Würzburg, Mutterhaus der Schwestern des Erlösers


 

GESCHICHTE

Würzburg, Mutterhaus der Schwestern des Erlösers – lebenslange Sorge für kranke Mitmenschen

Mutter Alfons Maria, mit bürgerlichem Namen Elisabeth Eppinger, gründete 1849 in Niederbronn im Elsass mit Gleichgesinnten eine Schwesternschaft, die das Leben Jesu und seine Werke der Barmherzigkeit in den Mittelpunkt stellte. In den Zeiten der beginnenden Industrialisierung und der damit einhergehenden sozialen Not ärmerer Bevölkerungsschichten wollten sie sich vorrangig der Krankenpflege und Armenfürsorge widmen. Sie nannten sich „Schwestern vom Göttlichen Erlöser“ (Niederbronner Schwestern). Bereits ab 1853 wirkte der Orden in Unterfranken und ab Oktober 1854 in Würzburg. Franziska König, die Vorsteherin des Theresia-Instituts in Würzburg, vermachte den Frauen ihr Haus Kettengasse 1, das ab 1856 als Mutterhaus diente. Um eine drohende Ausweisung aufgrund des Ausländerstatus zu verhindern, spaltete sich die Gemeinschaft vom französischen Mutterhaus in Niederbronn ab. Der Würzburger Bischof Georg Anton von Stahl erklärte per Dekret vom 15. Juni 1866 die „Kongregation der Töchter des Allerheiligsten Erlösers“ (seit 1969 „Schwestern des Erlösers“) für selbstständig und erlaubte die Aufnahme von 16 Kandidatinnen in das Würzburger Noviziat. Unter Generaloberin Maria Honorine Steimer legten die ersten elf Schwestern am 23. Oktober 1867 ihre Gelübde ab.

In der Folgezeit wurden die Erlöserschwestern über 100 Jahre lang in vielen Bereichen der Würzburger Kliniken eingesetzt. Unter Mater Alexandrina Hofmann, die zwischen 1885 und 1905 und erneut von 1910 bis 1914 als Generaloberin das Kloster leitete, arbeiteten sie ab 1894 (bis 1962) als Pflegerinnen in der königlichen Universitätsfrauenklinik. Zwischen 1897 und 1952 waren sie auch in der Psychiatrischen Klinik für die Patienten, insbesondere für die Sterbenden, tätig. Von 1905 bis 1921 engagierten sie sich im Juliusspital als Operationsschwestern und stellten das Küchenpersonal. Ab 1910 waren sie außerdem in der chirurgischen Poliklinik (bis 2001), ab 1912 (bis 1960) in der Zahnklinik und – unter neuer Leitung von Mater Maria Helene Müller (1914–1921) – ab 1921 (bis 1979) in der Chirurgischen Universitätsklinik, der medizinischen Poliklinik (1920–2001) und der Augenklinik am Röntgenring (1923–1968) vertreten. Ein wichtiges Einsatzgebiet der Frauen war seit den Anfängen der universitären Pflegeausbildung auch der Unterricht. Sie arbeiteten als Lehrerinnen an der Kranken- und Kinderkrankenpflegeschule (1922/23–1995) und der Diätassistentinnenschule (1926/27–1967).

