Osterhofen


 

GESCHICHTE

Osterhofen – barocker Ausdruck himmlischer Herrlichkeit

Der Bayernherzog Heinrich-Hezilo (gest. 1026) gründete zwischen 1004 und 1009, auf Betreiben seiner Gemahlin Luitgard, in Osterhofen an der Stelle der bestehenden Königspfalz ein Chorherrenstift. Das kinderlose Herzogspaar wollte „Jesus Christus zum Erben“ einsetzen und sorgte für eine reiche Dotierung seiner Gründung. Kaiser Heinrich II. unterstellte Osterhofen – wie viele andere Klöster und Besitzungen in Bayern und Österreich – seiner bevorzugten Gründung, dem Bistum Bamberg. Der reformfreudige Bischof Otto der Heilige von Bamberg wandelte 1138 das Chorherrenstift Osterhofen in ein geistliches Institut von strengerer Ordnung um. Er berief mit Genehmigung von Papst Innozenz II. Vertreter des kurz zuvor von Norbert von Xanten gegründeten Ordens der Prämonstratenser aus Ursberg nach Osterhofen. Im Gegensatz zu den Mönchen der älteren Orden, wie den Benediktinern im nahen Metten und Niederaltaich, den Zisterziensern in Aldersbach und Fürstenfeld, die sich ursprünglich nur dem Gebet, dem Gottesdienst und dem Studium widmeten, verpflichteten sich die Prämonstratenser, wie auch die nahe verwandten Augustinerchorherren, zur Seelsorge und zu karitativen Aufgaben. Deshalb wurden sie von den reformbewussten Bischöfen gern in ihre Diözesen gerufen.

Im Jahr 1195 wurde die Stiftskirche St. Margaretha neu geweiht. 1198 ist auch ein Frauenstift urkundlich erwähnt. Die Schwestern waren vermutlich an dem mit dem Stift verbundenen Spital tätig. Über das weitere Schicksal des Frauenkonvents ist jedoch nichts bekannt. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde Osterhofen durch Kriegsgeschehen verwüstet. 1288 erlebte das Kloster die Erhebung zur Abtei. In dieser Zeit entstanden unter Abt Ulrich von Holzheim (reg. 1288–1324) die „Annales Osterhovienses“, ein wichtiges Geschichtswerk an der Wende zum 14. Jahrhundert. Durch Erbfolge gelangte das Stift 1375 an den Landgrafen Johann I. von Leuchtenberg. Dieser verlegte den Markt vom Kloster weg und gründete die heutige Stadt Osterhofen. Seither trägt der Ort um das Kloster den Namen „Altenmarkt“.

Nachdem Osterhofen im 15. Jahrhundert mehrere bedeutende Äbte hervorgebracht hatte, folgte ein Zeit des Niedergangs, mit einem großen Brand im Jahre 1512 und dem Übertritt des Abts Wolfgang Scharfnickel zum Luthertum 1537. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts war die Krise überwunden; Abt Michael Vögle (reg. 1593–1604) organisierte zusammen mit seinem Bruder, dem Abt Andreas von Windsberg, die Ordensreform der Prämonstratenser in Bayern.

Im Jahr 1701 verwüstete wiederum ein Brand Konventgebäude und Stiftskirche. Der daraufhin errichtete geräumige Neubau des Konvents in schlichten Formen wurde unter Abt Joseph Mari (reg. 1717–1727) vollendet. Sein Nachfolger, Abt Paulus Wieninger (reg. 1727–1764), ließ die romanische Kirche größtenteils abreißen und setzte den heutigen prunkvollen Sakralbau an ihre Stelle. Er ist ein Gemeinschaftswerk führender Barockkünstler Süddeutschlands: Es wirkten zusammen der Baumeister Johann Michael Fischer und die Brüder Asam, der Freskant Cosmas Damian und der Stukkateur Egid Quirin, die hier einige ihrer Meisterwerke schufen. Zur prägnanten Raumbildung trägt vor allem auch die Stuckdekoration bei, die den Werkstoff in freiester plastischer Entfaltung vorführt. Reiche Vergoldung, kräftige Farbakzente, „ein aus Licht, Plastik und Farbe gebautes Bild“ (Peter B. Steiner) sollten den Gläubigen ein vielschichtiges, anspruchsvolles theologisches Programm vermitteln: die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen und Heiligen, als Reich Gottes, das sich im Himmel vollendet.

