Cham


 

GESCHICHTE

Franziskanerkloster Cham - Zur Seelsorge des einfachen Volkes

Die Ansiedlung der Franziskaner in Cham war lange Zeit von Schwierigkeiten begleitet. Maximilian I. von Bayern hatte unmittelbar nach der Eroberung von Cham im Jahr 1621 zwei Jesuitenpatres gerufen, um die Bevölkerung wieder der katholischen Lehre zuzuführen. Der Stadtpfarrer von Cham, Johann Wolfgang Hueber, setzte dagegen sein Vertrauen in die volksnahe Missionstätigkeit der Franziskaner. 1631 erhielt Pfarrer Hueber die kurfürstliche Genehmigung zur Errichtung eines Hospizes für den Bettelorden. Der einfache Bau entstand vor den Toren der Stadt auf einem Grundstück, das der Magistrat zur Verfügung gestellt hatte. Diese Niederlassung fiel jedoch noch vor ihrer Vollendung im Jahr 1633 einem Überfall schwedischer Truppen zum Opfer. Man erteilte daraufhin den Franziskanern erneut die Bauerlaubnis für ein Hospiz, diesmal innerhalb der Stadtmauern. Am 4. Oktober 1638 erfolgte die feierliche Konsekration von Kloster und Kirche, die dem heiligen Bonaventura geweiht waren.

Im Jahr 1641 fielen wiederum schwedische Söldner plündernd und brandschatzend in Cham ein; die Franziskaner mussten fliehen. Fast zwei Jahre später erst konnten die Mönche mit dem Wiederaufbau beginnen. Eine verheerende Feuersbrunst bedeutete 1657 einen erneuten Rückschlag, doch dank der großzügigen Unterstützung des Kurfürsten Ferdinand Maria und seiner Gemahlin Anna Maria gelang die rasche Wiederherstellung des Klosters. Der Konvent bezog einstweilen den Pfarrhof in Neukirchen beim Hl. Blut, wo der Orden seit 1656 mit der Wallfahrtsseelsorge betraut war.

Die Mönchsgemeinschaft spielte eine wichtige Rolle im katholischen Leben der Stadt Cham. Besondere Bedeutung kam den von den Franziskanern geförderten Bruderschaften zu: der Bruderschaft des hl. Antonius von Padua (1669), der Franziskusbruderschaft sowie der Michaelibruderschaft. Auf eine sinnenfällige Glaubensvermittlung zielte die Einführung von Kreuzwegandacht und Vierzigstündigem Gebet (1723). Bis 1774 versahen die Mönche das Predigtamt auf der Kanzel der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Neben der Seelsorge bildete auch die Kranken- und Verwundetenpflege, zumal während des Spanischen Erbfolgekriegs und des Österreichischen Erbfolgekriegs, einen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit.

Die Franziskaner erfreuten sich bei der einfachen Bevölkerung großer Beliebtheit, die auch in ansehnlichen Spenden der Gläubigen Ausdruck fand. Von wirtschaftlicher Kraft zeugen die Erweiterung der Klostergebäude und der Neubau der Klosterkirche von 1717 bis 1720. Zu einer Stätte der Bildung wurde die Niederlassung ab 1714 mit der Einrichtung eines philosophischen Kurses, der den Ordensnachwuchs, aber auch weltliche Zöglinge auf das Universitätsstudium vorbereiten sollte. Während seiner Blütezeit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erreichte die Gemeinschaft einen Personalstand von 24 Patres, fünf Klerikern und fünfLaienbrüdern.

Mit der Einquartierung eines Militärlazarettes in den Jahren 1799/1800 deutete sich die Säkularisation des Klosters bereits an. Am 10. Februar 1802 begann der Chamer Landrichter Johann Nepomuk von Geißler mit der Inventarisierung des Klosterbesitzes. Im April mussten die ersten vier Patres und zwei Kleriker das Kloster verlassen. Kurz vor der Versteigerung der gesamten Einrichtung vom 4. bis 18. Mai 1802 musste auch der restliche Konvent, der zu diesem Zeitpunkt noch sieben Patres und fünf Fratres umfasste, in das Zentralkloster der Franziskaner nach Neukirchen beim Hl. Blut übersiedeln. Einige Mönche verließen den Orden und übernahmen als Weltpriester Seelsorgestellen in der Umgebung, andere traten in den Schuldienst ein.

Im September 1802 wurden die Klostergebäude versteigert. Die Klosterkirche fand zunächst als städtischer Baustadel Verwendung. Auf Initiative des Pfarrers Joseph Ziegler wurde das frühere Gotteshaus von der katholischen Pfarrgemeinde St. Jakob erworben. Ab 1866 konnte man in der restaurierten Kirche wieder die Messe feiern. Anlässlich der Konsekration durch Bischof Ignatius von Senestrey erfolgte 1871 die Translation der Gebeine des hl. Irenäus.

Teile der Konventsgebäude beherbergten die städtische Knaben- und Mädchenschule sowie eine „Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder“. 1856 übernahmen die Armen Schulschwestern den Unterricht der Mädchenklassen. 1913 ging das Schulhaus in den Besitz des Frauenordens über. Nach dem Unterrichtsverbot durch die nationalsozialistischen Machthaber wurde 1938 eine Haushaltungsschule des BdM eingerichtet. Später diente das Gebäude als Wehrertüchtigungslager und Lazarett, nach dem Krieg als Unterkunft für die amerikanischen Besatzungstruppen sowie als Flüchtlingslager, bevor schließlich 1950 die Armen Schulschwestern wieder eine Mittelschule für Mädchen einrichteten.

(Manfred Knedlik)



 

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