Nördlingen, Franziskaner-Terziarinnen


 

GESCHICHTE

 

Nördlingen, Franziskaner-Terziarinnen

 

 

 

Fromme Schwestern, die nach der Dritten Regel des hl. Franziskus lebten, werden in Nördlingen erstmals 1243 erwähnt, als sie den Barfüßern (Franziskanern) in der Stadt ein Haus überschrieben. Wann und durch wen ihre Gründung erfolgte, ist jedoch nicht bekannt. Es handelte sich um eine Gruppe von rund 15 Frauen, die graue Kleidung trugen und einer Meisterin aus ihrer Mitte Gehorsam schuldig waren. Ein keuscher Lebenswandel war Voraussetzung; Gebetszeiten und Besitzverhältnisse unterlagen keinen Vorschriften. Die Frauen konnten die Gemeinschaft jederzeit wieder verlassen. Sie hatten Einnahmen aus der Krankenpflege und Betreuung der Sterbenden, der Teilnahme an Totenmessen und dem Kerzenverkauf. Die Seelsorge der Terziarinnen übernahmen die Barfüßer (siehe dort), was jedoch zu Streitigkeiten mit dem Stadtpfarrer führte. Zwischen den beiden religiösen Gemeinschaften bestand eine enge Zusammenarbeit. Das Gemeinschaftshaus für die Schwestern wurde erst 1350 durch Propst Übel von Ohrdruf (Thüringen), einen gebürtigen Nördlinger, gestiftet. Das Haus befand sich in der Nonnengasse neben dem Minoritenkloster. Die „Seelnonnen“, wie sie auch genannt wurden, vollbrachten viele gute Werke im Dienst an den Mitbürgern. Zum Beispiel verpflichtete sich die Schwester Anna Bergerin im Jahr 1494 mit Kleidern, Schuhen und Bargeld für einen Knaben zu sorgen, der in das Barfüßerkloster aufgenommen werden sollte.

 

Die Aufhebung des Schwesternhauses erfolgte 1536, nachdem die Nördlinger Bürger unter dem Einfluss der Reformation mehrheitlich den evangelischen Glauben angenommen hatten. In ihrem ehemaligen Anwesen wurde 1715 ein Waisen- und Arbeitshaus eingerichtet. An der Stelle des Terziarinnenhauses, das 1876 bereits abgebrochen war, befindet sich heute ein Teil des Amtsgerichts.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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