Niederschönenfeld


 

GESCHICHTE

 

Niederschönenfeld, Zisterzienserinnenkloster – ein reiches Stift für adelige Damen

 

 

 

Das Kloster wurde von Graf Berthold III. von Lechsgemünd-Graisbach und seiner Frau Adelheid von Zypern gestiftet und mit Beginen – Frauen, die ohne Gelübde in christlicher Hausgemeinschaft zusammenlebten – aus Burgheim (Oberbayern) besetzt. Der Legende zufolge sühnte der Graf mit diesem Werk den Raub seiner späteren Frau Adelheid, einer Tochter des zypriotischen Königs Veit von Lusignan, die er auf einem Kreuzzug entführt hatte. In einer Traumerscheinung soll die Gottesmutter dem Grafen den Ort seiner Gründung im „schoenenveldt“, gegenüber seiner Burg, angezeigt haben. Der Augsburger Bischof Siboto bestätigte 1241 die Vogtfreiheit und exemte Stellung des Klosters. Erst 1254 erfolgte dann die Anerkennung durch Papst Innozenz IV. und die Aufnahme in den Zisterzienserorden. Das Kloster unterstand dem Abt des zugehörigen Zisterziensermännerklosters Kaisheim bei Donauwörth. Er leitete die Wahl der Äbtissinnen und führte die Rechtsprechung, Benediktionen, Visitationen und die Seelsorge aus. Die Gemeinschaft stand, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ausschließlich Frauen aus Adelskreisen offen.

 

Der Grundbesitz wurde durch Schenkungen beständig erweitert. 1342 kam Niederschönenfeld mit der Grafschaft Graisbach, auf dessen Gebiet es lag, an Bayern. Unter seinem Gönner Kaiser Ludwig dem Bayern (1282/eher 1286–1347) nahm das Kloster großen Aufschwung. 150 Jahre nach seiner Gründung lebten hier rund 100 Nonnen. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts gehörte es neben Kaisheim, Tegernsee und Benediktbeuern zu den reichsten Klöstern in Bayern. Sein umfangreicher Landbesitz wurde durch Tagelöhner aus dem benachbarten Ort Feldheim bewirtschaftet. Ab dem 15. Jahrhundert verzeichnete die Niederlassung jedoch empfindliche Einbußen infolge der langwierigen Fehden der Wittelsbacher. Unter der Äbtissin Martha Marschallin von Donnersberg (1445–1464) erhielt die romanische Pfeilerbasilika einen gotischen Polygonalchor und die Seitenschiffe wurden nach Osten verlängert. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es einschneidende Reformen. Danach galt die klösterliche Disziplin der Nonnen als so vorbildlich, dass sie mehrfach als Äbtissinnen in andere Häuser abberufen wurden, um dort für die strenge Beachtung der Ordensregeln zu sorgen (Frauenchiemsee 1565, Oberschönenfeld 1573, Landshut-Seligenthal 1574).

 

Schwere Schäden an allen Gebäuden und Besitzungen verursachten die Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg. 1631 verschanzten sich Herzog Maximilian von Bayern und sein Feldmarschall Tilly im Bereich des Klosters am unteren Lechrain. Im April 1632 musste der Konvent während der Schlacht bei Rain vor den Schweden nach Raitenhaslach flüchten. Erst zwei Jahre später, 1634, kehrten die Nonnen in ihr Kloster zurück. Als die feindlichen Truppen ein Jahr später erneut anrückten, löste sich der Konvent auf. Unter der Äbtissin M. Euphemia Vatiga von Kronburg, die in der langen Zeitspanne von 1657 bis 1702 amtierte, wurde das Kloster mit Unterstützung des bayerischen Kurfürsten wieder aufgebaut. Das erforderliche Geld stammte aus Almosen, die aus ganz Bayern kamen, sowie Zuwendungen des kurfürstlichen Hauses. Ab 1658 erfolgte in vierjähriger Bauzeit unter der Leitung des Münchner Meisters Constantin Pader (um 1610–1681) die Neugestaltung der Klosterkirche in ihrer heutigen Form. Die alte Bausubstanz wurde einbezogen. Die Stuckdekoration, ebenfalls von Constantin Pader geschaffen, stellt in ihrer Farbgebung in Blau, Gelb und Weiß, die sich im Stifterwappen am Choreingang rechts wiederholt, eine Besonderheit dar. Pader lieferte auch die Pläne für die restlichen Gebäude. Bis 1674 entstand eine zweigeschossige Dreiflügelanlage, die zusammen mit dem Gotteshaus einen Kreuzhof umschließt.

