Würzburg, Redemptoristenkloster St. Alfons


 

GESCHICHTE

Würzburg, Redemptoristenkloster St. Alfons – Seelsorger in den Pfarreien

Bereits im 19. Jahrhundert wirkten die Redemporisten erstmals kurzzeitig im Bistum Würzburg. Sie gründeten 1867 das Kloster Fährbrück in Hausen, mussten es jedoch schon nach sechs Jahren im Zuge der ordensfeindlichen Politik in der Zeit des Kulturkampfs wieder aufgeben. Fast 80 Jahre später erfolgte dann ihre Ansiedlung in Würzburg.

Der als „Widerstandsbischof“ gegen das NS-Regime bekannt gewordene Würzburger Oberhirte Matthias Ehrenfried (Amtszeit 1924–1948) richtete in den Jahren des Zweiten Weltkriegs für die Hindenburgsiedlung im Stadtteil Keesburg die Filialgemeinde St. Arno ein. Angesichts der vielen Neuansiedlungen und der stetigen Erweiterung dieses Stadtteils in der Nachkriegszeit übertrug Bischof Julius Döpfner 1951 den Redemptoristen die Seelsorge in der jungen Gemeinde. Die Pfarrei wurde nach deren Ordensgründer, dem hl. Alfonso Maria de Liguori (1696–1787; 1950 heiliggesprochen) umbenannt. Unter Leitung des Bischöflichen Bauamts begann man 1952 mit dem Bau des Klosters für die Patres. 1953 wurde die St.-Alfons-Kirche nach Plänen des Architekten und Dombaumeisters Hans Schädel errichtet. Das Gebäude, das zu den markantesten Sakralbauten Deutschlands aus jener Zeit gehört – aufgrund seiner eigenwilligen Dachform vielfach als „Sprungschanze Gottes“ tituliert –, wurde am 7. November 1954 von Bischof Julius Döpfner geweiht. Zur Innenausstattung trug der Künstler Georg Meistermann (1911–1990) unter anderem das großformatige Wandbild „Die Verherrlichung Gottes durch die gesamte Schöpfung“ sowie das außergewöhnliche dreieckige Tauf- und Weihwasserbecken bei. Der hoch aufragende Kampanile erhielt vier Glocken, die 1959 geweiht wurden.

Im Mai 1954 erfolgte in einem feierlichen Gottesdienst im Rohbau die Einführung des ersten Pfarrers P. Franz Lutz. Im November übernahmen die Würzburger Erlöserschwestern, die den Redemptoristen geistlich nahe stehen, die Arbeit im Pfarrbüro, im Kindergarten und in der Krankenpflegestation St. Alfons.

Von 1959 bis 1975 wirkte P. Alfred Hochwimmer als Pfarrer von St. Alfons. Während dieser Zeit wurden unter anderem ein größerer Kindergarten, das Pfarrheim (1961/62) und die Johannes-Kepler-Schule (1963) errichtet, die Bestimmungen des 2. Vatikanischen Konzils hinsichtlich der Gottesdienstfeier umgesetzt, das Bildungswerk St. Anton (1965) sowie der Seniorenclub (1968) gegründet. Unter seinem Nachfolger P. Josef Meyer, der 21 Jahre lang im Amt war, erfolgte eine Umgestaltung des Chorraumes der Kirche (1978), die Einweihung der neuen Orgel (1979), die Innenrenovierung der Kirche (1991) und die Neugestaltung des Kirchplatzes (1992). Zum 40-jährigen Kirchweihjubiläum 1994 wurde der Zyklus „Kreuzweg der Versöhnung“ installiert. Dessen 14 Farbholzschnitte schuf HAP Grieshaber (1909–1981) 1957 als Variante eines ursprünglich für das ehemalige Konzentrationslager Ausschwitz geschaffenen Kreuzwegs. 1996 quittierten neben dem Pfarrer auch die Schwestern M. Marholdis, Sr. Elmara und M. Liobgard, die 42 Jahre lang in der Pfarrei wirkten, ihren Dienst. Der folgende Pfarrer P. Josef Schwemmer übernahm ab 1997 zusätzlich die Seelsorge für die Reha-Klinik (Kantstraße) und organisierte die Bau- und Reparaturarbeiten an Kirche, Kindergarten, Pfarrhaus und -heim. Zum 50-jährigen Bestehen der Pfarrei führten Pfarrer P. Gerald Hanke, P. Josef Stöckl und Sr. Edigna (Missionsschwester vom hl. Erlöser) eine Gemeindemission durch. P. Bernd Wagner, seit 2006 Pfarrer in St. Alfons, wurde innerhalb der seit 2009 bestehenden Pfarrgemeinschaft „St. Alfons und St. Nikolaus“ 2014 auch zum Pfarradministrator von St. Nikolaus bestimmt.

1996 gründeten die Provinzen München und Köln im Kloster St. Alfons eine Ausbildungsgemeinschaft, der sich kurze Zeit später die Wiener Provinz anschloss. Damit wurde Würzburg zur Bildungsstätte für den Ordensnachwuchs im gesamten deutschsprachigen Raum. Da sich die Provinzen Köln, Flandern, Amsterdam und die Schweiz 2005 zur Provinz St. Clemens zusammenschlossen, wird die Einrichtung nun von den Provinzen St. Clemens, München und Wien getragen. Die Hausgemeinschaft in Würzburg besteht heute aus einer Kernkommunität, deren Mitglieder für die Ausbildung zuständig sind, und den Auszubildenden, die an der Universität Würzburg oder am Spätberufenenseminar in Lantershofen katholische Theologie studieren. Die Patres und Brüder, die in der Seelsorge arbeiten, betreuen die katholischen Pfarreien St. Alfons in Keesburg, St. Nikolaus in Gerbrunn, St. Barbara im Stadtteil Mönchsberg und Unsere Liebe Frau im Frauenland.

(Christine Riedl-Valder)

Link:

http://www.abk-redemptoristen.com 



 

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