Bayreuth, Jobstenberg


 

GESCHICHTE

Die Franziskaner auf dem Jobstenberg bei Bayreuth ? Seelsorger der Wallfahrer

Nahe Bayreuth befand sich auf dem Jobstenberg von alters her eine viel besuchte Wallfahrtsstätte. Die dem hl. Jodok (?Jobst?) geweihte Kapelle hatte Anfang des 16. Jahrhunderts so viel Zulauf, dass der Gotteshausmeister den Auftrag erhielt, dort auch Wirtshäuser zur Verpflegung der Pilger erbauen zu lassen. Um für die Wallfahrer auch eine bessere seelsorgerische Betreuung zu gewährleisten, bat Markgraf Friedrich IV. von Brandenburg im Jahr 1506 Papst Julius II. um die Erlaubnis zur Errichtung eines Franziskanerklosters in Bayreuth. Die Zustimmung erhielt er bereits im Dezember des gleichen Jahres. Markgraf Friedrich IV., ein Sohn des Kurfürsten Albrecht Achilles, war vermutlich durch seine fromme Gemahlin Sophie, Tochter des Polenkönigs Casimir, zu der wohltätigen Stiftung angeregt worden.

Der Provinzial der sächsischen Franziskanerprovinz Pater Dr. Ludwig Hennig schickte aus Hof und aus anderen Klöstern insgesamt zehn Brüder nach Bayreuth in die neu errichtete Niederlassung. Die durch die Hussitenkriege aus dem Jahr 1430 beschädigte Wallfahrtskapelle wurde als Klosterkirche von Grund aus neu erbaut und vergrößert. Friedrichs Gemahlin Sophie, die diese Wallfahrt besonders ins Herz geschlossen hatte, erwirkte beim Papst für alle Gläubigen, die den Jobstenberg am Fest des hl. Jodok, am 3. Oster- und Pfingsttag, an Mariä Himmelfahrt, Mariä Geburt, Mariä Opferung und Mariä Heimsuchung sowie am Tag der Kirchweih besuchten, einen besonderen Ablass von 100 Tagen. Dies trug zu einer beträchtlichen Vermehrung der Pilgerströme, vor allem an den Ablasstagen, bei.

Im Jahr 1514 übereignete Markgraf Friedrich IV. den Franziskanern die Gebäude samt Grund und Boden und gab die Erlaubnis zum Almosensammeln. Außerdem erhielt das Kloster jährlich 3 Zentner Karpfen aus dem Branberger Weiher sowie freies Bau- und Brennholz samt einem eigenen Fischwasser in der Steinach. Zum ersten Obern wurde Pater Christoph Fladenstein ernannt. Das Kloster schloss sich den Franziskaner-Observanten an, einer Bewegung innerhalb des Ordens, die eine strengere Auslegung der Regeln des heiligen Franziskus befolgte.

Nachdem 1525 der Bauernkrieg in Franken ausgebrochen war und gleich darauf auch die Kirchenreformation im Burggrafentum Nürnberg ihren Anfang genommen hatte, wurde St. Jobst, angeblich sogar durch Martin Luther selbst, im Jahr 1529 aufgelöst. Wohin die vertriebenen Franziskaner sich wandten, ist nicht überliefert. Die Kirchengeräte und Messkleider übereignete man der Bayreuther Stadtkirche übereignet. Die Besitzungen des Bayreuther Franziskanerklosters fielen größtenteils an die Pfarrei Nemmersdorf. Die Klostergebäude selbst wurden im so genannten Albertinischen Krieg 1553 von den Feinden des Markgrafen Albrecht völlig zerstört. Die wertvolle Klosterbibliothek landete zunächst in der Stadtpfarrkirche, später im Rathaus von Bayreuth. Heute besitzt die Universitätsbibliothek Erlangen noch über 50 Handschriften und rund 250 Inkunabeln aus dem ehemaligen Klosterbestand.

(Christine Riedl-Valder)



 

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