Donauwörth, Kapuzinerkloster


 

GESCHICHTE

 

Donauwörth, Kapuzinerkloster St. Joseph – Beliebte Prediger und aufopfernde Krankenpfleger

 

Laut Überlieferung kam am 17. Februar 1630 eine Gruppe Kapuzinermönche unter der Leitung von Pater Simon von Brixen in Donauwörth an, um hier eine Niederlassung ihres Ordens zu begründen. Nach Augsburg (1602) und Günzburg (1618) handelte es sich dabei um das dritte Standbein der Gemeinschaft in Bayerisch Schwaben. Die Patres fanden freundliche Aufnahme im Benediktinerkloster Hl. Kreuz. Prälat Balthasar übertrug ihnen das Predigtamt in der Klosterkirche, das Pater Simon während der gesamten Fastenzeit und darüber hinaus ausübte. Mönche wie Gläubige zollten ihm dafür große Anerkennung. Ein Adeliger, Johann Qualterius von Stingelheim, schloss sich den Kapuzinern an und erwies sich als großzügiger Spender. Noch im Sommer konnte man mit dem Klosterbau vor den Stadtmauern beginnen. Die Pläne dazu lieferte der Ordensbaumeister Angelus Enniensis, der sechs Jahre zuvor schon das Kapuzinerkloster Braunau errichtet hatte. Am 18. August 1630 erfolgte die Grundsteinlegung durch Fürstbischof Heinrich von Augsburg. In der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, der seit 1618 tobte, war die Fertigstellung der Anlage ein langwieriges Unterfangen. 1632 besetzten die schwedischen Truppen Donauwörth. In der Folgezeit gewann der protestantische Glaube in der Bevölkerung so starken Rückhalt, dass die Kapuziner am 28. Mai 1634 sogar der Stadt verwiesen wurden. Sechs Patres unter der Leitung von Anselm von Luzern zogen in das nahe gelegene Städtchen Rain. Drei Monate später konnten sie in ihr Kloster zurückkehren, nachdem die kaiserlichen Truppen Donauwörth eingenommen hatten. Nun wurde ihnen vorübergehend auch die Pfarrseelsorge übertragen. Am 27. Juli 1642 wurde die Klosterkirche zu Ehren des hl. Joseph durch den Augsburger Weihbischof Sebastian eingeweiht. Den Stifter des Klosters, Johann Qualterius von Stingelheim, der nun als Pater Franz im Orden wirkte, würdigte man, indem man sein Bildnis im Hochaltargemälde unterhalb der Darstellung der Jungfrau Maria einfügte. In der Folgezeit war das Kloster stets mit über 20 Mönchen besetzt. Zu ihren Aufgaben gehörten die Predigten und die sonntägliche Christenlehre für Kinder und Erwachsene in der Pfarrkirche, die Spende des Bußsakraments sowie Krankenbesuche in der Stadt und im Lazarett bei den Soldaten. Das Kloster gehörte bis 1668 der Tiroler Ordensprovinz an und wurde dann in die auf Wunsch von Kurfürst Ferdinand Maria (Regierungszeit 1651–1679) neu gegründete Bayerische Provinz eingegliedert.

Die Kapuziner in Donauwörth erfreuten sich vor allem als Prediger und Beichtväter großer Beliebtheit. Allein in der Zeit von 1668 bis 1725 sind eineinhalb Millionen Beichten und rund 600 Konversionen verzeichnet. Als 1703 eine schreckliche Seuche in der Stadt wütete, bewährten sich die Patres als aufopfernde Krankenpfleger und Sterbebegleiter. Ein Jahr später mussten die Kapuziner während der Auseinandersetzungen im Spanischen Erbfolgekrieg aus dem Kloster in die Stadt flüchten. Nach der Niederlage der Bayern und Franzosen in der Schlacht am Schellenberg am 2. Juli 1704 wurden Donauwörth und sein Umland schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die gesamte Vorstadt brannte ab; das Kapuzinerkloster wurde geplündert, jedoch von den Flammen verschont. Im Lauf des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Donauwörther Niederlassung zu einem großen Kloster, das stets mit rund 30 Mönchen besetzt war.

Aufgrund ihrer geringen Besitztümer hofften die Kapuziner der Säkularisation zu entgehen. Doch auch ihr Kloster wurde 1802 aufgehoben. Alle Patres, die im Orden verbleiben wollten, mussten in das Zentralkloster nach Türkheim übersiedeln. Guardian P. Irenaeus entschloss sich, als weltlicher Weltpriester in einer Pfarrei an der Tiroler Grenze weiterzuwirken. Zwei Patres wanderten in ein Kapuzinerkloster nach Ungarn aus. Für P. Fabian, dem Novizenmeister, der in Donauwörth als Kranken- und Beichtvater sehr beliebt war, stiftete ein Bürger den Unterhalt, sodass er weiter in der Stadt wirken konnte. P. Fabian zog in das leerstehende Deutsche Haus und übernahm die Messfeiern in der dortigen Kapelle. Die Antoniusbruderschaft, die in der Kapuzinerklosterkirche beheimatet war, musste in die Spitalkirche umziehen und von dort später in die Pfarrkirche. Kirche und Kloster wurden an Privatleute versteigert; der endgültige Abbruch des Gotteshauses erfolgte 1847. In den Klostergebäuden wurden ein Spital und ein Armenhaus untergebracht. 1846 zogen hier barmherzige Schwestern ein, die die Krankenpflege übernahmen. Ein Versuch der Bürgerschaft, in Donaustauf wieder Kapuziner anzusiedeln, scheiterte 1888. 1993 wurden in den neu renovierten Räumen des ehemaligen Kapuzinerklosters das Käthe-Kruse-Puppenmuseum und eine Gedenkstätte für den Komponisten Werner Egk untergebracht.

 

Christine Riedl-Valder

 

Link:

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