Günzburg, Herz Jesu


 

GESCHICHTE

Das Institut Herz Jesu der Englischen Fräulein in Günzburg ? Schultradition seit 1758

In Günzburg hatte einStadtbrand im Jahr 1735 das schulische Leben weitgehend zum Erliegen gebracht. Die Bürger sahen sich nicht in der Lage, für qualifizierte Lehrkräfte Geld aufzubringen. Eine Verbesserung für die Knabenschule brachte die Berufung des Ordens der Piaristen im Jahr 1751 durch den kaiserlichen Landvogt Christoph von Ramschwag. Für die Mädchenbildung wurde zunächst bei den Günzburger Franziskanerinnen angefragt, die sich aber aufgrund der Klausur nicht in der Lage sahen. Für die Klosterfrauen von St. Ursula in Neuburg, die durchaus geneigt waren, gab es indes keine Genehmigung der kaiserlichen Regierung, da sie keine österreichischen Staatsangehörigen waren.

Die Witwe eines kaiserlichen Obristen, Milburgis Bertagnoni, die im Englischen Institut in München ihre Ausbildung genossen hatte, regte an, sich um die Englischen Fräulein zu bemühen. Sie erklärte sich auch zu einer Stiftung zur Einrichtung des Institutes bereit. Nach einer Anfrage des Bischofs von Augsburg am Wiener Hof bei Maria Theresia erging am 14. April 1756 die Genehmigung, von Augsburg aus ein Institut in Günzburg zu begründen. Doch zögerte der Stadtmagistrat Günzburg, sodass sich die Verhandlungen mit dem Institut der Englischen Fräulein in Augsburg noch zwei Jahre hinzogen. Die Stadt Günzburg stellte schließlich einen freien Bauplatz neben der Liebfrauenkirche, eine Begräbnisstätte auf dem Friedhof der Franziskanerinnen, ein Oratorium in der Kirche und einige Natural- und Geldleistungen zur Verfügung. Im Gegenzug verpflichteten sich die Englischen Fräulein unter anderem ?die weibliche Jugend Günzburgs ohne Unterschied des Standes ? vornehmlich im Christentum und in der katholischen Lehre, sodann im Lesen, Schreiben, Rechnen, Nähen, Sticken, Stricken, Kochen und anderen, dem weiblichen Geschlechte anstehenden Arbeiten und Wissenschaften und ohne Bezahlung ? zu unterrichten?.

Am 4. Januar 1758 trafen die beiden ersten Fräulein in Günzburg ein. Die Zustimmung der kaiserlichen Regierung zur Niederlassung erging am 8. März 1758. Zunächst wohnten die Fräulein in einem Haus am Frauenplatz (heute Nr. 5/6). Nachdem ein größeres Erbe von Frau von Bertagnoni in Aussicht gestellt worden war, kaufte die Kongregation um 11 000 Gulden das Geschäftshaus der Familie Brentani am Marktplatz. Dort wurde 1759 der Schulbetrieb aufgenommen. In den folgenden Jahren wuchs allerdings die Schuldenlast der Englischen Fräulein auf 18 000 Gulden, da das in Aussicht gestellte Erbe sich als nichtig erwies. Die Schwestern litten Not. Dennoch blieb in Günzburg die Wertschätzung gegenüber den Fräulein ungebrochen - 1766 wurden 200 Schülerinnen unterrichtet. Nur mit Hilfe des Bischofs von Augsburg, der Regierung und Bürgern der Stadt konnte das Institut erhalten werden. Erst ab 1780 begann sich die Situation wieder zu verbessern.

Die Säkularisationswelle von 1803 traf die Englischen Fräulein nicht. 1808 wurde aber die Aufnahme von neuen Kandidatinnen untersagt. Dies und die Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahr 1812 mit entsprechenden neuen Arbeitsmöglichkeiten für Lehrerinnen außerhalb der Orden führte zu personellen Engpässen im Institut. Durch Bemühungen von verschiedensten Seiten gelang es das Verbot der Neuaufnahme von Kandidatinnen am 14. Mai 1817 durch eine königliche Entschließung außer Kraft zu setzen.

Nach der Einführung des Schulzwangs 1812 hatten sich die Räumlichkeiten des Klosters sehr schnell als zu klein erwiesen. Kleinere Erweiterungen reichten nicht aus, sodass das Gebäude des ehemaligen Franziskanerinnenklosters aus dem Besitz des Handelshauses von Molo angekauft wurde. Es erfolgten umfangreiche Umbaumaßnahmen, so wurde der Pferdestall in Schulsäle verwandelt. 1856 wurde zusätzlich ein Kindergarten eingerichtet.

1874 erwarb man wieder ein Nachbargrundstück, die ehemalige Nussersche Stadtwirtschaft. Zunächst wurde das Gebäude abgebrochen und ein Garten angelegt. 1880/81 entstand auf dem Gelände ein neues Schulhaus. 1882 war der Raumbedarf weiter angestiegen, sodass auch der ehemalige Klosterstadel zu Schulräumen umgebaut wurde.

1908 errichteten die Englischen Fräulein an der Nordseite der Frauenkirche das Josephshaus, zunächst als Lehrerinnenseminar, ab 1911 dann als Mittelschule für Mädchen. Im Ersten Weltkrieg diente das Gebäude als Lazarett. Später wurde es mehrmals erweitert und umgebaut. 1988 wurde das Josephshaus abgebrochen und durch einen niedrigeren Neubau, der den Blick auf die Frauenkirche nicht verstellt, ersetzt. Im westlichen Teil des Komplexes ist heute das Maria-Ward-Gymnasium untergebracht.

Das Areal des Englischen Instituts umfasst den ganzen Bereich zwischen Frauenplatz und Kuhturmgasse. Im Norden reicht es weit über die ehemalige Stadtmauer den Hang hinauf. Die ältesten Bauteile stammen noch aus der Zeit des 1782 aufgelösten Franziskanerinnenklosters. Dies sind die Flügel nördlich und westlich der Frauenkirche. Ein Teil davon, insbesondere die Gewölbe, hatten den Stadtbrand von 1735 überstanden und gehören noch zu den 1674 von Michael Thumb errichteten Klostergebäuden.

(Alexandra Kohlberger)



 

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