Zapfendorf, Benediktinerinnenkloster Maria Frieden


 

GESCHICHTE

Zapfendorf / Kirchschletten, Benediktinerinnenkloster Maria Frieden – Miteinander in einer Welt

Der 1143 erstmals urkundlich erwähnte Gutshof von Kirchschletten befand sich seit 1917 im Besitz der Benediktinerabtei Niederaltaich. 1953 erwarb ihn Äbtissin Edeltraud Danner OSB (1888-1973), die bei den Missionsbenediktinerinnen von Tutzing 1913 ihre Profess abgelegt hatte, seit 1924 auf den Philippinen arbeitete und dort 1931 eine Kongregation der Benediktinerinnen gegründet hatte. Edeltraud Danner wollte in Kirchschletten eine neue Niederlassung einrichten, um für die Missionsarbeit zu werben. Wenig später nahm der Bamberger Erzbischof Josef Otto Kolb die Benediktinerinnen nach einstimmigen Beschluss des Domkapitels in die Erzdiözese Bamberg auf. Am 23. Juni 1953 wurde den Nonnen das Gut durch Abt Emmanuel Maria Heufelder von Niederaltaich feierlich übergeben. Anfangs halfen die Mönche in der Landwirtschaft und stellten den Spiritual des Klosters. Das Priorat Maria Frieden wurde mit Schwestern aus der Gründerabtei Immaculate Heart of Mary in Fatima (Insel Luzon, bei Vigan, Diözese Nueva Segovia) besiedelt.

Nach dem Tod der Gründerin am 28. Januar 1973 setzte sich Abt Bonifaz Vogel OSB aus der Abtei Münsterschwarzach dafür ein, dass die Nonnen die rechtliche Unabhängigkeit erhielten. Im Mai desselben Jahres wurde das Priorat von der Mutterabtei auf den Philippinen abgetrennt und vom Heiligen Stuhl zur Abtei Maria Frieden erhoben. Die Abtei war damit Mitglied der Föderation Bayerischer Benediktinerinnen. 2007 gehörten rund 20 Schwestern zum Konvent. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit sehen sie in der Vermittlung eines bewussten Miteinanders verschiedener Kulturen und Sprachen. Dies wird unter anderem praktiziert durch die freundschaftliche Verbindung zu den Ordensschwestern auf den Philippinen, deren Konvent heute rund 60 Nonnen umfasst.

1974 eröffnete Äbtissin Gertrud Vaca-Calderon (1973–1986) in der kurz zuvor käuflich erworbenen und umgebauten Dorfschule die Gästeherberge „Haus Edeltraud“, benannt nach der Gründerin. Im westlichen Seitenflügel des vormaligen Schlosses wurde am 31. Mai 1976 die Abteikirche geweiht. Als Altar kam hier das eindrucksvolle, nicht mehr genutzte Heilige Grab von St. Martin in Forchheim, eine 1779 von dem Schreinermeister Georg Stockhardt mit Figurenschmuck des Bamberger Bildhauers Bernhard Kamm (1736-1816) gefertigte Anlage, zur Aufstellung. Im Jahr 2003 feierten die Benediktinerinnen ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum. Zum Kloster gehören drei Betriebe, die die Schwestern unterhalten: das 1982 eröffnete Gästehaus Benedikt, eine Kerzenwerkstatt sowie die große Landwirtschaft, die seit dem Jahr 2000 auf ökologischer Basis bewirtschaftet wird und dem Verband Bioland angeschlossen ist. Sie umfasst Ackerbau (Saatgutvermehrung von Roggen, Weizen, Triticale, Ackerbohnen, Buchweizen, Koriander, Körnerfenchel, Kümmel), Weidemast weiblicher Rinder, Legehennenhaltung, Gemüsebau und eine Schafherde (Coburger Fuchsschafe) zur Pflege der Streuobstwiesen. Ein Teil der Erzeugnisse wird im Klosterladen vermarktet. Der Betrieb wurde 2011 mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Äbtissin Mechthild Thürmer (seit 2011) reagierte auf die zunehmenden Anfragen von Wanderern auf dem fränkischen Jakobsweg in jüngster Zeit mit dem Umbau von Haus Edeltraud zu einem Pilgerheim.

(Christine Riedl-Valder)

Link:

www.abtei-maria-frieden.de 



 

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