Vohburg, Franziskanerkloster


 

GESCHICHTE

Franziskanerkloster Vohburg - Jahrmärkte und Andächteleien

"Jahrmärkte und die Franziskaner verursachen allda manchen Zusammenlauf des Landvolks, woraus der Flecken seinen Hauptgewinn zieht ... dicke Finsternis ruht über dem Land, in welchem die Nachteulen, die Mönche, so ganz ihr Wesen treiben können" - so notierte ein hoher bayerischer Beamter - bei einer Dienstreise im Jahr 1800 zur Vorbereitung der späteren Säkularisation über Vohburg.
Verfechter einer radikalen Aufklärung, wie der zitierte Joseph von Hazzi, konnten am Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr begreifen, dass die Ansiedlung von Bettelorden, wie die Franziskaner, in den kleinen bayerischen Landstädten ein Wunsch der Bürger war. Zwar lebten diese "Bettelmönche" von Spenden und der Kollektur, doch brachten sie mit ihrer volkstümlichen Form der Seelsorge, der "Andächteleien", wie Hazzi es nennt, stets auch eine Belebung der Wirtschaft durch Wallfahrten und andere große Veranstaltungen.
In Vohburg, einem Ort mit damals weniger als tausend Einwohnern, hatten die Bürger bei Kurfürst Max Emanuel, einem großen Förderer der Franziskaner, eine Niederlassung des Ordens erwirkt. 1726 zogen vier Franziskaner aus dem nahen Ingolstadt nach Vohburg. Der Stadtmagistrat kaufte ihnen ein ansehnliches Haus am Marktplatz, in dem man das Hospiz unterbrachte. Der Bau der geräumigen Klosterkirche St. Anton dauerte bis 1728.
Die Säkularisation des kleinen Klosters begann am 12. März 1802 mit der Erfassung des Inventars. Am 31. März wurden die vier Patres in das künftige Zentralkloster nach Ingolstadt und der einzige Laienbruder in die Benediktinerabtei Attel verbracht.
Das Wohngebäude der Franziskaner nutzte die Stadt ab 1802 als Schule. 1811 verkaufte man das Anwesen, um mit dem Erlös ein neues Rathaus mit Schule zu bauen. Im alten Hospiz fand nun eine Gastwirtschaft ihren Platz. 1879 erwarb Stadtpfarrer Ulrich Steinberger das Haus und schenkte es dem Orden der Armen Schulschwestern. Von 1880 bis 1970 diente das alte Klostergebäude als Mädchenschule.
Die vormalige Klosterkirche in Besitz der Stadt blieb bis 1837 in liturgischer Verwendung. Anschließend wurde sie profaniert und diente fortan als Lagerhalle für den Stadtmarkt, Wagenremise, Feuerwehrhaus und Theatersaal. Im Feldzug von 1866 benutzte sie die durchmarschierende bayerische Kavallerie als Pferdestall. 1879 erwarb die Pfarrei St. Peter von der Stadtgemeinde die Franziskanerkirche durch Tausch mit der bisherigen Filialkirche St. Andreas. Diese diente nun als Lagerhalle der Stadt und wurde 1955 zum Rathaus von Vohburg. Die Antoniuskirche hingegen renovierte Stadtpfarrer Ulrich Steinberger auf eigene Kosten. 1880 konnte sie wieder geweiht werden und dient seitdem als Filialkirche St. Anton der Stadtpfarrei. Bei den Kämpfen um Vohburg im April 1945 erlitt die Kirche schwere Schäden. Dem Wiederaufbau von 1947 folgte im Jahr 2000 eine umfassende Renovierung.

( Christian Lankes )



 

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