München, St. Maximilian


 

GESCHICHTE

St. Maximilian, München ? professionelle Krankenpflege

 

 

Auf Veranlassung von Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern und seinem Bruder Graf Max Emanuel von Perusa wurden die Barmherzigen Brüder im Jahr 1750 in das vor dem Sendlinger Tor gelegene Lazarett berufen. Die Brüder kamen aus dem Kloster in Neuburg (Diözese Augsburg), das als erste Niederlassung dieses Ordens in Deutschland 1622 gegründet worden war. Während die Patres zur Pflege der männlichen Kranken bestimmt waren, sollten die benachbarten Elisabethinerinnen, die im selben Zeitraum hier ansässig wurden, ein Frauenspital führen (siehe Elisabethinerinnen, München). Die österreichische Ordensprovinz, zu der das neue Münchner Kloster anfangs gehörte, steuerte einen ansehnlichen Betrag zum Klosterbau bei. Von 1752 bis 1754 entstand vor dem Sendlinger Tor in der heutigen Ziemssenstraße das Spital der Barmherzigen Brüder; die zugehörige Klosterkirche folgte ab 1764. Sie wurde 1772 zu Ehren des Kurfürsten dem hl. Maximilian geweiht. In Größe, Raumanordnung und Ausstattung war sie vergleichbar der Elisabethkirche beim Frauenspital. Sie besaß eine reiche Ausstattung, die hervorragende Rokokokünstler fertigten, Kanzel und Altäre stammen von Ignaz Günther (heute zum Teil im Bayerischen Nationalmuseum), die Fresken schuf Matthäus Günther.

 

Der Krankenpflegeorden der Barmherzigen Brüder, 1540 in Granada vom hl. Johannes von Gott gegründet, erlangte im Lauf der Zeit große Bedeutung. Er verfügte über eigene Mediziner und Medizinstudenten und schuf die ersten Ausbildungsstätten für Krankenpfleger mit zweijährigen Kursen. 1781 wurde die Münchner Niederlassung auch Sitz der neu gegründeten deutschen Ordensprovinz des hl. Karl Borromäus, zu der die Klöster Neuburg, München, Münster, Deidesheim, Bruchsal, Mannheim, Breslau und Pilchowitz gehörten. Die Ausbildung der bayerischen Brüder erfolgte bis 1785 in Prag und Wien, später dann in München, wo man ein ?anatomisches Theater? errichtete. Mit weiteren Baumaßnahmen (1786 Rekonvaleszententrakt, 1794 zwei weitere Flügel) wurde das Münchner Spital die bedeutendste Wohlfahrtseinrichtung in Bayern. Als der Orden jedoch 1790 mit einem Sammlungsverbot belegt wurde, gingen die Einnahmen drastisch zurück. Das Spital konnte in der Folge nur noch zu einem Drittel genutzt werden. Anfang des 19. Jahrhunderts gehörten 22 Brüder und drei Novizen zum Konvent.

 

1809 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Nach der Zusammenlegung mit dem Spital der Elisabethinerinnen erfolgte die Errichtung eines ?Allgemeinen Krankenhauses? mit weltlichem Personal. Nikolaus Schedel von Greifenstein, der den Bau damals plante, bezog die vorhandenen Klostermauern teilweise in den neuen Bau ein. Die restlichen Klostergebäude und die Kirche wurden abgebrochen, die Ausstattung versteigert.

 

Christine Riedl-Valder



 

SUCHE

LAGE IN BAYERN
Kartenausschnitt in Google Maps anzeigen