Ensdorf


 

GESCHICHTE

Ensdorf - Benediktinische Aufklärung in der Oberpfalz

Der großen Welle adliger Klostergründungen auf dem bayerischen Nordgau im frühen 12. Jahrhundert verdankt auch die mönchische Gemeinschaft in Ensdorf ihren Ursprung. Graf Friedrich III. von Burglengenfeld-Hopfenohe-Pettendorf wollte ein Hauskloster errichten, das fortan als Familiengrablege dienen sollte. Nach seinem frühen Tod (1119) führte Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, der mit Friedrichs Tochter Heilika verheiratet war, dieses Vorhaben aus, unterstützt von Bischof Otto von Bamberg, der mit großzügigen Dotationen zur Ausstattung des Klosters beitrug. Das Gründungsjahr 1121 ist urkundlich belegt.
Die Besiedlung von Ensdorf erfolgte durch Benediktinermönche aus dem von der Abtei Cluny beeinflussten Reformkloster St. Blasien im Schwarzwald. Die erste Kirche war noch ein Holzbau und wurde 1123 von Bischof Otto von Bamberg geweiht. Bereits 1179 folgte ein Steinbau, dessen architektonische Gestalt von der Hirsauer Tradition geprägt ist: Unter Abt Boto (reg. 1170-1202), dem bedeutendsten Vorsteher in der frühen Klostergeschichte, wurde eine kreuzförmige, flachgedeckte Basilika aufgeführt, dreischiffig, mit Dreiapsidenabschluss, einer Vierungskuppel sowie Doppeltürmen und zweigeschossigem Paradies im Westen. Seit 1166 ist Ensdorf als Doppelkloster bezeugt; bedingt durch wirtschaftliche Not, kam es 1314 zur Auflösung des Frauenkonvents. Die Mönchsgemeinschaft beteiligte sich auch an der Landerschließung im Vils- und Naabtal, doch von einer größeren Kolonisations- und Rodungstätigkeit kann nicht die Rede sein. In erster Linie unterstützte das Kloster die Siedlungstätigkeit des um Ensdorf ansässigen Land- und Dienstadels im geistlich-seelsorgerlichen Bereich.
Obwohl in der Geschichte der Abtei immer wieder von Schenkungen und Grunderwerb berichtet wird, gelangte sie nie zu nennenswertem Wohlstand. Der wirtschaftliche Niedergang im 14. Jahrhundert wurde von Parteiungen innerhalb des Konvents und Erschütterungen der klösterlichen Disziplin begleitet; nicht nur einmal musste ein Abt gezwungenermaßen resignieren. Erst die Kastler Reform, unter den Äbten Konrad II. (reg. 1413-1424) und Ludwig (reg. 1424-1441) gegen alle Widerstände durchgesetzt, führte in der Mitte des 15. Jahrhunderts zu neuer Blüte.
Einen Höhepunkt bedeutete das Wirken des Abtes Hermann Hollfelder (reg. 1445-1468), dem 1452 das Recht der Pontifikalien, Mitra, Ring und Stab, verliehen wurde. Eine gute Wirtschaftsführung und ein reges geistiges Leben, von dem der Chronist Jakob Parfueß berichtet, förderten das Ansehen und die Attraktivität des Klosters, das mit 34 Mönchen den höchsten Personalstand in seiner Geschichte erreichte.
Ein Brandunglück im Jahr 1507 mit großen Schäden an Kirche und Konventgebäuden leitete den Verfall ein. Der anschließende Wiederaufbau erfolgte unter großen Opfern. Sinkende Wirtschaftskraft, religiöse Missstände und schließlich das Eindringen der lutherischen Lehre führten zum Erlöschen des monastischen Lebens. 1524 lebten in Ensdorf nur noch sechs Mönche und Abt Gregor Sintersperger, der 1525 aufgrund seiner nachlässigen Amtsführung abdanken musste. Bis 1554 wurde das Kloster geistlichen Administratoren unterstellt; der letzte Konventuale starb bereits 1549.
Mit der Einführung der kurpfälzischen Kirchenordnung durch Kurfürst Ottheinrich im Jahr 1556 wurde der katholische Kultus verboten; die klösterliche Grundherrschaft gelangte unter weltliche Administration.
Im Zuge der Rekatholisierung der Oberpfalz erfolgte unter Kurfürst Ferdinand Maria die Restitution der säkularisierten Klöster. Am 23. Juli 1669 lebte die monastische Tradition in Ensdorf wieder auf, als die alten Klostergebäude von Benediktinern aus Prüfening bezogen wurden. Unter dem Superiorat seines altbayerischen Mutterklosters blieb Ensdorf bis zur Erhebung als eigenständige Abtei im Jahr 1695.
