Altötting Kapuzinerkloster


 

GESCHICHTE

 

Altötting, Kapuzinerkloster St. Magdalena – Im Dienst der Wallfahrer

 

Die Jesuiten errichteten 1593 in Altötting ein Kloster mit Kapelle. Die kleine Kirche, deren Ansicht auf einem Kupferstich von Matthäus Merian überliefert ist, wurde nach Plänen des Altöttinger Malers Anthoni von dem Neuöttinger Maurer Ruep Kuchlmeister erbaut und 1596 eingeweiht. Auf Wunsch von Herzog Wilhelm V. (Regierungszeit 1579-1597) erhielt sie das Patrozinium der hl. Magdalena. Da die Wallfahrt zur „Schwarzen Muttergottes“ immer beliebter wurde und die Zahl der Pilger beständig zunahm, war schon 1605 eine erste Erweiterung des Klosterbaus erforderlich.

1599 gründeten die Jesuiten die Marianische Männerkongregation und ließen für diese Gemeinschaft neben dem Kloster ein Haus mit Kongregationssaal errichten. Nach Abbruch der Kapelle legte man östlich der Altöttinger Stiftspfarrkirche am 1. April 1697 auch den Grundstein für eine neue große Jesuitenkirche, die im Jahr 1700 geweiht wurde. Sie besteht bis heute. Als Baumeister fungierte der Laienbruder Thomas Troyer. Von ihm stammen vermutlich auch die barocke Kanzel und die kunstvoll geschnitzten Stuhlwangen der Kirchenbänke. Oberitalienische Stukkateure statteten den Innenraum mit prächtigen Barockornamenten aus. Karl Fürst von Löwenstein-Wertheim, der kaiserliche Statthalter in Bayern, stiftete die beiden 1712 aufgestellten Seitenaltäre mit gedrehten Marmorsäulen und Gemälden der Jesuitenheiligen Ignatius und Franz Xaver, die der Münchner Hofmaler Kaspar Sing lieferte.

1781 übernahm der Malteser-Ritterorden das Kloster St. Magdalena und richtete eine Kommende ein. Der klassizistische Hochaltar, der damals in der Kirche aufgestellt wurde, zeigt über dem Gemälde der hl. Magdalena unter dem Kreuz, geschaffen von dem Münchner Hofmaler Christian Wink, das Kreuz des Malteserordens. Das Kloster wurde 1808 säkularisiert. Die Räume nutzte fortan das Königlich Bayerische Forstamt. 1841 übernahmen die Redemptoristen mit 15 Patres und vier Brüdern das Kloster St. Magdalena und die Betreuung der Pilger. Nach dem Verbot der Redemptoristen in Deutschland aufgrund der Maigesetze 1873 verließ der Orden Altötting. Das Kloster stand ein Jahr lang leer. Gottesdienst und Beichte besorgten in dieser Zeit die Kapuziner, die seit 1802 im ehemaligen AltöttingerFranziskanerkloster wirkten (seit 1953 nach dem hl. Konrad von Parzham benannt). Nachdem weder die Benediktiner noch die Karmeliten Interesse an St. Magdalena zeigten, übernahmen die Kapuziner am 4. Oktober 1874 auch dieses Kloster. Von diesem Zeitpunkt an waren (bis 2003) zwei Konvente dieses Ordens in der Wallfahrerseelsorge in Altötting tätig. Um eine Verwechslung zu vermeiden, wurde der neue Klostervorstand „Kustos“ genannt. Pater Sigmund, der erste in diesem Amt, ließ eine neue Pforte erbauen.

1893 begründete Pater Cyprian Fröhlich, bekannt als der deutsche „Sozialapostel“, hier das „Seraphische Liebeswerk“. Er erwarb die so genannte Riedl`sche Villa zwischen Neu- und Altötting und errichtete hier das St. Franziskushaus, ein Heim für Kinder aus zerrütteten Familien, und ein Exerzitienhaus (das älteste seiner Art in Süddeutschland). Betreut wurden die Heranwachsenden und die Gäste von den Franziskanerinnen vom Kloster Mallersdorf. Kinderhaus und Schule wurden am 4. Oktober 1895 in Anwesenheit von Prinz Ludwig Ferdinand eingeweiht. Im Lauf der Zeit entwickelte sich die Einrichtung zu einem großen Komplex mit Wohnheim, Grund- und Hauptschule, Kirche, Landwirtschaft. An sechs weiteren Standorten in Bayern wurden von hier aus Stätten der Kinder-und Jugendhilfe gegründet.

1928 lebten zwölf Patres und 26 Brüder im Kloster St. Magdalena. Zusammen mit dem oben erwähnten anderen, etwa gleich großen Konvent lasen sie in beiden Kirchen 3780 Heilige Messen, teilten 325000 Kommunionen aus und betreuten rund 150 Pilgerzüge jährlich. Daneben hielten sie Predigten, Vorträge, Exerzitien und Versammlungen in Altötting und der Umgebung. Um das Jahr 2000 erfolgte eine grundlegende Modernisierung des Klosters, verbunden mit einigen Neubauten. 2003 zogen hier auch die Kapuziner von St. Konrad ein. Zum Konvent gehören heute rund 25 Brüder, die in der Wallfahrtsseelsorge und -organisation tätig sind. Außerdem wirken sie als Präses der Marianischen Männerkongregation (rund 12000 Mitglieder) und des Seraphischen Liebeswerks, helfen in den umliegenden Pfarreien aus, veranstalten Einkehrtage, Jugendgottesdienste und vieles mehr.

 

(Christine Riedl-Valder)

 

 

 

Link:

 

http://www.kapuziner.org/dprov/orte/a_magdalena/index.php

 

http://www.franziskushaus-altoetting.de

 



 

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