München, Englische Fräulein


 

GESCHICHTE
München ? die Keimzelle der Englischen Fräulein in Bayern

 

 

Die ?Englischen Fräulein? zählen bis heute zu den bedeutendsten unter den katholischen Frauenorden, die ihren Schwerpunkt in Unterricht und Erziehung junger Mädchen haben. Gerade mit der Münchner Niederlassung ist ein wichtiger Teil der Gründungsgeschichte dieses Ordens verbunden.

 

Mary Ward, die Gründerin des Ordens, wurde 1585 in Mulwith/Yorkshire als Tochter aus katholischem Landadel geboren. Da die Katholiken zu dieser Zeit in England verfolgt wurden, ging sie 1606 nach St. Omer (Flandern), wo sie dem Orden der Klarissinnen beitrat. Nur wenige Jahre später gründete Ward mit einigen jungen Engländerinnen eine eigene religiöse Frauengemeinschaft mit dem vorrangigen Ziel der Mädchenerziehung. Nach dem Vorbild der Jesuiten lebten die Frauen ohne Bindung an ein bestimmtes Kloster, ohne Chorgebet und ohne Klausur, was allerdings in Rom ? vor allem bei der Ordensleitung der Jesuiten ? auf heftigen Widerstand stieß. Trotz des Wohlwollens der Päpste Gregor XV. und Urban VIII. verfügte die Propaganda-Kongregation 1625 die Schließung der italienischen Niederlassung der Englischen Fräulein.

 

Maria Ward fand jedoch immer wieder Unterstützung von einzelnen Bischöfen und Fürsten. Bereits 1617 nahm der Kölner Kurfürsterzbischof Ferdinand, ein Bruder Maximilians I. von Bayern, die Englischen Fräulein in seinen Bistümern auf. Wohl auf Empfehlung Ferdinands sowie des einflussreichen Dominikanerpaters Dominicus a Jesu Maria empfing schließlich auch Kurfürst Maximilian I. im Januar 1627 Maria Ward in München. Er überließ den ?Müettern und Schwestern di Jesu? das so genannte Paradeiserhaus an der heutigen Weinstraße und sicherte ihnen finanzielle Unterstützung zu. Bereits im April desselben Jahres konnten die Gefährtinnen Maria Wards mit dem Mädchenunterricht in München beginnen.

 

Im Januar 1631 unterzeichnete der Papst ? trotz mehrfacher Bittgesuche Maria Wards, davon abzusehen ? die Bulle zur offiziellen Aufhebung des Frauenordens. Nur wenige Wochen später wurde Maria Ward im Münchner Institut im Paradeiserhaus unter dem Vorwurf der Ketzerei festgenommen und zeitweilig in eine sehr strenge Klosterhaft zu den Klarissinnen bei St. Jakob am Anger gegeben. Der Münchner Schulbetrieb musste eingestellt werden. 1632 gelang es Maria mit der finanziellen Unterstützung Kurfürst Maximilians I., erneut nach Rom zu reisen, wo ihr und ihren Gefährtinnen die weitere Lehrtätigkeit genehmigt wurde. Allerdings mussten sie auf die Ordensgemeinschaft verzichten. So konnte 1635 auch in München der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden.

 

Von München aus verbreitete sich nach dem Tod Maria Wards 1645 die Kongregation weiter nach Bayern und Österreich. Kurfürst Max Emanuel von Bayern ließ den Englischen Fräulein einen prächtigen Neubau mit zwei Kapellen an der Schwabinger Gasse in München errichten. Um 1700 verlegte die Generaloberin sogar die Leitung des Instituts von Rom nach München.

 

In dem geradezu schlossähnlichen Münchner Bau waren die Englischen Fräulein bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts tätig. Vor allem Töchter des bayerischen Adels und der höheren Hofbeamten wurden hier erzogen und unterrichtet. Da auch für die Unterbringung der etwa 400 Mädchen gesorgt werden musste, wurden die Englischen Fräulein durch Hof und Adel mit zahlreichen Spenden und Stiftungen unterstützt. In einem gesonderten ?Arme-Mädchen-Haus? erhielten 40 Töchter aus mittellosen Familien unentgeltlich Unterricht, Kleidung, Kost und Unterkunft.

 

Während der Säkularisation 1802 gehörten die Englischen Fräulein zu einer kleinen Gruppe von Frauenorden, die aufgrund ihrer Krankenpflege- oder Schultätigkeit von der Auflösung zunächst verschont blieben. Jedoch durften sie ohne spezielle Erlaubnis keine Novizinnen mehr aufnehmen und waren somit zum langsamen Aussterben verurteilt. Durch ein königliches Reskript vom 20. Mai 1808 wurde schließlich auch das Institut der Englischen Fräulein in München aufgelöst. Die Schwestern gingen größtenteils nach Altötting in das zum Zentralkloster bestimmte Institut. In das Prachtgebäude an der Weinstraße zog 1812 das Staatsministerium des Innern, 1826 die königliche Polizeidirektion München, bevor es im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

 

In einer Phase der Wiedererrichtung aufgehobener Klöster übergab König Ludwig I. von Bayern 1835 den Englischen Fräulein das ?Königliche Erziehungsinstitut in Nymphenburg?, das nun bis 1929 das Generalat der Englischen Fräulein in Bayern

innehatte.

 

(Barbara Reinicke)

 



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Bildnis der Maria Ward (Ordensgründerin der Engl. Fräulein), Tafelbild, 17. Jh. (?), München, ehem. Institut der Engl. Fräulein.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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