Burglengenfeld


 

GESCHICHTE

Das Kapuzinerkloster Burglengenfeld - Seelsorge auf dem Land

Im Zuge der von Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm (reg. 1614-1653) betriebenen Rekatholisierung erlangten in Pfalz-Neuburg die Kapuziner, neben den Jesuiten der wichtigste Orden der Gegenreformation, große Bedeutung. Auch Pfalzgraf Philipp Wilhelm (reg. 1653-1690) und Kurfürst Johann Wilhelm (reg. 1690-1716) förderten den Bettel- und Reformorden, der sich durch sein soziales Engagement außerordentlicher Beliebtheit bei der Bevölkerung erfreute. 1702 suchten Bürgermeister und Rat der Stadt Burglengenfeld bei der kurfürstlichen Regierung um die Genehmigung nach, ein Kapuziner- Hospiz errichten zu dürfen. 1704 begann man mit dem Bau der Klostergebäude. Am 3. Mai 1706 bezogen zunächst zwei Mönche und ein Laienbruder die kleine Anlage. Eine schlichte Klosterkirche, dem hl. Antonius von Padua geweiht, entstand 1727. Im Jahr 1766 erweiterte man die Niederlassung um ein Brauhaus und eine - heute noch bestehende - Klosterschenke, die von wirtschaftlicher Kraft zeugen. Der Personalstand des Klosters umfasste in seiner Blütezeit sechzehn Patres und neun Fratres.
Als volksnahe Prediger hatten die Kapuziner großen Zulauf; aufgrund der Klagen des Stadtpfarrers sah sich das bischöfliche Ordinariat in Regensburg sogar gezwungen, die "Privatmessen" in der Klosterkirche während der Pfarrgottesdienste zu untersagen. Den Bedürfnissen des Volkes wussten die Mönche auch in der intensiven Förderung von geistlichen Schauspielen und Bußprozessionen zu genügen. Als Mittel religiöser Massenunterweisung dienten szenische Ölbergandachten und Passionskomödien, die sie - gegen aufgeklärte Kritik - bis 1784 zur Aufführung brachten. Eine wichtige Rolle nahm das Kloster auch bei der Krankenpflege und Altersfürsorge ein.
Die Entscheidung über die Säkularisierung der bayerischen Kapuzinerklöster fiel im Februar 1802. In Burglengenfeld trafen im April die Mitbrüder der aufgehobenen Niederlassungen von Parkstein und Weiden ein, im August folgten die Klosterinsassen aus Sulzbach und Vohenstrauß. Nachdem es einige Zeit danach ausgesehen hatte, als sollte Burglengenfeld als Zentralkloster erhalten bleiben, erfolgte am 27. Dezember 1802 die Auflösung. Die ehemaligen Konventualen kamen großteils nach Altötting in das inzwischen geräumte Franziskanerkloster.
Der Klosterkomplex ging in staatlichen bzw. städtischen Besitz über. Im Konventbau wurde das königliche Rentamt untergebracht. Das Brauhaus beherbergte im 19. Jahrhundert die Feiertags- und Mädchenschule, später eine Ledermanufaktur und nach dem Zweiten Weltkrieg für einige Jahre eine Brillenfabrik. 
Die Klosterkirche fand zunächst als Salzstadel Verwendung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie zum Feuerwehrgerätehaus. 1955 erwarb die evangelische Gemeinde das Gebäude, das seit 1959 wieder als Gotteshaus (Christuskirche) dient. 

( Manfred Knedlik)



 

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