Kemnath


 

GESCHICHTE

Die Franziskaner in Kemnath - Im Dienst der katholischen Erneuerung

Um die Rekatholisierung der Bevölkerung zu fördern, bat der Stadtmagistrat von Kemnath im Frühjahr 1657 beim Provinzial der bayerischen Franziskaner, Pater Ludwig Gerlspöck, um die Errichtung eines Klosters. Wenige Monate später erteilten Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern und der Bischof von Regensburg, Franz Wilhelm von Wartenberg, bereits ihre Zustimmung. Am 27. Mai 1658 kamen die ersten Franziskaner, zwei Patres und zwei Laienbrüder, nach Kemnath.
Der Klosterbau, eine vierflügelige Anlage gruppiert um einen quadratischen Innenhof, entstand 1660 bis 1662 nach den Plänen von Frater Hugolin Partenhauser. Den Bauplatz hatte die Stadtgemeinde zur Verfügung gestellt. Die Untertanen des Landrichteramtes Waldeck-Kemnath leisteten unentgeltlich Hand- und Spanndienste. Die Klosterkirche, ein schlichter Bau, erhielt auf Wunsch der Kurfürstin Henriette Adelheid von Bayern das Patrozinium des heiligen Antonius von Padua. Sie wurde am 3. Mai 1665 feierlich geweiht. Der landsässige Adel, die Beamtenschaft und die Geistlichkeit der umliegenden Orte förderten großzügig die Innenausstattung der Kirche.
Das Wirken des Konvents reichte über die Mauern der Stadt hinaus. Auf der Kanzel, im Beichtstuhl, beim Religionsunterricht und am Sterbebett unterstützten die Franziskaner die benachbarten Pfarreien. Lange Zeit war ihnen auch die Betreuung der Wallfahrtskapelle und des Hospizes auf dem Armesberg anvertraut. Mit der Einführung neuer Andachtsformen und religiöser Zeremonien entfalteten die Mönche eine wirkungsvolle Tätigkeit im Dienst der katholischen Erneuerung. Eine 1693 in Kemnath gegründete St.-Antonius-Bruderschaft zählte bald über 600 Gläubige. Von der Missionsarbeit in der Oberpfalz zeugten auch zahlreiche Konversionen.
Als volksnahe Prediger hatten die Franziskaner großen Zulauf. Aufgrund der Klagen des Stadtpfarrers untersagte das bischöfliche Ordinariat in Regensburg 1750 bzw. 1785 sogar zeitgleiche Messen in der Klosterkirche während der Pfarrgottesdienste.
Für die Ausstrahlungskraft der franziskanischen Gemeinschaft spricht auch die große Zahl von insgesamt 45 Kemnather Bürgersöhne, die das Ordenskleid der Franziskaner annahmen. Der Personalstand in Kemnath umfasste in seiner Blütezeit 23 Patres, fünf Kleriker und acht Laienbrüder.
1758 fielen die Klosterkirche, das Malz- und Bräuhaus, die Bibliothek und das Refektorium einer Feuersbrunst zum Opfer; lediglich die Franziskuskapelle mit der Gruft blieb unversehrt. Mit großzügiger Unterstützung der kurfürstlichen Regierung, der Äbte von Waldsassen, Speinshart und Michelfeld sowie der Bürger von Kemnath konnte man rasch an den Wiederaufbau des Klosters gehen. Bereits am 8. November 1760 war die neue, nun beträchtlich erweiterte, Anlage fertig gestellt.
Im Frühjahr 1802 bereitete die Säkularisation dem monastischen Leben ein Ende. Der Kemnather Landrichter Max Joseph von Gravenreuth eröffnete dem Konvent am 30. April 1802 den Aufhebungsbescheid. Die sieben Patres und sieben Brüder kamen zunächst mit ihren Mitbrüdern aus Amberg und Pfreimd in das Zentralkloster Freystadt, dann im September 1803 nach Neukirchen beim Hl. Blut.
Im Mai und Juni 1802 wurde die gesamte Kirchen- und Klostereinrichtung versteigert. Die Pfarrgemeinde Erbendorf erwarb den Hochaltar, die Orgel, das Pflaster (!) und das Kommuniongitter. Die Nebenaltäre und die Kanzel kamen nach Waldershof. Die Statue der Schmerzhaften Muttergottes wurde am 21. Mai feierlich in die Stadtpfarrkirche von Kemnath übertragen. Ein Teil der Klosterbibliothek gelangte in die neu gegründete Provinzialbibliothek nach Amberg. Die profanierte Klosterkirche sowie die Konventbauten, das Bräuhaus und der Garten gingen in Privatbesitz über.

( Manfred Knedlik )


 



 

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