In den Not- und Kriegszeiten der Jahrzehnte vor und nach der Jahrhundertwende nahm die Zahl an Ordenseintritten beständig zu. Ab 1894 erwarb Mater Alexandrina daher Gebäude auf dem Areal der Ebracher-, Domerschul- und Bibrastraße, um hier ein neues Mutterhaus zu errichten. Die Einweihung und Übersiedlung erfolgte 1897. 1901 kauften die Schwestern das ehemalige Augustinerstift in Heidenfeld, um es als Pflege- und Altersheim für ihre Mitglieder zu nutzen. 1911 ließ man nach Plänen von Regierungsbaumeister August Lommel am Krankenhaus Würzburg ein eigenes Wohngebäude mit Kapelle, Sakristei und Küche für 100 Schwestern errichten. Allein zwischen 1923 und 1933 erfolgten 1263 Einkleidungen. 1924 konnte der Orden die ersten Frauen nach Nordamerika entsenden. Seitdem kümmern sich dort die Erlöserschwestern um verarmte, kranke und alte Menschen, um obdachlose Frauen und Kinder. 1938 umfasste die Gemeinschaft rund 440 Niederlassungen, in denen 3000 Schwestern karitative Dienste leisteten. Die Repressalien des NS-Regimes und das Verbot von Neuaufnahmen führten dann jedoch zum personellen Rückgang. Am 16. März 1945 wurde das Mutterhaus in Würzburg durch britische Bombenangriffe völlig zerstört. Die Schwestern mussten in die ehemalige Ziegelei im Stadtteil Steinbachtal (1936 durch Schenkung an den Orden gekommen) und in ihr Erholungsheim nach Heidenfeld flüchten. Nach Kriegsende erfolgte rasch der Wiederaufbau. Die Kirche wurde im Jahr 1952 neu geweiht. Unter Generaloberin Maria Gundulfa Schöpf (1947–1959) wurde 1950 ein Neubau der Theresienklinik, die sich seit ihrer Gründung 1908 unter der Trägerschaft der Erlöserschwestern befindet, eröffnet.

Auf Anregung des Augsburger Bischofs Julius beschloss das Generalkapitel 1956, sich künftig an der Missionsarbeit zu beteiligen. 1957/58 wurden die ersten Niederlassungen in Tansania (Ostafrika) eröffnet. Bis in die Gegenwart arbeiten dort deutsche und afrikanische Schwestern als Krankenpflegerinnen, Hebammen, Lehrerinnen und Erzieherinnen. Seit Anfang der 1960er-Jahre verringerte sich jedoch die Zahl der Ordensmitglieder. Während 1950 noch 235 Erlöserschwestern in den Würzburger Kliniken wirkten, waren es 1966 nur noch 115. Seit 1986 haben auch afrikanische Frauen die Möglichkeit, in die Gemeinschaft einzutreten. Die Wiedervereinigung Deutschlands brachte für die Kongregation 1990 den Zusammenschluss mit den Schwestern der Vize-Provinz in Thüringen. Deren letzte Niederlassung in Bad Salzungen wurde 2012 geschlossen.

Seit 2013 führt Schwester Monika Edinger den Orden; unterstützt von Schwester Herigard Schneider (Generalvikarin) und den Generalassistentinnen Hedwig Zinner, Anne Marie Haas (USA) und Tadea Mpanda (Tanzania). Zu diesem Zeitpunkt gehörten 369 Schwestern in Deutschland, vor allem in Unterfranken, in Pennsylvania/Nordamerika („Sisters of the Holy Redeemer“) und in Tansania zu der Gemeinschaft. Ihren Mittelpunkt bildet seit den Anfängen der Kongregation das Mutterhaus in Würzburg mit dem Sitz der Generalleitung und der Verwaltung der Einrichtungen. 2013 standen unter der Trägerschaft der Erlöserschwestern in Bayern die Würzburger Theresienklinik und das Sankt-Josef-Krankenhaus mit Krankenpflegeschule in Schweinfurt, das Pflegeheim Kloster Maria Hilf in Heidenfeld (seit 2003 mit eigenständigem Konvent), das Schwesternheim „Maria Königin“ und die Familienbegegnungsstätte „Wirbelwind“ (Würzburg-Steinbachtal), die Bildungshäuser Maria-Schnee (Lülsfeld) und Haus Immanuel (Wollbach), die Kinderbetreuungsstätten St. Anna, St. Gabriel (beide in Würzburg) und die Maria-Theresia (Schweinfurt) sowie die Elisabeth-Stube (Würzburg) und Maria-Theresia-Stube (Schweinfurt), beides Kantinen für Bedürftige.

(Christine Riedl-Valder)

Link:

http://www.erloeserschwestern.de

 

 

 

 



 

SUCHE