Bad Adelholzen, Kloster der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul


 

GESCHICHTE

Bad Adelholzen, Kloster der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul

 

 

 

Adelholzen gilt als das älteste Heilbad Bayerns. Seine Grundbesitzer sind bis zurück in das Jahr 959 belegt. Der Überlieferung zufolge entdeckte vor über 1700 Jahren ein römischer Legionär namens Primus, der sich als Missionar im Chiemgau aufhielt und nach seinem Märtyrertod (9. Juni 286) heilig gesprochen wurde, die heilsame Quelle „im Holze des Andlo“. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert war Adelholzen als Bad bekannt. Die erste ausführliche Beschreibung veröffentlichte der Arzt Georg Bopp 1629, als der Ort zur Hofmark erhoben wurde. Das dort befindliche Schloss brannte 1840 ab. Der neue Eigentümer Georg Mayr errichtete bis 1846 ein Kurhaus für den Badebetrieb und begann das Quellwasser in Fässer abzufüllen, damit es die Besucher mit nach Hause nehmen konnten. Sein Sohn, Wilhelm Mayr, ging noch einen Schritt weiter; ab 1895 versetzte er das Wasser mit Kohlensäure, füllte es in Glasflaschen ab und verkaufte es als „Adelholzener Primusquelle“ auch über den Versand.

 

1907 erwarb die Münchner Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul das Kurbad Adelholzen und die damit verbundene Quelle. Zum Orden gehörten damals rund 2000 Schwestern, die in und um München in der Krankenpflege tätig waren und hier neue Kraft für ihre Arbeit schöpfen sollten. Das Kurhaus, das auch eine Hauskapelle erhielt, diente zunächst als Schwesternerholungsheim, in Kriegszeiten als Lazarett, bis 1969 dann als ordensinternes Krankenhaus. 1970 wurde es zu einer Fortbildungsstätte umfunktioniert und wird heute daneben auch als Exerzitienhaus genutzt.

 

Anfangs füllten die Schwestern die Flaschen mit dem Heilwasser per Hand ab. Mit der ersten Stromleitung im Ort 1919 erhielt der Betrieb eine elektrische Abfüllanlage. Von da an wurde die Firma kontinuierlich modernisiert und erweitert. Um 1912 besuchten bereits rund 100 Kurgäste jährlich den Ort. Neben prominenten Vertretern aus Politik und Kultur weilte 1923 auch der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., zur Kur in Adelholzen. 1939 erhielt die Primusquelle den Titel „staatlich anerkannte Heilquelle“. Unter der Leitung von Schwester M. Iphigenia Insam entwickelte sich die Firma zwischen 1943 und 1989 zu einem erfolgreichen Industrieunternehmen. Das Bayerische Innenministerium gab 1946 die Erlaubnis zur Führung des Titels „Bad“. Mit der Limonadenproduktion, für die ab 1950 wieder genügend Rohstoffe vorhanden waren, setzte ein neuerlicher Aufschwung ein. 1972 wurde eine neue Abfüllanlage in Betrieb genommen, mit der die Produktion verdoppelt werden konnte. Zur selben Zeit wurde eine kalorienreduzierte Limonade am Markt eingeführt. Eine neue Mineralwasserquelle im Bergener Moos, die 1977 erschlossen wurde, liefert seither das Wasser für einen Großteil der Getränke. Am 22. Mai 1986 erteilte Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter einer modernen Abfüllanlage den kirchlichen Segen. In diesem Jahr feierte man auch das 1700-jährige Jubiläum von Adelholzen.

 

Unter der Leitung von Schwester M. Theodoline Mehltretter (1989–2004; seitdem Generaloberin des Ordens) wurde die Adelholzener Primusquelle in Adelholzener Alpenquellen GmbH umfirmiert. Eine neue computergestützte Anlage wurde 1989 eingerichtet. 1996 erfolgte der Neubau eines Lager- und Logistikzentrums mit Verwaltungsgebäude. Zwei Jahre später wurde die erste PET Mehrweganlage mit Reinraum-Technik, die eine längere Haltbarkeit der Getränke ermöglicht, in Betrieb genommen. Mit einer umfangreichen Erweiterung der Getränkesorten, der Einführung von Saftschorlen in Bio-Qualität und neuen Verschlusstechniken gelang es den Schwestern in den letzten Jahren, auch den nationalen und internationalen Markt für ihre Produkte zu erschließen. Die Adelholzener Alpenquellen GmbH gehört mittlerweile zu den zehn größten Mineralbrunnen in Deutschland mit einer Abfüllmenge von über 360 Millionen Flaschen jährlich.

 

Der Betrieb ist mit rund 400 Beschäftigten ein wichtiger Arbeitgeber im Chiemgau. Für sein umweltpolitisches Engagement erhielt das Unternehmen 2004 die Staatsmedaille des Bayerischen Umweltministeriums. Alle Gewinne, die nicht reinvestiert werden müssen, fließen in die zwei Krankenhäuser und sechs Alten- und Pflegeheime im Raum München und Oberbayern, die von der Kongregation betrieben werden, sowie in soziale Einrichtungen und Hilfsinitiativen verschiedenster Art. Seit 2005 vergibt der Betrieb in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband der Erzdiözese München den „Vinzenz-von-Paul-Förderpreis“, mit dem das herausragende Engagement von Ehrenamtlichen ausgezeichnet wird.

 

(Christine Riedl-Valder)

 

 

 

Link:

 

www.barmherzige-schwestern-muenchen.de

 

www.adelholzener.de

 



 

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