Das Gotteshaus wurde 1740 geweiht. Durch den aufwändigen Kirchenbau war die Abtei jedoch in Schulden geraten. Der geplante Ausbau des mittelalterlichen Turmpaares kam nicht mehr zustande. 1769 wurde dem Stift die Aufnahme von Novizen verboten. In jener Zeit bemühte sich der Abt vergeblich, von den übrigen Konventen des Ordens finanzielle Hilfe zu erhalten. Die kurfürstliche Regierung nahm 1783 die finanzielle Notlage von Osterhofen zum Vorwand für seine Aufhebung. Zuvor schon hatte sich Maria Anna Sophia, die Witwe des letzten altbayerischen Kurfürsten Maximilian III. Josef, beim Papst um die Aufhebung der Abtei bemüht, um sie dem Vermögen von dem von ihr gegründeten Münchner Damenstift St. Anna einverleiben zu können. Denn das für Witwen und unverheiratete Damen des bayerischen Adels geschaffene St.-Anna-Damenstift finanzierte sich aus Gütern und Renten aufgehobener Klöster. Die Konventualen von Osterhofen wohnten indes weiterhin im Stift. Es erhielt freilich die Bezeichnung „Damenstift“, obwohl die Kanonissen nie dort einzogen. Der Güterkomplex blieb zwar vereinigt, doch die Bibliotheks- und Archivbestände wurden zum größten Teil verschleudert. 1818 erfolgte die Übergabe der Stiftskirche an die Pfarrei. Die eigentliche Klosteranlage stand leer und verfiel zunehmend. 1835 verkaufte das Münchner Damenstift den Besitz an den Staat. Graf Preysing von Moos rettete die Gebäude vor dem Abbruch, indem er sie käuflich erwarb.

Auf Betreiben des Bischofs von Passau, Heinrich v. Hofstaetter, erwarben 1858 die Englische Fräulein von Altötting (siehe Altötting, St. Joseph) die verwahrlosten Konventgebäude. Sechs Schwestern zogen hier ein, renovierten die Räume und eröffneten mit zwölf Schülerinnen eine „Lehr- und Erziehungsanstalt“. Damit begann eine neue Blüte klösterlichen Lebens in Osterhofen. In der Nachfolge ihrer Gründerin Maria Ward engagierten sich die Schwestern in der Folgezeit in der Erziehung der weiblichen Jugend und in der örtlichen Pfarrgemeinde. 1859 lebten bereits 16 Ordensmitglieder und 6 Kandidatinnen im Damenstift. Die erste Oberin, Sr. Nepomucena Wiesflecker, durfte ihr Haus ab 1860 selbständig vertreten. 1907 unterrichteten 20 Schwestern an der „Höheren Töchterschule“, die später in ein Lyzeum umgewandelt wurde. Im folgenden Jahr eröffnete eine Haushaltungsschule ihre Pforten; 1914 eine dreiklassige Mittelschule, die später vierklassig und schließlich sechsstufig ausgebaut wurde. Sr. Wenefried Reiser, die dem Damenstift 35 Jahre lang vorstand, wurde 1917 verabschiedet und erhielt für ihr Lebenswerk von Prinzregent Luitpold das silberne Verdienstkreuz des hl. Michael.

Im Dritten Reich mussten die Klosterschulen aufgelöst werden. Die Räume wurden als Herberge im Rahmen der Kinderlandverschickung beschlagnahmt; ab April 1945 bis 1951 war hier erst ein Hilfslazarett, dann ein Krankenhaus eingerichtet. Die Englischen Fräulein betrieben in dieser Zeit weiter ihre Landwirtschaft und leisteten Hilfsarbeiten für die Wehrmacht, im Krankenhaus und in der Pfarrei. Im renovierten Westflügel starteten 1951 eine landwirtschaftliche Haushaltungsschule und ein Grundausbildungslehrgang den Unterricht. Zum 100-jährigen Bestehen 1958 zählte das Damenstift über 60 Schwestern. Noch in den 1970-er Jahren lebten rund 50 Nonnen im Stift. Ihre wirtschaftliche Grundlage bildeten der Ökonomiebetrieb, eine Hostienbäckerei, ein Kindergarten sowie ein Internat und zwei Mädchenschulen – eine Realschule und eine Berufsfachschule für Hauswirtschaft mit insgesamt zirka 300 Schülerinnen. Aufgrund des Nachwuchsmangels musste in der Folgezeit eine Reihe von Einrichtungen aufgegeben werden. 1998 umfasste der Konvent noch 38 Mitglieder. Die Realschule ging im Jahr 2000 in die Trägerschaft einer Schulstiftung über. 2008 verfügte sie über 18 Klassen mit insgesamt 480 Schülerinnen. 2014 hatte sich die Schwesternschaft unter Oberin Gratia Hallhuber auf acht Mitglieder reduziert. Daher verfügte die Provinzleitung der Congregatio Jesu in München die Schließung des Damenstifts zum 1. Juni 2015. Im Januar 2016 ging die Klosteranlage in Privatbesitz über.
(Christine Riedl-Valder)

Literatur:
Backmund, Norbert: Die Chorherrenorden und ihre Stifte in Bayern, Passau 1966, S. 177–180
Stadlthanner, Helmut: Basilika Osterhofen, Regensburg, 9. Auflage 1980 (Kleine Kunstführer Schnell&Steiner 291).
Steiner, Peter B.: Basilika Osterhofen, Regensburg, 20. Auflage 1994 (Kleine Kunstführer Schnell&Steiner 291).
http://www.realschuledamenstift.de/aktuelles/neuer-eigentuemer.html (abgerufen am 17.02.2016)

https://regiowiki.pnp.de/index.php/Kloster_und_Schule_Damenstift_Altenmarkt (abgerufen am 17.02.2016)



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Votivbild: Schutzmantelmadonna über dem Kloster Osterhofen, Ölgemälde, 1742, Osterhofen, ehem. Prämonstratenserkl./Frauenkapelle
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg)

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