München, Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern


 

GESCHICHTE

 

München, Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern – Pionierinnen des Krankenwesens

 

 

 

Mit Unterstützung durch König Ludwig I. kamen am 10. März 1832 die ersten beiden voll ausgebildeten Barmherzigen Schwestern nach München. Am 22. Oktober desselben Jahres wurden sie in einer Audienz vom Monarchen persönlich empfangen. Es handelte sich um Schwester Ignatia Jorth aus dem Mutterhaus in Straßburg, die bis zu ihrem Tod 1845 als Generaloberin in Bayern wirkte, und Schwester Appolonia Schmitt aus Mainz, die sich der Ausbildung der Novizinnen widmete. Die Schwestern waren in München für die gesamte innere Verwaltung und Pflege im schwer verschuldeten Allgemeinen Krankenhaus zuständig und erreichten innerhalb weniger Jahre in allen Bereichen bedeutende Verbesserungen. Ihre erste schwere Bewährungsprobe bestanden sie während der Choleraepidemie 1836.

 

Am 29. September 1839 wurde das Mutterhaus mit der Kirche vor dem Sendlinger Tor geweiht. Es verfügte über einen Verbindungsgang zum Krankenhaustrakt. Schon bald waren aus ganz Bayern Anfragen zur Übernahme weiterer Spitäler durch den Orden gekommen. Bereits im April 1835 wechselten deshalb fünf Schwestern nach Landshut; 1836 wurde das Heiliggeistspital von St. Elisabeth in München übernommen, ab 1837 arbeiteten Ordensfrauen in Aschaffenburg und Neumarkt in der Oberpfalz, ab 1840 im Münchner Krankenhaus rechts der Isar. 1845 engagierten sich die Schwestern bereits in 16 Niederlassungen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Barmherzigen Schwestern in fast allen Krankenhäusern des Königreichs Bayern tätig. Von München aus erfolgten auch die Gründungen der Mutterhäuser in Innsbruck (1839), Graz (1841) und Salzburg (1844). Die 1859 eingerichtete Niederlassung im Katholischen Krankenhaus Augsburg wurde später zu einem eigenen Mutterhaus erhoben.

 

Der Orden der Barmherzigen Schwestern war in der Bevölkerung so beliebt, dass nicht selten 60 Aufnahmegesuche innerhalb einer Woche eintrafen. Das Noviziat hatte ab 1853 seinen Sitz im Nordflügel der Josephsburg im Münchner Stadtteil Berg am Laim. Im dortigen Südflügel bestand schon seit 1840 ein mit finanzieller Unterstützung durch König Ludwig I. eingerichtetes Erholungsheim für die Nonnen. Zum Münchner Konvent gehörten 1840 bereits 143 Schwestern; 1860 waren es 467, 1905 über 1000, 1930 rund 2000 Frauen. Bei der 100-Jahr-Feier 1932 zählte man 2635 Mitglieder in 154 Filialen. Allein in München engagierten sich damals rund 1400 Schwestern in 31 Stationen.

 

Die Kongregation sorgte mit einem 1896 in der Blumenstraße erbauten Altenheim und Exerzitienhaus für die Schwestern. 1920 eröffnete hier auch die ordenseigene Krankenpflegeschule, mit der die Aus- und Weiterbildung gesichert war. Eine der wichtigsten Erwerbungen stellte 1907 der Kauf des Bads Adelholzen dar, das anfangs hauptsächlich als Erholungsheim für die Schwestern gedacht war, sich später aber als besonders ertragreiche, finanzielle Basis für alle Aktivitäten der Kongregation erwies.

 

Neben ihrer Tätigkeit in den bayerischen Krankenhäusern leisteten die Schwestern während der Kriegsjahre 1870/71 und in den beiden Weltkriegen Pflegedienste für die Verwundeten in den Feldlazaretten. Unter dem NS-Regime war der Orden Bespitzelungen ausgesetzt, für ihren Einsatz im Krankendienst mussten die Schwestern den so genannten Arier-Nachweis erbringen. Mutterhaus und Klosterkirche wurden bei Bombenangriffen 1940 und 1944 völlig zerstört, 21 Schwestern verloren ihr Leben.

 

Die Folgejahre standen ganz im Zeichen des Wiederaufbaus. Am 24. April 1949 weihte Kardinal Michael von Faulhaber das neue Mutterhaus in der Nussbaumstraße im Münchner Klinikviertel. Zwei Wochen später fand die erste Professfeier in der neuen Kirche statt. Die Stadt München ehrte die Gründerin Ignatia Jorth 1962 mit der Benennung einer Straße nach ihrem Namen. 1964 erhielten die Barmherzigen Schwestern eine neue Tracht; die typischen „Flügelhauben“ wurden abgeschafft. Eine modernisierte Lebensordnung trat 1970 in Kraft. Parallel dazu wurden die Fortbildungsangebote erweitert. Trotz aller Bemühungen zwang der zunehmende Mangel an Nachwuchskräften ab den 1960er-Jahren zur Aufgabe vieler Standorte. Bis 1980 mussten rund 60 Filialen in ganz Bayern geschlossen werden. Den aktuellen Anforderungen entsprechend, entstand dafür eine größere Zahl an neuen Altenheimen in der Landeshauptstadt und in Oberbayern, so in Unterhaching, Planegg, Unterwössen, Alzing, Ruhpolding. 1982 gehörten der Kongregation der Barmherzigen Schwestern Mutterhaus München noch 1500 Schwestern und drei Novizinnen in 103 Niederlassungen an. Ihr 150-jähriges Wirken wurde im selben Jahr mit einem großen Festakt im Cuvilliéstheater begangen. Dabei kam zum Ausdruck, dass die Frauen dieser Gemeinschaft viel dazu beigetragen haben, dass nicht nur in der Krankenversorgung, sondern auch in der medizinischen Lehre und Forschung internationale Standards erreicht werden konnten.

 

Die zunehmend beengte Situation des Mutterhauses im Münchner Klinikviertel wurde von Generaloberin Schwester M. Theodolinde Mehltretter, die seit 2004 dieses Amt inne hat und zuvor die Geschäftsführung des ordenseigenen Brunnenbetriebs in Bad Adelholzen leitete, mit einem Neubau im Münchner Osten gelöst. Am 10. März 2007 fand die Einweihung einer modernen Kongregationszentrale durch Kardinal Friedrich Wetter in der Vinzenz-von-Paul-Straße 1 im Stadtteil Berg am Laim statt. Die Anlage beherbergt neben der St.-Vinzenz-Hauskapelle und dem Wohnbereich die Verwaltung des Mutterhauses, Büros der Krankenhaus- und Altenheimdirektion, Räume für die innerbetriebliche Fortbildung, einen Gästebereich und ein Noviziat.

 

(Christine Riedl-Valder)

 

 

 

Link:

 

www.barmherzige-schwestern-muenchen.de

 



 

SUCHE