Marienweiher


 

GESCHICHTE

Marienweiher ? fränkische Wallfahrt seit 800 Jahren

Im Frankenwald, nordöstlich der Stadt Bayreuth, liegt, umgeben von Wiesen und Wäldern, das rund 500 Einwohner zählende Dorf Marienweiher (bei Marktleugast). Vor langen Zeiten gab es hier einen Weiher, der ? verbunden mit einer Legende ? dem Ort den poetischen Namen verlieh. Ein Fuhrmann aus Sachsen soll hier Anfang des 12. Jahrhunderts die nunmehr über 800 Jahre alte Marienwallfahrt begründet haben. In einem Wirtshaus am Vordersee (die älteste Bezeichnung für Marienweiher) war der Mann nachts von Räubern überfallen worden. In seiner Todesangst betete er zur Gottesmutter und wurde wundersam errettet. Zum Dank stiftete der Sachse eine kleine Kapelle mit einem Marienbild, die in der Folgezeit immer häufiger von Pilgern besucht wurde.

Die erste urkundliche Erwähnung der Kapelle und Wallfahrt von Marienweiher stammt aus dem Jahr 1189. Damals ? so belegt es die Schenkungsurkunde Bischof Ottos II. von Bamberg ? wurde das Heiligtum an das Zisterzienserkloster von Langheim (bei Vierzehnheiligen) übertragen und zur Pfarrkirche ausgebaut. Über 200 Jahre lang betreuten die Zisterzienser die Wallfahrer. Zwei von ihnen starben, als 1430 die Hussiten den Ort und das Kloster nieder brannten und die Kirche bis auf den Chor zerstörten. Man machte sich sofort an den Wiederaufbau. In den folgenden Jahrzehnten betreuten Diözesangeistliche die Pfarrei und Wallfahrt in Marienweiher.

Im 17. Jahrhundert erwies sich die Kirche für die zahlreichen Wallfahrten als viel zu klein. Fürstbischof Johann Gottfried genehmigte einen Erweiterungsbau, der in Teilen 1633 einer Brandschatzung im Schwedenkrieg zum Opfer fiel.

Im Jahr 1646 wurden die Franziskaner zur Betreuung der Wallfahrt nach Marienweiher berufen. Vier Jahre später konnten sie bereits in ihr neu erbautes Kloster einziehen. Das anfängliche Hospiz wurde 1699 zum Konvent erhoben, der Klosterbau wurde erweitert.

Dem Neubau eines größeren Gotteshauses im Zeitgeschmack des farbenfrohen Barock stimmte der Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn im Jahr 1717 zu. Am Rosenkranzfest 1721 erfolgte die feierliche Weihung unter dem Patrozinium Mariä Heimsuchung. Die Deckenfresken von Antonio Nave, 1720 gemalt, zeigen den Wallfahrern seither Szenen des freudenreichen Rosenkranzes sowie Tod und Himmelfahrt Mariens. Besonders reichhaltig ist die Stuckierung von Johann Jakob Vogel. Das Gnadenbild thront im klassizistischen Hochaltar (1810?1812 von Bildhauer Paul Hetzel geschaffen) über dem Tabernakel unter einem festlichen Baldachin. Es handelt sich um eine geschnitzte, fast lebensgroße spätgotische Madonna mit Jesuskind (um 1520), ausgestattet mit Barockkronen und Szepter. Der Treppenaufgang zur Kirche und der mit Pilastern geschmückte Westturm, die beide zur wirkungsvollen Erscheinung des Baus beitragen, wurden Mitte der 1740er-Jahre nach Entwürfen von Johann J. M. Küchel, einem Schüler Balthasar Neumanns, ausgeführt. Im Turmgeschoss befindet sich die Mirakelkammer mit vielen Votivbildern und Wachspuppen, den Zeugnissen dankbarer Gläubiger an die Gottesmutter. Bereits im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts wurde das Wallfahrtswesen durch die Obrigkeit eingeschränkt. So wurde der Pfarrei Oberleichtersbach 1791 das Wallfahren nach Marienweiher verboten. In der Säkularisation wurde der Zustrom der Pilger dann rigoros eingeschränkt. Aber die Verehrung des Gnadenbildes hielt im 19. und 20. Jahrhundert an.

Über 350 Jahre betreuen jetzt schon die Mönche aus dem Orden des hl. Franz von Assisi Wallfahrt und Pfarrei Marienweiher. Im Kloster leben und arbeiten zurzeit fünf Patres und ein Laienbruder. Seit 1983 sind schlesische Franziskaner in Marienweiher tätig. Außer der Wallfahrt versorgen die Patres drei weitere Kirchen und zwei Gottesdienststationen. Ihrer Bedeutung entsprechend wurde die Wallfahrtskirche Marienweiher im Jahr 1993 zur Päpstlichen Basilika erhoben. An den Hauptwallfahrtsfesten, dem Pfingstsamstag und Maria Geburt (8. September), finden Lichterprozessionen statt.

Der schlichte, zweigeschossige Klostertrakt, der durch einen Torbogen mit der Kirche verbunden ist, das ehemalige Kantoratsgebäude, das Pilgerheim und der Pfarrhof bilden eine Einheit um das Gotteshaus. Um die Klostermauer führt ein Kreuzweg mit steinernen Passionsstationen. Den besonderen Reiz der Wallfahrtskirche macht ihre Geschlossenheit und Atmosphäre aus. So ist sie ein Refugium für stille Beter und Wallfahrer, ebenso aber ein häufiges Ziel für Kunstkenner und Liebhaber des Barock- und Rokokostils.

Christine Riedl-Valder



 

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