Kronach


 

GESCHICHTE

Kronach ? eifrige Brüder des hl. Franziskus

Schon während des Dreißigjährigen Kriegs kamen regelmäßig Franziskanerbrüder aus Bamberg und Marienweiher nach Kronach, um hier ihre Kollekten einzusammeln. 1648 entschloss sich der Stadtrat mit dem Orden über die Ansiedlung von drei Barfüßern zu verhandeln, damit auch Kronach ?mit Celebrirn, predigen und Kinderlehrhalten, und andern guten werckhen bedient sein wölle?. Nach der Zustimmung der Franziskaner gab auch der Bamberger Bischof Melchior Otto 1649 seine Einwilligung unter der Bedingung, dass die übrige Geistlichkeit in der Stadt dadurch keine Einbussen erleiden dürfe. Zunächst bezogen die Patres Fulgentius Buff und Onuphrius Oberhammer den oberen Stock des Spitals. Mit der Ankunft von Pater Casimir Brem, der vom Provinzkapitel zu Augsburg zum Superior bestimmt wurde, war im Jahr 1650 die Gründung des Hospizes zum hl. Wendelin in Kronach vollzogen.

Die Franziskaner lebten vorerst sehr beengt. Ihre Gottesdienste hielten sie in der Spitalkirche. Sie übernahmen an Sonn- und Feiertagen die Kinderlehre und die Frühpredigten in der Pfarrkirche und deren Filialen und Kapellen sowie weitere Messen nach Bedarf. Der Rat der Stadt übertrug ihnen auch die Besorgung der Gottesdienste auf dem Kreuzberg. Dies führte bald zu Streitigkeiten mit dem Stadtpfarrer und Dekan Fischer über die Einkünfte aus der Wallfahrt zum hl. Kreuz. Bemühungen der Mönche um die Genehmigung zum Bau eines eigenen Klosters schlugen deswegen vorerst fehl.

Nach dem Tod von Dekan Fischer kam es unter dem neuen Bischof Philipp Valentin von 1670 bis 1682 zur Errichtung von Kirche und Kloster der Franziskaner in der damaligen Vorstadt von Kronach. Die Gebäude wurden zusammen mit der Kirche als Geviert errichtet. An das schlichte Gotteshaus mit Dachreiter über dem Chor und flach gedecktem Langhaus hat man an der Südseite die Antoniuskapelle angebaut. 1674 erfolgte die Erhebung des Kronacher Hospizes zum Konvent unter dem Patronat des hl. Petrus von Alcantara. Das Kloster unterstand der bischöflichen Gerichtsbarkeit. Erster Guardian wurde Pater Casimir Brem. Stephan Weinberger, Weihbischof von Würzburg, konnte 1682 die Klosterkirche einweihen.

Die Barfüßer waren aufgrund ihrer Predigten und ihrer seelsorgerischen Dienste für Kranke und Sterbende bei der Bevölkerung sehr geachtet. Viele Mess-Stiftungen beweisen ebenfalls die wachsende Beliebtheit der Franziskaner bei der Kronacher Bürgerschaft. Der Bamberger Bischof Peter Philipp von Dernbach berichtete 1673 nach Rom: ?Gewaltige Verdienste haben sich die Patres vom Orden des hl. Franziskus aus der Straßburger Provinz in ganz Deutschland, ganz besonders aber hier in der Bamberger Diözese erworben, wo die Provinz zwei Konvente [Forchheim und Kronach] hat. Für das öffentliche Wohl arbeiten sie mit solchem Erfolge, dass sie durch ihren unermüdlichen Eifer in der Frömmigkeit, wie im Dienst der Gläubigen, die frommen Absichten der Stifter nicht bloß erfüllen, sondern noch weit überholen.?

Die Franziskaner förderten besonders die Kreuzweg-Andacht nach Kräften. Als 1739 die Stationen an der Kreuzwegstraße errichtet wurden, erschien dazu auch ein Buch, das im Kloster verkauft wurde. 1770 feierte der Konvent das 100-jährige Jubiläum seiner Gründung. Neue Altäre wurden zu diesem Anlass angeschafft. Schon 1766 ließ man den Franziskus- und den Marienaltar anfertigen. Den heutigen Hochaltar mit der zentralen Figur des Kirchen- und Klosterpatrons Petrus von Alcantara, flankiert von den Heiligen Bernardin von Siena und dessen Schüler Johannes Capistran, lieferten 1785 die Bamberger Bildhauer Martin und Georg Joseph Mutschelle. Von letzterem stammt auch der Altar in der Antoniuskapelle aus dem Jahr 1790. Die Hängekanzel aus dem 17. Jahrhundert an der Nordwand ? mit direktem Zugang vom Kloster aus ? hat man ebenfalls in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts überarbeitet und reich gefasst. Damals war der Konvent auf über zwanzig Patres angewachsen. Das Kloster hatte neben den vielfältigen geistlichen Aufgaben in der Stadt auch umfangreiche Seelsorgedienste in den umliegenden Ortschaften übernommen.

1802 traf die Säkularisation auch die Franziskaner von Kronach. Zu diesem Zeitpunkt lebten dort 21 Patres und sieben Brüder. Der Konvent durfte vorerst als Aussterbekloster erhalten bleiben. Pater Gottfried Rumpler legte 1803 sein Amt als letzter Guardian nieder; auf Drängen des Ordinariats übernahm er es nochmals 1807 und 1810. In den folgenden Jahren fristeten die Patres ein erbärmliches Dasein. Almosen bildete zeitweise ihre einzige Einnahmequelle. Der Großteil der Klosterbibliothek, die 2400 Bände umfasst hatte, wanderte in die Papiermühle. Immerhin 200 Werke wurden für die Staatsbibliothek ausgewählt; etwa 400 Bücher befinden sich noch im Stadtarchiv.

Nach dem Tod der letzten Mönche erfolgte 1829 die endgültige Auflösung des Klosters per Regierungsdekret. Die Stadt erwarb die Gebäude und nutzte sie zeitweise als Schule. Das Klosterbrauhaus hat man ab 1830 wieder in Betrieb genommen.

1920 siedelte sich der Orden der Patres Oblaten O.M.J. in Kronach an und fand 1927 eine neue Heimstatt im ehemaligen Franziskanerkloster. Kirche und Kloster ? 1945 durch eine Fliegerbombe beschädigt ? wurden in vorbildlicher Weise renoviert. Die Oblaten führen als Volksmissionare die Tradition der Franziskaner bis auf den heutigen Tag fort.

(Christine Riedl-Valder)



 

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