Vilsbiburg, Kapuzinerkloster an der Wallfahrtskirche Maria Hilf


 

GESCHICHTE

Vilsbiburg, Kapuzinerkloster an der Wallfahrtskirche Maria Hilf – Seelsorge an der „Perle des Vilstals“

Die Wallfahrt Maria Hilf in Vilsbiburg wurde von dem Kaminkehrer Donatus Barnabas Orelli aus Locarno begründet, der seit 1679 im Ort seinem Handwerk nachging. Er ließ auf dem Hügel eine Kreuzigungsgruppe aufstellen und erbaute daneben eine Rundkapelle. Darin stellte er eine Nachbildung des bekannten Maria-Hilf-Bildes von Lucas Cranach auf. Da Papst Innozenz XI. und Papst Alexander VIII. der Wallfahrt für das Fest Mariä Himmelfahrt einen Ablass gewährten, fanden sich schon bald zahlreiche Pilger ein. 1691 wurde die Kapelle wegen des anwachsenden Besucherstroms durch einen prachtvollen Barockbau erweitert; die Pläne dafür lieferte Christoph II. Dominikus Zuccalli, ein Mitglied der berühmten Graubündner Baumeisterfamilie. Mithilfe von Spenden konnte zehn Jahre später ein großes Langhaus angefügt werden. In der Zwischenzeit waren im Umkreis sieben weitere Kapellen mit Darstellungen aus der Leidensgeschichte errichtet worden. Zur Betreuung der Wallfahrer erwirkte Orelli 1704 den Bau eines Kapuzinerhospizes auf halber Höhe des Kalvarienbergs. Orelli, der in Rom zahlreiche Reliquien für seine Stiftung erwirkt hatte und damit deren Beliebtheit bei den Gläubigen weiter steigern konnte, fand 1734 in der Wallfahrtskirche seine letzte Ruhestätte. Die Gründung der Maria-Namen-Bruderschaft 1709, aber auch das tägliche Rosenkranzgebet und das vierzigstündige Gebet in der Fastenzeit zogen immer mehr Pilger an. Im Jahr 1715 wurden 4000 Messen gelesen; 1720 zählte man 60 000 Beichten. Durch die finanzielle Unterstützung des Landrichters von Peyrer konnte das Gotteshaus 1794 um ein Drittel nach Osten erweitert werden, auch zwei Kuppeltürme wurden aufgesetzt. Im Zuge der Säkularisation mussten die Kapuziner Vilsbiburg 1803 verlassen. Anschließend übernahmen Weltpriester die Seelsorge. 1909 erwarben die Karmelitinnen das Klostergebäude.

Die beliebte Barockkirche, als „Perle des Vilstals“ bekannt, wurde 1832 wegen Baufälligkeit abgerissen und innerhalb von vier Jahren durch eine neuromanische Kirche ersetzt (bis 1870 um zwei Seitenschiffe, eine neue Vorhalle, eine Freitreppe und zwei Türme erweitert). Danach zogen zehn Redemptoristen in das 1827 neu errichtete Priesterhaus neben der Wallfahrtskirche ein, bauten es bis 1851 zum zweiflügeligen Kloster aus und übernahmen die Betreuung der Pilger. Die Aktivitäten dieses Ordens wurden jedoch während es Kulturkampfs 1873 verboten, sodass die Patres wiederum durch Weltpriester ersetzt wurden.

1886 konnten erneut die Kapuziner hier Fuß fassen; dieses Mal für über 100 Jahre. Das erneute Wirken des Ordens in Vilsbiburg ist eng verknüpft mit der Persönlichkeit von Pater Viktrizius Weiß, für den seit Jahren ein Seligsprechungsverfahren der römisch-katholischen Kirche läuft. Der aus Eggenfelden stammende Priester trat 1875 in das Noviziat der Kapuziner in Burghausen ein und wurde bereits neun Jahre später zum Provinzial der bayerischen Kapuziner gewählt. In dieser Funktion sorgte er auch für die Wiederansiedlung des Ordens an der Wallfahrtsstätte Maria Hilf. Mit 66 Jahren zog er sich schwer krank hier in das Kloster zurück, wo er bis zu seinem Tod in der Seelsorge mitwirkte.1927 fand er seine letzte Ruhestätte im rechten Seitenschiff der Wallfahrtskirche. Der Mangel an Ordensnachwuchs zwang die Kapuziner 1999 dazu, die Wallfahrt erneut an die Diözese zurückzugeben. 2005 übernahm die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos dieses Amt. Ihrem Auftrag gemäß legen sie in ihrer Seelsorgearbeit einen starken Akzent auf die Betreuung und Begleitung der Jugend.

(Christine Riedl-Valder)

Link:

http://www.wallfahrtskirche-vilsbiburg.de/ 



 

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