniusfeuern, die auf den umliegenden Höhen entzündet wurden, der Darbietung einer Antoniusreliquie, die aus St. Anna in München herbeigeschafft worden war, mit festlichen Andachten und einem Pontifikalamt im Freien.

Eine grundlegende Renovierung von Kloster, Turm und Wallfahrtskirche fand ab 1987 statt und wurde in einem feierlichen Pontifikalamt mit Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter am 14. November 1998 zum Abschluss gebracht. Das gesamte Ensemble steht seitdem unter Denkmalschutz. 2016 gehörten P. Winfried Prummer als Guardian und Seelsorger sowie Bruder Helmut Münch als Verwalter der Hausgemeinschaft an. Ihre Aufgaben bestehen in der Betreuung der Wallfahrtskirche, in der täglich der Gottesdienst gefeiert wird, und der Organisation eines Veranstaltungsprogramms mit Vorträgen und Konzerten sowie Aushilfen in der Pfarrei Partenkirchen.

  

(Christine Riedl-Valder)

 
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