Mindelheim, Augustinerkloster


 

GESCHICHTE

 

Mindelheim, Augustinereremiten – eindringliche Prediger

 

 

 

Der Edle Schwigger II. von Mindelberg ließ im Jahr 1250 in Bedernau bei Mindelheim ein Kloster für die Wilhelmiten erbauen und übergab der Glaubensgemeinschaft für ihren Unterhalt die Kirche, die Mühle und den Zehent. Als Papst Alexander IV. 1256 mehrere kleine Orden zu einem neuen Bettelorden, den Augustinereremiten, zusammenschloss, fanden sich auch Vertreter der Wilhelmiten, die dabei mitwirken wollten, unter ihnen die Bedernauer Wilhelmiten, die in den Augustinerverband aufgenommen wurden. Bischof Hartmann von Augsburg nahm das Kloster 1262 in seine Obhut und gewährte ihm das Recht zu Predigt und zur Abnahme der Beichte. Um ihren seelsorgerischen Pflichten besser nachkommen zu können, verlegten die Mönche ein Jahr später ihr Kloster ins nahe gelegene Mindelheim. Das Grundstück beim so genannten Schnäbelinstor (Unteres Tor), auf dem sie ihre neue Anlage errichteten, war Reichslehen. Am 11. Mai 1264 konsekrierte der Augsburger Bischof die dazugehörige Kirche, die der Verkündigung Mariens geweiht war.

 

Zwischen den Augustinereremiten und dem Klerus der Stadt kam es in der Folgezeit immer wieder zu Auseinandersetzungen, da die Priester eine Reduzierung ihrer Einkünfte durch das Wirken der Brüder, die als Prediger sehr beliebt waren, zu befürchten hatten. Die Streitigkeiten gipfelten in der Exkommunizierung des Mindelheimer Dekans. Ein verheerender Brand zerstörte 1286 die Klostergebäude. Die Ritter von Mindelberg unterstützten ihre Stiftung jedoch weiterhin großzügig mit finanziellen Zuwendungen. Sie hatten in der Kirche auch ihre Grablege. Für das neu errichtete Gotteshaus spendeten sie einen Altar. 1288 erhielten die Mönche die Pfarrrechte von Mindelau. Vier Jahre später erwarben die Augustiner das benachbarte Nonnenkloster. Um die Wende zum 14. Jahrhundert, 1399, wurde das Stift nach einem Beschluss der Priore von München und Mindelheim für wenige Jahre in ein Frauenkloster umgewandelt. 1315 lebten hier jedoch wieder Augustinereremiten.

 

Im Lauf des 14. Jahrhunderts konnte das Kloster einen erheblichen Besitzzuwachs verzeichnen. Von Herzog Friedrich von Teck wurden durch Tausch die Lehenschaft und Vogtei der Pfarrkirche von Westernach erworben. Zu den Gönnern der Augustinereremiten von Mindelheim gehörten Herzog Leopold von Österreich und viele Adelige. Kardinäle und Bischöfe gewährten Ablassbriefe, die eine zusätzliche finanzielle Stärkung mit sich brachten. Prior Georg von Teck, der Sohn des oben genannten Herzogs, errang sich bleibende Verdienste auf dem 1403 in Lauingen tagenden Generalkapitel des Ordens. Damals wurden der Generalprior und einige Gelehrte der Augustiner durch den Ritter von Hohenegg gefangen genommen. Ihre Befreiung kam auf Vermittlung des Priors zustande. Ein bedeutendes Mitglied des Konvents war Hermann Eurab von Mindelheim, der später als Theologieprofessor und Weihbischof von Prag wirkte.

 

Die allgemeine Krise im monastischen Leben Ende des 15. Jahrhunderts erfasste auch die Augustinereremiten in Mindelheim. 1472 wurde das Kloster von General Jacobus von Aquila unter die Aufsicht der Ordensleitung gestellt. Das Amt des Generalvikars übernahm der Münchner Prior Paulus Weigl. Vorübergehend erhielt das Kloster sogar das Privileg der Exemtion (eigene Gerichtsbarkeit), da man dachte, die Reformierung würde dadurch unterstützt (1486 wieder aufgehoben). 1489 beantragte Bischof Ulrich von Trient vom bayerischen Provinzial, im Mindelheimer Konvent eine Reform zu veranlassen. Andras Proles, vom päpstlichen Legaten Peraudi zu einer Visitation des Klosters bestimmt, unterstellte die Niederlassung der Überwachung durch die Reformkongregation. 1503 tagten die Augustiner unter Generalvikar Magister Johannes von Staupitz zu ihrem alle sechs Jahre stattfindenden Kapitel in Mindelheim. Nach einer Überprüfung des Klosters setzte Staupitz vorübergehend seinen Vertrauten Nikolaus Besler (reg. 1517–1519) an die Spitze des Konvents. Unter Prior Johannes Mathei (reg. 1511–1517, 1520–1522) wurden vor allem humanistische Studien gepflegt und der Bestand der Bibliothek ausgebaut. Dazu stiftete Ritter Georg von Frundsberg, der Sohn Ulrichs von Frundsberg, der im Bauerkrieg als Hauptmann des Schwäbischen Bundes fungiert hatte, ein ganzes Konvolut wertvoller Bücher. Prior Johannes schloss sich jedoch nach dem Wittenberger Kapitel 1522 den dortigen Mitbrüdern an und verließ ein Jahr später den Orden. Die Lehre Martin Luthers, der ja selbst Augustiner gewesen war, verbreitete sich auch im Mindelheimer Konvent. Mit dem Austritt fast aller Mönche löste sich das Kloster 1526 auf. Die Herren von Frundsberg, die die Vogteirechte besaßen, übernahmen die Verwaltung der Güter und besetzten das Kloster mit Weltpriestern, Singknaben und Pfründnern. 1585 misslang ein Versuch des bayerischen Provinzials Antonius Keerbeck mithilfe Herzog Wilhelms V. das Kloster wiederzubeleben. Auch spätere Bestrebungen waren nicht von Erfolg gekrönt. 1618 übergaben der bayerische Herzog Maximilian I. und die Fugger als Nachfolger der Frundsberger den Jesuiten die Anlage. Die ehemalige Augustinerklosteranlage wurde in der Folgezeit völlig umgebaut beziehungsweise erneuert.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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