Traunstein


 

GESCHICHTE

 

Traunstein, Kapuziner – Tiroler Anfänge

 

 

 

Tiroler Kapuziner kamen spätestens seit 1627 jedes Jahr zur Aushilfe nach Traunstein und wohnten während ihres Aufenthalts in Privatunterkünften. Im Jahr 1684 erlaubte ihnen der bayerische Kurfürst Max. II. Emanuel (1679–1726), in der Stadt ein Hospiz zu gründen. Der Regent behielt sich jedoch das Recht vor, die Tiroler Kapuziner jederzeit durch bayerische Ordensmitglieder zu ersetzen. Die wohlwollende Aufnahme der Traunsteiner Bürger ermutigte die Kapuziner, Ende 1685 beim Kurfürsten um die Erlaubnis zum Bau eines Klosters anzufragen. Sie erhielten eine Abweisung und mussten Traunstein sogar verlassen. Das Hospiz wurde daraufhin von bayerischen Kapuzinern besetzt. Nach Auseinandersetzungen mit der Tiroler und der bayerischen Ordensprovinz gab der Kurfürst seine Einwilligung zur Errichtung einer Niederlassung bayerischer Kapuziner. Als großzügiger Stifter tat sich Franz Adam Freiherr von Ambsham, der kurfürstliche Regierungsrat von Burghausen, hervor. Er finanzierte den Baugrund, der westlich vor der Stadt lag, und einen Großteil der Aufwendungen für die Errichtung der Anlage. Die restlichen Kosten konnten durch Spenden aus der Bevölkerung gedeckt werden.

 

Die Ordensbaumeister Pater Hyazinth aus München und Bruder Theodor von Münchsdorf fertigten die Pläne für das Kloster und überwachten die Ausführung der Arbeiten. Am 14. September 1687 wurde durch den Augustinerabt von Baumburg der Grundstein gelegt, am 25. August 1690 konsekrierte der Salzburger Fürstbischof Ernst Graf von Thun die Klosterkirche zu Ehren der Hl. Dreifaltigkeit. Bei dem schlichten, tonnengewölbten Saalbau mit eingezogenem Mönchschor soll es sich um die größte Kirche aller bayerischen Niederlassungen des Ordens gehandelt haben. Für den Hochaltar lieferte der Würzburger Maler Oswald Onghers 1688 ein Gemälde der Hl. Dreifaltigkeit mit den drei Erzengeln geliefert. Die beiden Seitenaltäre erhielten das Patrozinium der Unbefleckten Empfängnis Mariä und des Ordensgründers Franz von Assisi; die Kapelle war dem hl. Antonius von Padua geweiht. Für letztere spendete der bekannte Münchner Hofmaler Georg Desmarées in späteren Jahren (1732/33) ein Altarbild. Erster Guardian des Klosters wurde Pater Honoratus von Erding. Er hatte zuvor schon das Hospiz geleitet.

 

Zum Lebensunterhalt der Kapuziner trugen die regelmäßigen Zuwendungen des Kurfürsten an Naturalien (wie Holz, Bier und Salz) und Geld bei, außerdem Spenden der Bürger, der umliegenden Pfarreien, Klöster und Herrschaften, bei denen die Patres ihre Dienste versahen. Neben den sonntäglichen Predigten in der Pfarrkirche lasen sie auch in der Salinenkapelle in der Au vormittags die Messe für alte und gebrechliche Personen. Nach den ersten drei Jahren vermeldete das Kloster bereits zehn Protestanten, die durch die Kapuziner zum katholischen Glauben zurückgefunden hatten.

 

Als Traunstein 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg zerstört wurde, blieb das Kloster unversehrt. Die Patres stellten deshalb ihre Kirche für die städtischen Gottesdienste zur Verfügung, bis 1707 die neue Pfarrkirche fertig gestellt war. 1747 feierte man die Heiligsprechung der beiden Kapuziner Fidelis von Sigmaringen und Joseph von Leonissa mit einer Reihe von Hochämtern. Die Zahl der Kommunikanten belief sich allein in den beiden Jahren 1746/47 auf über 50000 Gläubige. 1773/74 erfolgte eine Generalsanierung von Kloster und Kirche. Ein Tätigkeitsbericht, der 1788 auf staatliche Aufforderung erstellt werden musste, listet folgende Aktivitäten der Traunsteiner Kapuziner auf: die Messfeier in der Klosterkirche mit Beichthören in acht bis zehn Beichtstühlen an allen Sonn- und Feiertagen, Aushilfen beim Predigen und Beichthören in zwölf umliegenden Pfarreien sowie in der Pfarrkirche Trostberg während der Fastenzeit und an mehreren Feiertagen im Jahr und schließlich die Krankenseelsorge in der Stadt, in der Hofmark Au und den umliegenden Dörfern bei Tag und Nacht.

 

Im zweiten Koalitionskrieg gegen Napoleon besetzten am 11. Dezember 1800 französische Soldaten die Stadt. Sie benutzten die Kapuzinerkirche als Gefängnis für die gefangenen Österreicher und brachten ihre verwundeten Kameraden in das Kloster, damit sie dort versorgt werden. Schon in den ersten Jahren nach dem Regierungsantritt von Kurfürst Maximilian IV. Joseph (reg. 1799–1825) wurde die geplante Säkularisation der bayerischen Klöster in die Tat umgesetzt. 1802 hat man auch das Traunsteiner Kapuzinerkloster aufgehoben und den Mönchen das Predigen und Beichthören außerhalb ihres Gotteshauses verboten. Damals befanden sich noch 15 Patres, sechs Kleriker sowie vier Laienbrüder im Kloster. Die Anlage wurde zum Zentralkloster erklärt und musste den ebenfalls aufgelösten Erdinger Konvent und Kapuziner aus Rosenheim aufnehmen. 1805 erfolgte die endgültige Schließung des Traunsteiner Klosters. Die verbliebenen Mönche kamen nach Burghausen oder in eines der beiden Altöttinger Zentralklöster. Die Kirche wurde anschließend jahrzehntelang als Getreidespeicher genutzt; Teile der Klosteranlage wurden abgerissen. 1851 erwarb der Magistrat die Gebäude und richtete darin eine Mädchenschule der Englischen Fräulein und ein Heim für Kleinkinder ein.1895 zogen die Englischen Fräulein nach Sparz um. Heute ist von der ehemaligen Kapuzineranlage nur noch ein Flügel erhalten. Das Gotteshaus wird unter dem Namen „Kunstraum Klosterkirche“ als Konzertsaal und Ausstellungsraum für regionale Künstler genutzt.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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AUS DEM HDBG-MEDIENARCHIV
Ansicht des Kapuzinerklosters in Traunstein, Radierung (?), um 1890, Traunstein, Heimathaus.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte (Voithenberg, G.)

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