Ettal


 

GESCHICHTE

Benediktinerabtei Ettal – Ritter und Schüler

Die prächtigste barocke Klosteranlage Oberbayerns ist die Benediktinerabtei Ettal in der Nähe von Oberammergau. Das Kloster war eine späte Gründung von Kaiser Ludwig dem Bayern nach seiner Rückkehr aus Italien. Es sollte nach der Vorstellung des Stifters neben dem Mönchs- auch einen Ritterkonvent nach dem Vorbild der Templer umfassen. Der Grundstein wurde am 28. April 1330 gelegt. Die Beweggründe zur Stiftung waren überwiegend politischer Natur, denn der mit dem päpstlichen Bann belegte Kaiser wollte im Streit mit der Kurie um das Verhältnis zwischen Papsttum und Kaisertum Akzente als Ausdruck seiner Religiosität setzen. Daneben versuchte er mit der Klostergründung den Ammergau als ehemaligen welfischen Landstrich an das Herzogtum Bayern zu binden. Schließlich diente das neue Kloster an der Handelsstraße zwischen Augsburg und Italien der Erschließung des Umlandes.

Nach dem Tod Kaiser Ludwigs entzog dessen Sohn dem Kloster ein Teil seiner Dotationen, weshalb das Ritterstift vermutlich wieder einging. Mit Unterstützung des Tegernseer Abtes Konrad Kummerspurger gelang jedoch eine Stabilisierung des Klosters. 1368 erhielt es seine päpstliche Bestätigung, 1389 das Recht zum Gebrauch der Pontifikalien. 1370 wurde die Kirche vom Freisinger Bischof geweiht. Sie war ein auf zwölfeckigem Grundriss errichteter Zentralbau mit einem Mittelpfeiler. Dort befand sich der Marienaltar mit dem von Ludwig gestifteten Gnadenbild, einer kleinen Alabasterskulptur der Madonna aus der Schule des Giovanni Pisano.

Die Bedeutung von Ettal blieb bis ins 17. Jahrhundert hinein gering. Im 15. Jahrhundert war das Kloster im Geist der Melker Reform erneuert worden. Die Reformation überstand es fast unbeschadet, wurde aber 1552 während des Schmalkaldischen Krieges von den Truppen Moritz von Sachsens geplündert. Nachdem es sich wirtschaftlich erholt hatte, mussten die Konventualen im Dreißigjährigen Krieg vor den schwedischen Soldaten fliehen. Nur Pater Johann Höß blieb im Kloster, wo noch heute die Schwedensäule im Kirchhof an seinen Tod erinnert.

Erst ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wuchsen Bedeutung und Einfluss des Klosters durch die Unterstützung des Kurfürsten. Vor allem die seit dem 15. Jahrhundert gepflegte Marienwallfahrt blühte nun auf. Unter Beteiligung von Abt Romuald Haimblinger (reg. 1697-1708) wurden das Freisinger Lyceum gegründet und wichtige ökonomische Grundlagen, wie die Errichtung einer Mühle und der Neubau der Brauerei, gelegt. Sein Nachfolger Placidus Seitz (reg. 1709-1736) gestaltete das Kloster von Grund auf neu. Zum einen wurden die Klosteranlage und die Kirche nach den Plänen des Münchner Hofarchitekten Enrico Zucalli im barocken Stil umgebaut. Zum anderen errichtete Abt Placidus, ehemals Professor in Salzburg, 1710 eine Ritterakademie und begründete damit die Tradition der Abtei Ettal als Bildungsstätte. Die Akademie diente keineswegs nur einer standesgemäßen Ausbildung junger Adliger. Sie verband gymnasiale mit universitären Lehrinhalten und stand auch Bürgerlichen offen. Unterrichtet wurden neuere Sprachen, Geschichte, Geografie, Jurisprudenz, Kriegswissenschaft, Tanzen, Reiten und Fechten.

1744 wurde die Blüte in Ettal durch einen verheerenden Brand, dem Kirche, Kloster und Bibliothek zum Opfer fielen, jäh unterbrochen. Die neuen, im Stil des Rokoko errichteten Konventgebäude und die Klosterkirche sind das Werk namhafter bayerischer Künstler. Joseph Schmuzer lieferte die Baupläne, von Johann Jakob Zeiler stammt das Deckenfresko der Hauptkuppel mit der „Glorie des Benediktinerordens“, die Stuckdekorationen gestalteten Joseph Schmuzer und Georg Übelher.

Der Wiederaufbau war 1803, dem Jahr der Säkularisation des Klosters, noch immer nicht abgeschlossen. Am 1. April 1803 wurde der Konvent aufgehoben. Das Kloster ging in staatlichen Besitz über und wurde anschließend meistbietend verkauft. Die Klosterkirche diente fortan als Pfarrkirche. Die Klostergebäude kamen in Privatbesitz und wurden nach und nach abgerissen. Der Bestand der Klosterbibliothek, der rund 15.000 Bände umfasste, wurde zum kleineren Teil in die Münchner Hofbibliothek und die Landshuter Universitätsbibliothek verbracht, der größere Teil wurde versteigert.

Auf Initiative der Benediktinerabtei Scheyern wurde im August 1900 das Kloster Ettal mit finanzieller Unterstützung des letzten weltlichen Besitzers Baron Cramer-Klett wieder gegründet. Mit der Neugründung war die staatliche Auflage zur Errichtung eines Gymnasiums verbunden, das 1905 seinen Betrieb aufnahm. 1907 wurde Willibald Wolfsteiner zum ersten Abt gewählt (bis 1933). Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde ab 1941 der Konvent geschlossen und in staatlichen Besitz genommen. Der Schulbetrieb war schon 1938 eingestellt worden.

1946 wurden Gymnasium und Internat wieder eröffnet. In den 1950er- und 1960er-Jahren blühte der Konvent auf und erreichte mit 100 Ordensleuten den höchsten Personalstand seit seinem Bestehen. Unter Abt Johannes M. Hoeck (reg. 1951-1972, gest.1995) wurde die Bibliothekwesentlich erweitert. Heute leben 55 Mönche im Konvent, die sich vor allem der Jugendbildung widmen und darüber hinaus eine Vielzahl von Betrieben, darunter eine Bäckerei, ein Buch- und Kunstverlag, eine Brauerei und andere Handwerksstätten unterhalten.

(Stephanie Haberer)



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Kloster Ettal (Kirche und Klostergebäude), Neu- und Umbauten ab 1709 v. Enrico Zucalli; ab 1744 nach Plänen v. Joseph Schmuzer.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Heck, A.)

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