Neustadt a.d. Saale


 

GESCHICHTE

Mönchische Bescheidenheit ? die Karmeliten in Neustadt

In Bad Neustadt an der Fränkischen Saale findet sich ein ehemaliges Karmelitenkloster, das heute wohl nur noch wegen einer Brauerei gleichen Namens ein Begriff sein dürfte. 1348 hatte die Pest in Neustadt so heftig gewütet, dass die Bürger in ihrer Not aus Würzburg Beschuhte Karmeliten in den Ort riefen. Die Inschrift einer Glocke aus dem Jahr 1352 erinnert daran: ?Die erber burger ... zv newstadt hoven gestift der reinen Magd diss gotteshavs?. Noch im gleichen Jahr bestätigte der Würzburger Bischof Albrecht II. von Hohenlohe (reg. 1345?1372) die Gründung des Klosters in Neustadt.

1367 erhielten die Mönche die jenseits der Stadtmauern gelegene Nikolauskapelle mit dem Alten Spital zum Geschenk. Im Jahr darauf wurde für das neue Kloster ein eigener Terminierbezirk bestimmt. Trotz aller Anstrengungen hatten die Karmeliten Mühe, sich mit dem Kloster zwischen 13 ältere Bürgerhäuser ?hineinzuzwängen?, was sich in manchen Unregelmäßigkeiten und Zugeständnissen der Bauausführung bis heute erkennbar niedergeschlagen hat.

Im ausgehenden Mittelalter werden Kloster und Kirche in den Quellen meist nur als ?arm Gotteshäuslein? oder als ?armselig? charakterisiert. Gleichwohl erlangten die Karmeliten als Seelsorger in Neustadt bald großes Ansehen und verfügten zuletzt über einen weiten Bettelbezirk. In der Gegenreformation unterstützten die Mönche die Bemühungen der Würzburger Fürstbischöfe um Rückgewinnung der Protestanten. Dies schlug sich in mancher Stiftung nieder. Nach 1648 schlossen sich die Neustädter Karmeliten der Reform von Tourain an. Ungeachtet dessen wurde das Kloster 1803 aufgehoben. Seine zwischen 1693 und 1700 errichteten Baulichkeiten dienen inzwischen als Amtsgericht. In den weitverzweigten, tiefen Klosterkellern lagert eine Brauerei ihr Bier.

Wichtigster Zeuge des vormaligen Klosters ist die den Apostelfürsten SS. Petrus und Paulus geweihte Kirche. Der schlichte Bau folgt dem Typus der Bettelordenskirchen der Mitte des 14. Jahrhunderts. Über irregulärem Grundriss errichtet, weist er einen Saal mit rippengewölbtem Seitenschiff auf der Nordseite auf. Nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte auch im Neustädter Karmelitenkloster ein bescheidener Wohlstand ein, der sich vorzugsweise in großzügigen Schenkungen für die Kirche niederschlug. Die Kassettendecke beispielsweise stiftete 1680 der Würzburger Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach (reg. 1675?1683). Den prachtvollen Hochaltar finanzierte ein Legat des Ratsherrn Jonas Höpfner von 1660, der aus stilistischen Erwägungen heraus allerdings erst um 1720, möglicherweise von dem Bildhauer Benedikt Lux, geschaffen worden sein dürfte. Ein Hauptwerk der Schnitzkunst des Rokoko um 1750 in Unterfranken ist zweifelsohne die Kanzel, die jener des Johann Joseph Keßler für das Augustinerkloster in Münnerstadt sehr nahe steht. Bemerkenswert an der Kirche ist, dass keines der herausragenden, verschiedenen Stilstufen angehörenden Einzelstücke der Ausstattung aus dem Gesamteindruck hervorsticht. Eine tonige Farbfassung bindet die Details zu einer ernsten, einer Bettelordenskirche angemessenen Erscheinung zusammen.

Erich Schneider



 

SUCHE

LAGE IN BAYERN
Kartenausschnitt in Google Maps anzeigen