Mindelheim, Hlg. Kreuz


 

GESCHICHTE

 

Mindelheim, Heilig Kreuz – eifrige Katholikinnen

 

 

 

1456 schlossen sich in Mindelheim die sechs Bürgerstöchter Anna Kaut, Barbara Bader, Elisabetha Deschler, Afra Weyler, Anna Fingerl und Anna Schneider zusammen, um gemeinsam nach der dritten Regel des hl. Franziskus zu leben. Schwestern aus Klosterbeuren unterwiesen sie in den Ordensregeln. Die Frauen erwarben das Haus des Priesters Konrad Widemann in der Nähe der Pfarrkirche St. Stephan und begründeten hier ihr Kloster. 1490 willigten sie in die strenge Observanz der Straßburger Provinz des Franziskanerordens ein. Sie unterwarfen sich damit der Klausur. Ein Jahr später war bereits der Klosterneubau fertig gestellt. Die Mindelheimer Herrschaft, Ritter Ulrich von Frundsberg und seine Gemahlin Barbara von Rechberg, stifteten die Hauskapelle. Das Frauenkloster war sowohl bei bürgerlichen als auch bei adeligen Familien anerkannt und genoss viel Unterstützung. In den unruhigen Zeiten der Glaubensspaltung erwiesen sich die Nonnen als treue Katholikinnen und standen für ihre Überzeugung auch öffentlich ein. Von Oberin Kunigunda Briefin (Amtszeit 1509–1532) wird berichtet, dass sie einem Prediger in der Pfarrkirche St. Stephan öffentlich widersprach, als er die Ideen der Reformation vertrat. Auch den Mindelheimer Grundherrn Georg I. von Frundsberg, der als Landsknechtsführer im kaiserlichen Heer Karriere machte, ermahnte sie eindringlich, am alten Glauben festzuhalten, denn seine zweite Frau Anna von Lodron stand den Protestanten nahe.

 

Hans Martin von Stotzingen, der die Ämter eines Landvogts von Wolkenberg und eines Rats des Fürstabts von Kempten bekleidete, schenkte der Frauengemeinschaft im Jahr 1588 einen kostbaren Kreuzpartikel. Dieser Reliquie brachten die Nonnen große Verehrung entgegen. Sie sahen in ihr die Ursache, dass die Niederlassung relativ unbeschadet die Wirren des Dreißigjährigen Kriegs überstanden hatte. Unter Oberin Ursula Königmann (Amtszeit 1611–1632) fiel daher 1623 der Entschluss, dem Kloster den Namen „Heilig Kreuz“ zu geben. Die folgenden Jahrzehnte waren von vielen Entbehrungen geprägt. Damals konnten die Schwestern ihren Lebensunterhalt nur durch Betteln bestreiten und kamen auf ihren Wanderungen bis nach Oberitalien. 1680 hatte sich die Finanzlage der Mindelheimer Franziskanerinnen soweit erholt, dass die Nonnen den Neubau ihres Klosters in Angriff nehmen konnten. Bis 1681 ließen sie durch den Mindelheimer Baumeister Thomas Natter an der Kleinhannsstraße den noch heute bestehenden zweigeschossigen Nordflügel mit einer Hauskapelle zu Ehren des St. Antonius von Padua errichten. Diesen Bau verband man 1713 durch einen überdachten Gang mit der Pfarrkirche St. Stephan. Die tatkräftige Oberin Regina Semmerin (Amtszeit 1733–1740) organisierte ab 1730 den Ausbau des Klosters mit dreigeschossigen Ost-, Süd- und Westflügeln zu einer schlichten Vierflügelanlage um einen rechteckigen Hof (vgl. Abbildung). Den Auftrag führte der einheimische Maurermeister Johann Merk nach einem Entwurf von P. Benedikt Baur, dem Superior der Franziskaner in Ettlingen, aus. Bereits am Kirchweihsonntag 1740 konnten die Nonnen in ihrem neuen, reich mit Rokokostukkaturen und Wandgemälden geschmückten Refektorium speisen. Zu jener Zeit besuchte die franziskanische Mystikerin Maria Kreszentia Höss (1682–1744; 2001 durch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen) aus Kaufbeuren mehrmals ihre Ordensschwestern in Mindelheim und prägte die Gemeinschaft mit ihrer Spiritualität.

 

Während der Säkularisation wurde das Vermögen der Franziskanerinnen unter staatliche Verwaltung gestellt. 1802 hatte man dem Kloster die Aufnahme von Novizinnen untersagt, doch die Gemeinschaft blieb weiter bestehen. Dem wiederholten Gesuch der Schwestern um Wiedererrichtung ihrer Niederlassung wurde von König Ludwig I. von Bayern im Jahr 1833 entsprochen. Sie mussten sich jedoch verpflichten, soziale Aufgaben zu übernehmen. Die Schwestern richteten daraufhin in ihrem Kloster ein Heim für hilfsbedürftige weibliche Dienstboten ein und widmeten sich der Krankenpflege. Ende des 19. Jahrhunderts übernahmen Mallersdorfer Schwestern diese Aufgaben. Die Franziskanerinnen ließen daraufhin an der Krumbacher Straße von Architekt Otto Mayer aus Bamberg einen Neubau mit Wirtschaftsgebäude errichten, um hier das St. Josefsstift, ein Erziehungsheim für Knaben, zu betreiben. Später diente das Haus den kirchlichen Bildungseinrichtungen. Das Heilig-Kreuz-Kloster wurde Sitz eines Seniorenheims; im Südwestflügel ist seit 1950 das Mindelheimer Heimatmuseum untergebracht.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 

 

 



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Ansicht des Franziskanerinnenklosters Hl. Kreuz in Mindelheim, Ölgemälde, um 1750, Mindelheim, Franziskanerinnenkloster.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Meister, G.)

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