Abt Bonaventura Oberhuber (reg. 1695-1716), seit 1699 zugleich Vorsteher in Reichenbach, erwies sich als tatkräftige Persönlichkeit. Ihm gelang - trotz erheblicher Belastung des Klosters durch die Abgaben im Österreichischen Erbfolgekrieg - eine Erneuerung des Klosters. So entstand in seiner Amtszeit eine prachtvolle barocke Wandpfeilerkirche, wohl nach Plänen von Wolfgang Dientzenhofer. An der Ausgestaltung des Sakralbaus waren berühmte Künstler beteiligt, darunter die Maler Johann Gebhard, Cosmas Damian Asam und dessen Vater Hans Georg; die Stuckarbeiten übernahmen die Brüder Thomas, Matthias und Bernhard Ehamb sowie Philipp Jakob Schmuzer.
Zur wissenschaftlichen Blüte der Klostergemeinschaft im 18. Jahrhundert trugen die beiden Äbte Anselm Meiller (reg. 1716-1761) und Anselm Desing (reg. 1761-1772) bei. Meillers Hauptwerk ist die Vita des heiligen Otto von Bamberg, verknüpft mit einer Geschichte seines Klosters, die in der gewissenhaften Auswertung archivalischer Quellen dem maurinischen Wissenschaftsideal verpflichtet ist. Als wahrer Polyhistor, als stets vorwärts strebender, universeller Geist besaß Anselm Desing im katholischen Deutschland erhebliche Ausstrahlungskraft. Bedeutung besaß er als Historiker und Pädagoge, als kirchenrechtlicher Publizist und Rechtsphilosoph, doch beschäftigte er sich ebenso intensiv mit den Naturwissenschaften, insbesondere der Astronomie, der Mathematik, der Physik und nicht zuletzt der Technik. Der Geschichtsforschung widmete sich der letzte Ensdorfer Bibliothekar und Archivar Joseph Moritz (1769-1834). Er löste mehrfach als Sieger Preisaufgaben der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie der Akademie der Bayerischen Benediktinerkongregation; mit historiografischen Arbeiten hielt Moritz auch nach der Säkularisation das Gedächtnis an sein Kloster wach.
Der Geist der Aufklärung spiegelt sich in der Förderung naturkundlicher Studien wie in besonderen pädagogischen Anstrengungen wieder. So wurde eine gut sortierte Sammlung mathematischer und physikalischer Instrumente aufgebaut, die Abt Anselm Desing zum Teil selbst anfertigte. Das reichhaltige Naturalienkabinett lässt das Interesse an den Gegenständen der Umwelt erkennen. Die Klostervorsteher bemühten sich ständig um die Erweiterung der Bibliothek, die kritischen Ansprüchen genügen sollte, da der Erwerb von Neuerscheinungen den Zugang zum aktuellsten Stand der Wissenschaften eröffnete. Nahezu einzigartig ist die Ausstattung mit Akademieschriften und Enzyklopädien, das wenig begüterte Kloster Ensdorf vermochte auf diesem Gebiet durchaus mit dem großen St. Emmeram in Regensburg zu konkurrieren. Der letzte Abt Diepold Ziegler (reg. 1773-1801) errichtete 1778 ein sog. Pädagogikum, eine "Erziehungsschule für tüchtige Schulmeister".
Die (zweite) Säkularisation bereitete der intakten Klosterkultur in Ensdorf ein Ende. Am 25. Januar 1802 erreichte die klösterliche Gemeinschaft, die zu diesem Zeitpunkt siebzehn Patres und einen Laienbruder umfasste, der kurfürstliche Aufhebungsbescheid. Der bisherige Klosterrichter wurde zum Lokalkommissar ernannt, der die Inventarisierung des Besitzes vorzunehmen hatte. Die Klostergebäude und -gründe gingen in Staatsbesitz über (z.B. der Klosterwald und das Hammerwerk Leidersdorf). Ortsansässige erwarben kleinere Anwesen. Die Abteikirche diente fortan als Pfarrkirche. Die 7000 bis 8000 Bände umfassende Büchersammlung gelangte - zum großen Teil - in die neu gegründete Provinzialbibliothek in Amberg, wo sie vom früheren Konventualen Joseph Moritz betreut wurde. Eine Reihe von Mönchen fand in der Seelsorge Verwendung, einige übernahmen Verwaltungsaufgaben im Hammerwerk Leidersdorf.
Im Jahr 1861 erwarb das Bischöfliche Ordinariat Regensburg große Teile der Anlage, um das Priesterhaus Xaverianum einzurichten. 1920 ließen sich die Salesianer Don Boscos in Ensdorf nieder; die Klostergebäude beheimateten bis 1967 das Noviziat der deutschen Provinzen, heute sind hier u.a. ein Jugendbildungshaus und eine Umweltstation untergebracht.

( Manfred Knedlik)



 

SUCHE

LAGE IN BAYERN
Kartenausschnitt in Google Maps anzeigen