Chammünster


 

GESCHICHTE

 

Chammünster, Benediktinerkloster Maria Himmelfahrt – im Dienst der bayerisch-böhmischen Mission

 

 

 

Der bairische Herzog Odilo (Regierungszeit 736–748) gründete eine Reihe von Klöstern und förderte die Errichtung der Bistümer Regensburg, Freising, Passau und Salzburg. Wohl im Zusammenhang mit der neu organisierten Diözese erhielt der Abtbischof des Klosters St. Emmeram in Regensburg um 740 aus dem Herzogsgut ein Gebiet im Nordwald. Diese Schenkung war von Anfang an für ein Rodungs- und Missionskloster bestimmt. Benediktinermönche aus St. Emmeram gründeten die „cella ad chambe“, das Klösterlein am Chamb, einem Nebenfluss des Regen, und errichteten das erste Gotteshaus im Oberen Bayerischen Wald. Dabei wird es sich, wie zu jener Zeit üblich, um einen Holzbau gehandelt haben. Von dieser Niederlassung aus wurde das Gebiet kultiviert und die Missionierung Böhmens, mit der das Domkloster St. Emmeram in Regensburg beauftragt war, vorangetrieben. Im Jahr 819 reiste Abtbischof Baturich mit großem Gefolge nach Chammünster, um den Besitz des Klosters zu sichern. Dies geschah in Form eines Umritts, der die gestifteten Gebiete umfasste. Die darüber ausgestellte Urkunde hat sich erhalten; sie ist die älteste ihrer Art aus der Oberpfalz. Ein erster Erfolg der Missionare war die Taufe von 14 böhmischen Adeligen im Regensburger Dom im Jahr 845. In der Zeit um 910 litt die ganze Region unter den Einfällen der Ungarn; auch diese Niederlassung der Mönche dürfte damals zerstört worden sein. Seit den 960er-Jahren verhandelten die PÅ™emysliden mit Papst Johannes XIII. über die Errichtung eines Bistums für ganz Böhmen und Mähren. Durch eine Übereinkunft zwischen Fürst Boleslav II., Kaiser Otto I. und dem Regensburger Bischof Wolfgang erfolgte dann 973 die Gründung des Bistums Prag. Damit stand Böhmen nicht mehr unter der Jurisdiktion der Diözese Regensburg. Chammünster wurde 975 dem Bischof unterstellt. Die Mönche kehrten nach Regensburg zurück. An ihrer ehemaligen Klosterkirche installierte Bischof Wolfgang die erste Pfarrei in der Region.

 

Bischof Konrad I. von Regensburg (reg. 1126–1132) versuchte gleich zu Beginn seiner Amtszeit, die Klostertradition in Chammünster wieder aufleben zu lassen. Er wollte hier ein reguliertes Augustiner-Chorherrenstift einrichten, um die Klerusreform voranzutreiben. Dazu berief er Gerhoh aus Rottenbuch, eine prominenten Vertreter der gregorianischen Reformbewegung. Dieser scheiterte jedoch mit seinem Konvent bereits 1128 am Widerstand der einheimischen Ritterschaft. Chammünster blieb weiterhin Pfarrkirche. Im Spätmittelalter verlegte man den Pfarrsitz nach Cham. In dem spätgotischen Neubau der Kirche von Chammünster, der um 1476 fertiggestellt wurde, erinnert nichts an die ehemalige Klosterzeit. Ihre Doppelturmfassade erscheint jedoch in stilisierter Form im Wappen des Landkreises Cham und verweist auf diese Art auf die Anfänge der Christianisierung im Oberen Bayerischen Wald.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 

 

 

 

 

Link:

 

http://www.pfarrei-chammuenster.de/

 

 

 



 

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