Walchensee, "Klösterl"


 

GESCHICHTE

Kochel am See, St. Anna-Klösterl am Walchensee – idyllischer Sitz einer Einsiedelei

 

Wolfgang Holzer (Frater Onuphrius) aus Warngau in Oberbayern errichtete 1688 auf der Halbinsel Zwergern am Walchensee mit Unterstützung der bayerischen Kurfürstin Maria Antonia von Österreich, der Tochter Kaiser Leopolds I., eine Tertiärgemeinschaft der Unbeschuhten Karmeliten, die er sechs Jahre später in ein Kloster der Hieronymiten umwandelte. Dieser Orden der „armen Eremiten des hl. Hieronymus von der Kongregation des hl. Petrus von Pisa“ war 1377 von dem Pisaner Pietro Gambacorti auf dem Berg Montebello in Umbrien gegründet worden. Die Mönche trugen einen schwarzen, mit Gürtel und Kapuze versehenen Habit und als Kopfbedeckung ein Birett. Sie befolgten eine strenge, an der Augustinerregel, den Bettelorden und den Schriften des hl. Hieronymus orientierte Lebensführung.

Die Kurfürstin ließ für sie 1686 eine Einsiedelei mit Kapelle zwischen den Siedlungen Walchensee und Zwergern an einsamer Stelle unterhalb des Katzenkopfs errichten. Das Grundstück hatte Propst Bernardus vom Schlehdorfer Augustiner-Chorherrenstift zur Verfügung gestellt. Es lag im strittigen Grenzgebiet der Benediktbeurer und Schlehdorfer Besitzungen am südlichen Seeufer. Im Jahr 1687 erhielt Frater Onuphrius die Genehmigung des Kurfürsten zunächst für die Ansiedlung von vier Klausnern. 1698 wurde die Klosterkirche zu Ehren der hl. Anna geweiht. Das benachbarte Kloster Benediktbeuern duldete die Neuansiedlung der „Waldbrüder“ nur aufgrund der Fürsprache der Kurfürstin.

Die religiöse Gemeinschaft am Walchensee nahm rasch Aufschwung. 1690 lebten bereits neun Brüder im Kloster. In der Folgezeit kam es jedoch immer wieder zu Auseinandersetzungen wegen der Fisch- und Jagdrechte und sogar zu einem „Bierkrieg“. Nachdem die Eremiten selbst eine Brauerei in Betrieb genommen hatten, beklagte sich der Walchenseer Gastwirt über erhebliche Umsatzrückgänge. Die Hieronymiten hielten sich nicht an die ihnen auferlegte Beschränkung hinsichtlich der Mitglieder ihres Klosters. 1694 lebten bereits 14 Klausner am Walchensee. Der Abt von Benediktbeuern erreichte durch seine Beschwerden, dass die Zahl der Brüder auf sechs festgelegt wurde. Pater Onuphrius versuchte dies durch Tochtergründungen zu erreichen. Die Widerstände dagegen waren jedoch groß; es gelang nur die Einrichtung einer Filiale 1697 im niederösterreichischen Schönbach. 1699 lebten immer noch zehn Brüder im Kloster. Zeitweise wurde von Rom sogar das Interdikt über die Gemeinschaft verhängt. Erst 1713 genehmigte der Vatikan schließlich die Einrichtung. Daraufhin entschloss man sich im Kloster Benediktbeuern, in der Nachbarschaft selbst eine religiöse Gemeinschaft anzusiedeln. Aufgrund dieser beständigen Streitigkeiten nahmen die Hieronymiten 1725 die Einladung an, nach München in das Kloster St. Anna im Lehel zu übersiedeln und ihren Sitz am Walchensee aufzugeben. Ihre Anlage fiel an die Abtei Benediktbeuern, die hier einige Patres zur Seelsorge ansiedelte. Die Kapelle wurde von dem Barockbaumeister Johann Michael Fischer umgebaut und in barocker Formensprache ausgeschmückt. Im ehemaligen Klösterl wurde ein Wirtshaus eingerichtet.

Mit der Säkularisation kam das Anwesen in die Verwaltung des bayerischen Staates. Es diente bis in die 1960er-Jahre als Wohnhaus für die Pfarrer und Lehrer von Walchensee. Als erster Geistlicher zog hier der letzte Prior von Benediktbeuern ein. Er wirkte gleichzeitig als Lehrer in der im Klösterl eingerichteten Schule. 1979 erwarb die Diözese Augsburg das Haus, ließ es restaurieren und nutzt es seitdem als Jugendbegegnungsstätte.

Christine Riedl-Valder

 

Link

http://www.bistum-augsburg.de/index.php/bistum/Jugend/Jugendhaeuser/Jugendhaus-Kloesterl-Walchensee/Geschichte



 

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