Klosterbeuren


 

GESCHICHTE

 

Klosterbeuren, Franziskanerinnenkloster St. Franziskus – wertvoller Reliquienschatz

 

 

 

Zum Wohle ihres Seelenheils beschenkten die Ritter Heinrich und Eberhard von Schönegg die Augustinerinnen von Wurzach im Jahr 1273 mit einer Kapelle sowie „drei Huben an Wald, Wiesen, Feld und Garten“ in „Beuren“. Im 14. Jahrhunderts ging deren Kloster in den Besitz der Nonnen vom Dritten Orden des Hl. Franziskus über. Durch den Verkauf des Klosterhofs im Jahr 1433 waren die Franziskanerinnen in der Lage, neue Klostergebäude zu errichten und eine Kirche an die bestehende Kapelle anzubauen. Das gotische Gotteshaus wurde mit einem großen, kunstvollen Flügelaltar zu Ehren der Jungfrau Mariä ausgestattet. Die geistliche Gemeinschaft entwickelte sich im 15. Jahrhundert zur vollen Blüte. Durch den Eintritt vermögender Frauen aus Adelskreisen war das Kloster in der Lage, vermehrt Grundbesitz zu erwerben. Papst Innozenz VIII. inkorporierte der Einrichtung 1486 die aus dem anwachsenden Dorf hervorgegangene Pfarrei. Unter Oberin Sophia Domanin erfolgte 1499 der Kauf des Dorfes Beuron aus dem Besitz der Gebrüder Wespacher um 2500 Gulden. Damit besaßen die Schwestern die niedere Gerichtsbarkeit über den Ort, der nun Klosterbeuren genannt wurde.

 

Die Wirren der Reformation konnten den Franziskanerinnen nichts anhaben. Im Dreißigjährigen Krieg dagegen erlitt die Gemeinschaft Plünderungen und Pestseuchen. 1632 überfielen 300 Schweden das Kloster und raubten es aus. Die Schwestern retteten sich durch die schnelle Flucht in das Schloss Babenhausen. Nach den Kriegszeiten sorgte eine Reihe von Wohltätern für neuen Aufschwung. Im 17. und 18. Jahrhundert lebten rund 23 Nonnen im Kloster. Viele von ihnen erreichten fünfzig Dienstjahre im Orden und mehr. Unter den Schwestern gab es die Ämter der Bräu-, Bau-, Korn-, Kuchel- und Kellermeisterin.

 

1671 erhielt die Gemeinschaft vom Kloster Augsburg einen Splitter von der Geißelsäule Christi. Dafür wurde ein kostbarer Reliquienbehälter angefertigt, der auf der einen Seite unter einem Kristall einen Partikel vom Blut Christi, auf der anderen Seite den Holzpartikel zeigte. Seitdem trug Klosterbeuren den Zusatz „zum Heiligen Blut“. Einen weiteren Schatz verehrte der kurfürstliche Geheimrat Baron Markus von Mayr dem Kloster, dem damals seine Schwester, Mutter M. Constantia, vorstand. Im Jahr 1700 schenkte er dem Konvent die Gebeine der hl. Märtyrerin Constantia von Rom. Die Überreste der Heiligen wurden in prunkvolle Stoffe gehüllt und in einem Reliquienschrein auf dem Hl.-Blutaltar in der Klosterkirche aufgestellt. 1740/41 erfolgte die Vergrößerung des Gotteshauses und seine neue Ausschmückung mit Stuck und Fresken, zu der im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts auch neue Altäre in Auftrag gegeben wurden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verfügte Klosterbeuren über eine stattliche Vierflügelanlage mit zusätzlichen großen Wirtschaftsgebäuden.

 

Den größten Schaden erlitten die Franziskanerinnen nach dem Einfall der Franzosen in Schwaben im Mai 1800. Die Soldaten unter General Moreau raubten das Kloster völlig aus und zerstörten die Einrichtung der Klosterkirche. Doch das Ende kam erst im Jahr 1803, als im Zuge der Säkularisation auch diese rund 500 Jahre alte geistliche Institution in Klosterbeuren aufgelöst wurde. Neuer Grundherr wurde vorübergehend der Deutsche Orden, bevor der bayerische Staat 1805 den gesamten Besitz übernahm und verkaufte. Die ehemalige Klosterkirche St. Franziskus verblieb als Pfarrkirche unter dem neuen Patronat St. Ursus. Die 186 Namen der Franziskanerinnen, die ab 1414 hier im Kloster gewirkt hatten, verzeichnet noch heute ein Holztafel an der Westwand des Seitenschiffs. Darunter erstreckt sich die ehemalige Gruft der Nonnen. 1828 wurden die Klostergebäude größtenteils abgebrochen. Ein Rest des Westtrakts, verziert mit Stuckaturen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, ist im Haus Nr. 57 nördlich der Kirche erhalten.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 

 

 

Link:

 

http://www.bistum-augsburg.de/index.php/bistum/Pfarreien/St.-Ursus-_Klosterbeuren

 

http://www.babhist.de/

 

 

 



 

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