Altötting, St. Joseph


 

GESCHICHTE
Die Englischen Fräulein in Altötting

 

Im Jahr 1720, also fast ein Jahrhundert nach der Gründung des ersten Hauses der Englischen Fräulein in Bayern, wurde die Niederlassung in Altötting eröffnet. Für die Münchner "Oberstvorsteherin" Magdalena Theresia von Schnegg (amt. 1720-1743) war es die erste Neugründung ihrer Amtszeit. Die finanzielle Anfangsausstattung in Altötting war mehr als dürftig, obwohl die Englischen Fräulein vom Propst des Kollegiatstifts, einem Bruder des Kurfürsten Max Emanuel, unterstützt wurden. Der bayerische Kurfürst und der Fürstbischof von Salzburg hatten die Neugründung in Altötting genehmigt.

Zu den ersten Mitgliedern zählten die Hausoberin Elisabeth von Giggenbach (amt. 1721-1749) und fünf Damen aus der Münchner Niederlassung, dem Zentrum der Gemeinschaft in Bayern. Wie die Häuser in München, Augsburg, Burghausen, Mindelheim, Bamberg und Fulda, so wurde auch das Altöttinger Institut unmittelbar bei einem Kollegium der Jesuiten errichtet. Die Nähe zur Gesellschaft Jesu zeigte sich nach der Aufhebung des Ordens 1773, als die Häuser der Englischen Fräulein den vertriebenen Patres Aufnahme gewährten.

Ungeachtet der immer noch angespannten Finanzsituation wurde 1734 die Errichtung einer eigenen Institutskirche St. Josef begonnen. Die bereits 1737 abgeschlossenen Bauarbeiten leiteten der kurfürstliche Regierungs-Baudirektor Augustin Wiedemann und der Polier Josef Lederer. Bei der Innenausstattung der Kirche fällt die reichhaltige Stuckierung - so genannter "Bandlwerk-Stuck" - ins Auge. Fresken und Altargemälde werden Innozenz Anton Waräthi aus Sterzing zugeschrieben. Die Rokoko-Engel beiderseits des Tabernakels stammen vom Bildhauer Josef Deutschmann aus Passau.

Die um die Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzenden staatlichen Reformbemühungen um Schule und Bildung ließen die Institute der Englischen Fräulein nicht unberührt. Unter Kurfürst Max III. Joseph wurden die bayerischen Schulen der Aufsicht des Staats unterstellt und zur Durchführung staatlicher Lehrpläne verpflichtet. Die Schulen der Englischen Fräulein erfreuten sich trotz aller Eingriffe weiterhin großer Beliebtheit, obwohl ihre ursprüngliche religiöse Ausrichtung stark eingeschränkt war. In Altötting wurde 1786 noch ein Waisenhaus eröffnet, das die Erziehung armer Mädchen zu guten Dienstboten zum Ziel hatte.

Der Reichsdeputationshauptschluss 1803 schuf die rechtliche Grundlage für die bereits vorbereiteten Klosteraufhebungen und die Säkularisation. Auch in Altötting begann 1803 die Auflösung des Internats, das Vermögen der Niederlassung wurde eingezogen. Burghausen diente als Zentralhaus der Kongregation, in das sich auch die Altöttinger Gemeinschaft begeben musste, nachdem die Frauen die individuelle Pensionierung mit freiem Aufenthalt verweigert hatten. Die Räumung des Altöttinger Hauses begann am 30. November 1809.

1816 zogen alle Schwestern aus Burghausen nach Altötting, da das Burghausener Gebäude für staatliche Zwecke benötigt wurde. Bereits ab 1823 durften in Altötting wieder Novizinnen aufgenommen werden.

Ein wesentlicher Grund für die Wiedererrichtung zahlreicher Institute der Englischen Fräulein im Lauf des 19. Jahrhunderts war der Bedarf an Lehrerinnen nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht. Mit Unterbrechung von 1941 bis 1945 - in dieser Zeit war die Schule geschlossen und die Gebäude fanden als Lazarett Verwendung - besteht die Schule der Englischen Fräulein in Altötting bis heute. Seit dem Schuljahr 1982/83 können auch Buben das Maria-Ward-Gymnasium oder die Realschule besuchen.

 

 

(Laura Scherr)



 

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