Gößweinstein


 

GESCHICHTE

Gößweinstein ? barocke Wallfahrtsfrömmigkeit

Der Kapuzinerorden fand in Bayern schon bald nach seiner Gründung weite Verbreitung. Neben den Jesuiten und Franziskanern waren sie die stärksten Stützen der Gegenreformation in Franken. Im Jahr 1711 wurde die fränkische Provinz der Kapuziner auf Grund ihrer Größe von der bayerischen Provinz abgetrennt. Mit Gößweinstein (1723) und Mariabuchen (1727) übernahm der Orden dann auch die Verantwortung für zwei bedeutende fränkische Wallfahrtsorte.

Der Konvent zu Gößweinstein ? der Name erinnert an das reiche fränkische Adelsgeschlecht der Gozwin im 12. Jahrhundert ? war eine Stiftung des Kurfürsten Lothar Franz (1693?1729), Bischof von Bamberg und Erzbischof von Mainz, aus der Familie der Grafen von Schönborn. Er förderte die Kapuziner nach Kräften und initiierte mehrere Klostergründungen (u. a. auch in Höchstadt an der Aisch). Nach seinem Willen sollten die Brüder die Seelsorge der zahlreichen Gläubigen übernehmen, die zu dem wundertätigen Bildnis der Heiligsten Dreifaltigkeit gepilgert kamen.

Das Haus, das die Kapuziner in Gößweinstein anfangs bewohnten, war bereits 1631 unter dem Bamberger Bischof Johann Georg Fuchs von Dornheim direkt neben der Wallfahrtskirche von 1630 errichtet worden. Ein Oratorium wurde darin aber erst 1708 zu Ehren des hl. Franz geweiht. An die Friedhofskapelle wurde 1723 ein nüchterner viereckiger Mönchschor mit Kreuzgratgewölben angebaut.

1724 zogen die Kapuziner in ein neu erbautes Kloster, das ihnen der Fürstbischof für über 5000 Gulden innerhalb nur eines Jahres erbaut hatte. Als erster Guardian des neuen Konvents mit zwölf Brüdern wurde Pater Fulgenz von Saal ernannt. Unter dem Guardian Guido von Vilseck erhielt das Kloster 1790 einen Anbau an der Nordwestecke.

Die Kapuziner trugen dazu bei, dass die Wallfahrt in Gößweinstein einen großen Aufschwung nahm. Schon zum ersten Dreifaltigkeitsfest unter ihrer Betreuung wurden 8000 Kommunikanten gezählt. Die 1630 errichtete Friedhofs- und Wallfahrtskirche samt der zum Kirchhof offenen Dreifaltigkeitskapelle, die 1724/25 angebaut worden war, reichte für diese Besucherströme nicht mehr aus. Der Andrang war so groß, dass die Messen auf offenem Feld gelesen werden mussten.

Der neue Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn beauftragte den würzburgisch-bambergischen Baumeister Balthasar Neumann mit dem Entwurf einer monumentalen Pfarr- und Wallfahrtskirche ?Zur Heiligsten Dreifaltigkeit?. Er sollte einen prunkvollen Rahmen für die Pilgerstätte Gößweinstein liefern. 1730 wurde der Grundstein gelegt. Die Weihe des imposanten Baus vollzog der Fürstbischof eigenhändig im Jahr 1739. Balthasar Neumann hatte mit einem Dreikonchenschluss der Ostpartie symbolisch den Bezug zum Dreifaltigkeits-Patrozinium hergestellt und die Architektur kulissenartig auf die Präsentation des Gnadenaltars ausgerichtet. Der imposante Bau mit Zweiturmfassade beherrscht seitdem das Ortsbild. Die Anlage einer weiten Terrasse mit Brüstungsmauer, Balustraden und Vasen (nach Entwurf von Neumanns Stellvertreter Johann J. M. Küchel) vor der Kirche sollte den Wallfahrergruppen zur Sammlung dienen. In den folgenden Jahren richteten die Kapuziner in Vilseck ein Hospiz ein.

Als am 5. August 1746 bei einem Großbrand 52 Häuser in Gößweinstein zerstört wurden, blieb das Kloster nahezu unversehrt. Neben der Wallfahrtskirche wurde 1747 von J. M. Küchel ein neuer Pfarrhof ? einer der stattlichsten in Franken ? errichtet. Hohen Besuchern der Gnadenstätte diente damals im ersten Stock ein mit Stuckaturen geschmücktes Fürstenzimmer als Aufenthaltsraum. Die Innenausstattung der Kirche kam erst 1768 zum Abschluss. Das Gnadenbild, eine Schnitzgruppe der Marienkrönung aus dem frühen 16. Jahrhundert, bekrönt seitdem den neuen, dreigeschossigen Hochaltar (ebenfalls nach Entwurf von Johann J. M. Küchel). Eine an den Chor angebaute Wachskammer nahm die Votivgaben der Gläubigen auf.

Während der Säkularisation wurde das Kloster nicht aufgehoben. Da es jedoch keine Novizen mehr aufnehmen durfte, reduzierte sich seine Mitgliederzahl mit der Zeit. Durch Beschluss der Regierung wurden die Gebäude 1828 dem Franziskanerorden übergeben, der das Kloster, die Bibliothek und alle Besitzungen übernahm und die Wallfahrt bis heute betreut. Noch in unseren Tagen symbolisiert Gößweinstein jene opulente volkstümliche Wallfahrtsfrömmigkeit, die auch in Franken die prächtigsten Barockkirchen entstehen ließ.

(Christine Riedl-Valder)



 

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