 

Einen großen Einschnitt im Klosterleben sollte das Wunder bewirken, das man 1646 verzeichnet hatte. Als die Nonnen vor den anrückenden Feinden fliehen mussten, versteckte die Laienschwester Eva ihr Zellenkreuz in der Klosterküche und zündete davor ein Öllicht in einer Eierschale an. Nach dem Abzug der Truppen fand sie in den Trümmern das Kreuz und das noch immer brennende Licht unversehrt vor. Gleich darauf entwickelte sich daraus eine Wallfahrt, deren Mirakelbücher in der Folgezeit mehr als 2000 unerklärliche Heilungen vermerken. Die für den Pilgerstrom von Constantin Pader im Westflügel der Anlage über der Wunderstätte errichtete Gnadenkapelle Hl. Kreuz war nach dreijähriger Bauzeit 1562 fertig gestellt. Sie bildet eine eigenwillige Zentralraumvariante in einer achteckigen Halle mit umlaufenden Nonnenemporen. Decken und Wände wurden mit aufwändigen Dekorationen aus Stuck, Stuckfiguren und Fresken verziert. In dem 1663 von Maximilian Graf von Dietrichstein gestifteten Hochaltar befand sich die verehrte Kreuzreliquie (heute in der ehemaligen Klosterkirche). Eine einläufige Außentreppe nach dem Vorbild der Scala Santa im römischen Lateranpalast wurde ihr um das Jahr 1700 angefügt. Der Kupferstich von Michael Wening (siehe Abbildung) zeigt die Klosteranlage um 1700, jedoch als Idealplan mit einem zweiten Klosterhof, der nie ausgeführt wurde.

 

In den Kriegen des 18. Jahrhunderts musste das Kloster oft hohe Kontributionen an die durchziehenden Armeen bezahlen. Im Österreichischen Erbfolgekrieg nach der Besetzung Bayerns durch die Österreicher wurde im Vertrag von Niederschönenfeld am 27. Juni 1743 der Abzug der Armee Kaiser Karl Albrechts besiegelt. Während der darauffolgenden zweijährigen Herrschaft der Österreicher musste das Kloster erneut Abgaben leisten. 1792 quartierten sich die Franzosen während der napoleonischen Kriege im Kloster ein. Im März 1803 erfolgte dann im Zuge der Säkularisation die Auflösung des Klosters durch den kurfürstlichen Stadtschreiber in Rain, Carron du Val. Die Nonnen erhielten Wohnrecht auf Lebenszeit und eine Pension. Der gesamte Besitz fiel dem Staat zu. Die Klosterkirche sollte 1814 abgerissen werden, wurde jedoch 1828 der Pfarrei Feldheim eingegliedert und ist seit 1834 eine eigenständige Seelsorgeeinrichtung. Bis 1825 hatte das Rentamt Rain seinen Sitz in den Klostergebäuden. Die Ländereien wurden von ansässigen Bauern erworben. Ein 1842 von König Ludwig I. unternommener Versuch, das Kloster wiederzuerrichten, blieb erfolglos. 1849 wurde die Anlage zu einer Strafanstalt umgebaut. Um 1900 hat man einen T-förmigen Ergänzungsbau angegliedert und Ende des 20. Jahrhunderts den Westflügel durch einen Anbau verlängert. Hier verbüßten nach 1919 prominente Verurteilte der Münchner Räterevolution ihre Haftstrafen, wie Erich Mühsam, Ernst Toller und Ernst Niekisch. Seit 1990 ist Niederschönenfeld Justizvollzugsanstalt für straffällige junge Erwachsene. Die Gnadenkapelle Hl. Kreuz gehört zum Komplex der Justizvollzugsanstalt und ist nur am Kreuzfest (2. Sonntag im September), an dem noch heute viele Wallfahrer nach Niederschönenfeld kommen, öffentlich zugänglich. In der ehemaligen Klosterkirche erinnern viele Grabsteine an die Äbtissinnen von Niederschönenfeld. Eine Gedenksäule, die aus dem 17. Jahrhundert stammt und dem Stifter Graf Berchthold III. gewidmet ist, befindet sich auf dem Friedhof.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Wening, Michael, Ansicht des ehem. Zisterzienserinnenklosters Niederschönenfeld, Kupferstich, 1701, Rain am Lech, Heimatmuseum.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg)

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